»Ob sie uns sehen wird?«

Nein, sie tollten vorüber, und Thea hatte sie nicht gesehen. Sie wurde von den Knaben umringt, die bettelten: »Komm, spiel mit uns,« und sie warf ihnen ihren Ball zu, um den sie sich balgten.

Ebba atmete befreit und schaute nach dem Maler. Der hatte ihre Verlegenheit bemerkt, ahnte den Zusammenhang, und hatte sich derweilen an eine neue Flasche Sekt gemacht.

»Wie wäre es, wenn Sie Ihre Studien ein wenig weiter betrieben? Ich stelle mich Ihnen gern zur Verfügung. Die Stimmung ist jetzt so recht auf der Höhe. Kommen Sie, lassen Sie uns ein wenig umherstreifen.« —

In dem großen Saale ist ein Gedränge, daß es schier unmöglich scheint, vorwärts zu kommen. Er nimmt sie fest unter den Arm, drängt und schiebt mit Scherz und Lachen die Umstehenden auseinander und dringt unaufhaltsam voran. Getanzt wird in Ecken und Winkeln, auf den Korridoren und Treppenabsätzen. Man tanzt fest aneinandergeschmiegt — voll Gier — im Taumel.

In einer Ecke steht ein Kreis von Menschen um ein Tango tanzendes Paar. Tanzen sie? Nein, sie führen eine Pantomime auf. Eine Pantomime des Blutes, der Wollust, der Sinnlichkeit. Die Umstehenden schauen atemlos, mit gierigen Augen, auf das Paar. Als sie geendet, klatschen sie Beifall. Ein bleicher Jüngling stürzt zitternd auf das Weib zu, umschlingt sie und flüstert heiß: »Komm«. Sie lacht. »Komm, tanzen,« drängt er. Er nimmt sie in seine Arme und flüstert heiße, bettelnde Worte in ihr Ohr.

Ebba ist blaß. Sie gehen weiter. Wieder eine Gruppe von Zuschauern um ein einzeln tanzendes Weib. Ein überschlanker, weißer Körper, über den ein Kleid von schwarzen Pailetten wie eine Haut gespannt. Nur der Leib ist von rosenfarbenem Trikot bekleidet. Oberkörper und Beine schimmern nackt durch das flimmernde Gewand. Eine der Achseln, die das Kleid halten, ist heruntergerutscht, so daß die eine Seite der Brust sichtbar wird. Sie tanzt. Ist ganz aufgelöst, wie in taumelnder Ekstase. Tanzt mit geschlossenen Augen und bebend geöffneten Lippen. Plötzlich bleibt sie stehen, stößt einen Schrei aus und taumelt einem der Umstehenden in die Arme. Der drückt seine Lippen auf die nackte Brust. Die Umstehenden lachen, und einer sagt: »Donnerwetter, das ist stark.« Ein anderer antwortet: »Was wollen Sie. Man lebt sich nur ein bißchen aus.« »Na, ich danke.«

»Bitte, lassen Sie uns zurückgehen,« bittet Ebba. Der Maler lacht. »Sie hörten ja, gnädige Frau: man tollt sich nur aus.«

Sie waren an die große Treppe gelangt, die zu den unten liegenden Garderoben führte. Die ganze Treppe ist malerisch belagert. In großen und kleinen Gruppen liegen sie umher, Männlein und Weiblein, in buntem Gemisch. Meist sind es Pärchen. Er und sie. Eng umschlungen. Küssend und kosend.

Karneval!