7. Abschnitt.
Platten–Gr. Kranichsee (25 km).

Zugangswege: Von Sachsen und Böhmen aus: Eisenbahnlinie Karlsbad–Johanngeorgenstadt mit Station Platten.

Die Kgl. Bergstadt Platten (868 m, 2770 E.) hat den Niedergang des Bergbaues ebenso schwer empfunden, als ehemals die teilweise Auswanderung seiner Bewohner nach Sachsen, welche zur Gründung der Stadt Johanngeorgenstadt Veranlassung gab. Die Erbauung der Eisenbahn von Karlsbad nach Johanngeorgenstadt hat zunächst der Stadt vielfachen Verkehr durch Touristen gebracht, was hoffentlich auch zur Besserung der industriellen und wirtschaftlichen Verhältnisse beitragen wird.

Einen bequemen und lohnenden Spaziergang von der Stadt bildet der Besuch des großen Plattenberges, welcher eine schmale tiefe, jedenfalls durch Einsturz von Bergwerksbauten gebildete Binge besitzt, die in ihrer Tiefe fast in allen Sommerzeiten noch Eis und Schnee erkennen läßt.

Als Abstecher von Platten aus ist zu empfehlen der Besuch der Stadt Bärringen und von Eisenbahnstation Saifenhäusl aus die Besteigung des Peindl-Berges mit hohem Aussichtsturm. Die Aussicht von hier ist höchst lohnend; über Neuhammer gelangt man nach Platten zurück.

Der Kammweg führt von der Stadt Platten aus unter der Eisenbahn hinweg und entlang der Häuser weiter auf der Breitenbacher Bezirksstraße, welche sich an der Eisenbahnbrücke (Wegweiser) von der über Neuhammer nach Hirschenstand und Neudeck führenden Straße getrennt hat. An der Holzstopfen- und Holzwoll-Fabrik verlassen wir die Bezirksstraße und betreten den l. nach der bewaldeten Talwand sich wendenden Waldweg. Er führt am nördlichen Hange des 996 m hohen Rammelsberges durch den Waldteil: Am tiefen Graben, nachdem wir den Zienerwiesbach überschritten haben. Auf diesem sogenannten Kuhbrückenweg erreichen wir in etwa 1 Stunde die Reichs- und Landesgrenze dort, wo sie am Grenzstein V eine scharfe Spitze nach Süden bildet und die Grenze der Bezirke St. Joachimstal und Graslitz daran antrifft in einer Höhe von 956 m. Wenn auch von hier Waldwege weiter nach Hirschenstand führen, so verlassen wir doch an dieser Stelle auf längere Zeit das Böhmerland und überschreiten die Grenze, um nun eine Wanderung auf sächsischem Gebiete anzutreten.

Die nun folgende Tour über den Auersberg zum Kranichsee ist die einzige Hauptstrecke des Kammweges im Bereiche des sächsischen Erzgebirges, wo Gelegenheit ist, die vom Gesamtvorstande des sächsischen Erzgebirgsvereins angeregte und durchgeführte farbige einheitliche Wegmarkierung kennen zu lernen. Es sei hier nur darauf hingewiesen, daß diese Markierung ausgeführt wurde in den vier Farben: rot, blau, gelb und weiß, und aus parallelen, aufrecht oder wagrecht gestellten Strichen oder aus mehrfarbigen, schräg gestellten Kreuzen gebildet wird. Am Anfange und Ende, sowie bei Hauptkreuzungsstellen sind Wegetafeln zur Orientierung über Entfernungen und Farbenmarken aufgestellt. Dargestellt ist das Netz dieser Markierung auf der offiziellen »Wanderkarte« des Erzgebirgsvereins – Graser'sche Buchhandlung (R. Liesche), Annaberg Komm.-Verlag = 40 Pfennig.

Zur Zeit, da dieser Führer in Druck gelangt, ist die Markierung des Kammweges auf dieser sächsischen Strecke bis zum Kranichsee nur vorgesehen, weil sie erst im Herbst 1906 beschlossen wurde und deshalb noch nicht ausgeführt. Die Begehung dieser Strecke geschah vor der Markierung, in welcher jedoch voraussichtlich wenig von der nachstehenden Beschreibung wird abgewichen werden.

Nach Ueberschreitung der Landesgrenze wendet man sich nach l. (nordwestlich) und folgt den Grenzsteinen (27) 114 (26) 113 und so fort auf einem Waldwege; man gelangt am Ausgange des Tales, in welchem der Pechhofer Bach nach Breitenbach und Johanngeorgenstadt hinabfließt, am Grenzstein 111 zu einer Weggabelung, bei welcher man sich immer l. (geradeaus) hält und in Weiterverfolgung des Grenzweges bald bei Grenzstein IV zu einer breiten Schneise gelangt, auf welche der = rot/gelb markierte Weg von Hirschenstand nach Oberjugel verläuft. Wir überkreuzen denselben, bleiben in der Nähe der Landesgrenze und treffen zwischen Stein 90 und 89 auf einen gleichfalls von Hirschenstand kommenden || rot/gelb markierten Weg, der uns nunmehr von dem Grenzzuge ab zu einigen einzelnen Häusern (Waldwärter, Wirtschaft), Henneberg (920 m) genannt, bringt. In nächster Nähe derselben hat der Erzgebirgs-Zweigverein Johanngeorgenstadt ein hölzernes Gerüst errichten lassen, welches einen interessanten Ueberblick bietet über den kleinen Kranichsee, ein Hochmoor mit eigenartiger Flora und Fauna. Folgen wir diesem Waldwege noch ein kurzes Stück, so gelangen wir an die Wegetafel Nr. 99, auf welcher zu finden ist die Bezeichnung ||| blau/weiß/blau (lt. Karte weiß-blau-weiß) für einen nordwärts verlaufenden Waldweg, welcher zur Höhe des »schwarzen Bär«, 936 m ansteigt, dann aber sich senkt und geradlinig hinab führt zu der Hauptstraße (Chaussee) von Johanngeorgenstadt über Wildenthal nach Eibenstock. Wir treffen auf diese bei einigen Gebäuden (ehemals Pochwerk) eines Bergwerks (Wilder Mann) – Wegetafel Nr. 98.