9. Abschnitt.
Zwota–Brambach (26 km).
Zugangswege. Aus Sachsen und Böhmen: Eisenbahnstation Zwota an der Linie Aue–Adorf bezw. Graslitz (Klingenthal)–Zwota.
Der Bahnhof Zwota liegt ziemlich einsam am Anfange des Zwota- (Zwoda i. B.) Tales, das sich über das Dorf Zwota hinunter nach Klingenthal und Graslitz erstreckt. Einige Wohnhäuser für Eisenbahnbedienstete, Waldarbeiter und Private sind neben den Dienstgebäuden selbst errichtet worden. Der Bahnhof Zwota hat nur deshalb Bedeutung, weil hier die von (Graslitz) Klingenthal und von Adorf in starken Steigungen heraufkommenden Bahnlinien sich vereinigen zu der Weiterfahrt über Schöneck und Muldenberg (s. Abschn. 8).
Wir verlassen den wenig ansprechenden Bahnhof in der Richtung nach Adorf zu, überschreiten die dahin führende Bahnstrecke etwa 500 m vom Stationsgebäude entfernt und folgen dem über die Bahn führenden Wege zu der Kärnerstraße, welcher vom Tannenhaus ab dem Kammweg gefolgt war.
Dem ehemaligen »Salzkärnerweg« folgen wir auf unserer Kammwegwanderung auch noch weiter, überschreiten die von Zwota nach Adorf führende Eisenbahn auf einer hohen Brücke und treten nun wieder in höheren Waldbestand ein. Hier kreuzen wir bald den von Oberzwota nach Gunzen führenden Straßenzug und gehen ziemlich gleich bleibend in einer Höhe von 700 m weiter bis zur Einmündung in die von Markneukirchen nach Klingenthal führende Landstraße. Hier müssen wir die nach Gopplasgrün und Erlbach weitergehende Kärnerstraße verlassen und einem mit Nr. 4 bezeichneten Wege folgen, der uns in schöne Waldbestände am 804 m hohen Brand vorbei führt. Gehen wir weiter über Pauli-Berg und haben einen kleinen Waldbach überschritten, so treten wir in den großen Döhler Wald ein, dessen höchste Erhebung (807 m) die Dreirainsteine bilden, deren wir in Verbindung mit dem Aschberg in der Beschreibung des vorigen Abschnittes bereits gedachten. Sie liegen nahe dem Hauptwege, der auf sächsischer Seite entlang des Landesgrenzzuges von Erlbach nach Klingenthal führt. Der Kammweg quert diesen Weg und übersetzt auch die Reichsgrenze selbst, da er auf eine kurze Strecke hier wieder auf böhmisches Gebiet übertritt. Es ist dies geboten, um den Auslauf des Tales, in welchem der Schwarzbach über Erlbach und Markneukirchen nach Adorf zur Elster läuft, zu umgehen und den Höhenkamm wieder zu gewinnen, der sich hier in dem 818 m hohen Ursprung-Berg und dem Felsenlabyrinth des 777 m (13 km) Hohen Steines ausgesprochen kennzeichnet. Zwischen diesen beiden Erhebungen liegen in einer Höhe von 680 bis 750 m zerstreut die kleinen böhmischen Ortschaften Ursprung, Kirchberg und Stein, durch welche wir gehen müssen, um zu dem von fern einer Ruine gleichenden Felsstock zu gelangen. Der Hohe Stein bietet eine ausgezeichnete Rundsicht und wird viel besucht besonders von Markneukirchen und Klingenthal aus – siehe: Metzner, das obere Vogtland 26. Partie.
Nach längerem Verweilen auf diesem Aussichtspunkt nehmen wir den Abstieg wieder zu dem Wege, der uns vom Dorfe Stein aus hierher gebracht hatte und folgen demselben abwärts, bis wir uns nach kurzer Wanderung scharf r. (einer Ziegelei zu) wenden müssen, um in einer Höhe von 650 m wiederum die Grenze zu überschreiten und entlang derselben auf sächsischer Seite ihr zu folgen bis zur Bezirksstraße von Markneukirchen nach Schönbach. Entlang dieser Straße zieht sich in weitem Tale das Dorf Wernitzgrün (605 E.) mit stattlichen Gebäuden abwärts. Wir kreuzen oberhalb des Zollamtes diese Straße und folgen der Landesgrenze von Stein 285 weiter auf dem Grenzweg bis zum Stein 277; von hier folgen wir dem Wirtschaftsweg, der uns zu der weit sichtbaren Triangulierungsmarke auf der Landwüster Höhe (664 m) geleitet. Diese Höhe und die unweit davon stehende Kirche des Ortes Landwüst (557 E.) bilden ein weit erkennbares Merkmal für das südliche sächsische Vogtland. Die Aussicht nach Sachsen und Böhmen ist belebt durch eine große Zahl von Ortschaften, deren hohe Lage sie auch über die vielen Bergkuppen hinweg sichtbar werden läßt.
Bei der Umschau von dieser Höhe erblicken wir südwestlich eine Kuppe, zuweilen auch einen Eisenbahnzug oder den Rauch von Lokomotiven. Es ist dies die Gegend des 638 m hoch sich erhebenden Hengst-Berges, zu welchem die von Plauen nach Eger führende Eisenbahnlinie ansteigen muß, um die Wasserscheide der weißen Elster und der Eger zu überwinden. Der Kammweg führt uns auf dem Brambacher Sträßchen nach dieser Richtung hin und zwar fast anhaltend abwärts.
Ueber Rohrbach (600 m, 205 E.) führt die Straße, meist weite Ausblicke bietend, an den Spuren des »Alten Schlosses« und der »Schwedenschanze«, sowie beim Geiersberg (638 m) vorbei, in etwa 2 Stunden nach dem Marktflecken Brambach, der an der alten Heerstraße von Plauen nach Eger gelegen ist, welche wir bei Stein km 25,9 an der Kirche erreichen.