Wir stehen auf der 178 m langen Kaiserin Elisabeth-Kettenbrücke, welche die an beiden Ufern der Elbe herrlich gelegenen Städte Tetschen und Bodenbach verbindet, und sehen sinnend hinunter auf den prächtigen Strom, dessen Fluten eilig zum freundnachbarlichen Sachsenlande hinabgleiten. Hochragende Berge und steile Felswände drängen sich an beiden Ufern bis an den Strom und machen den aufstrebenden Schwesterstädten den Platz streitig. Ein stattliches, altehrwürdiges Gebäude thront auf steiler Felshöhe, das gräfl. Thun'sche Schloß; von mehreren Höhen flattern lustige Wimpel uns deutschen Willkommensgruß zu, auf dem glänzenden Strome ein buntes Durcheinander von allerhand Fahrzeugen, großen und kleinen; an beiden Ufern eilen Eisenbahnzüge dahin, ein Rasseln, Pfauchen, Pfeifen, lautes Treiben ringsherum! Wir aber wollen hinauf auf die stillen, herrlichen Kammhöhen des Erzgebirges, in die reine, dünne Höhenluft, um unsere müden Nerven zu beruhigen und zu kräftigen und an Leib und Seele zu gesunden!
Deshalb rasch zum Brückenausgang auf der Bodenbacher Seite. Diesem gegenüber ein breites, offenes Tor – das ist der Eingang zum Erzgebirgskammwege. R. daneben an der Mauer die große Tourenkarte des Tetschener Gebirgsvereines und die Tafel: »Kammweg Tetschen–Asch via Schneeberg, Tissa hier über die Eisenbahn« mit der Kammwegmarke (4 blaue Zinken auf weißem Grunde).
Auf nun zu fröhlicher Bergfahrt! Wir schreiten durch das Tor und über das Geleise der Sächs. Staatseisenbahn, r. und l. ein Eisenbahntunnel, l. die Schäferwand, zu welcher der »Waldsteig« abzweigt. Der Kammweg – schon geht es bergwärts – führt die steile mit großen Sandsteinen gepflasterte, schmale Rotbergstraße mit schönen Rückblicken hinauf (von hier bis zum nächsten Dorfe finden sich keine Marken und keinerlei Markierung), l. die Häuser 1, 3, 5, 7, 9, 15, r. 20, 22, 24, 26. Es folgt nach etwa 10 Min. eine Wegteilung bei 2 Linden, l. Biela-Straße; wir gehen r. die Rotbergstraße weiter, l. Nr. 27, 29, 33, r. 30, 32, 34, 36, 38, 40, 42, meist kleine Häuschen, teils alter, traulicher, teils neuer, aber freundlicher Bauart. Beim Hause Nr. 33 wendet sich die Rotbergstraße nach r., l. in einiger Entfernung: Restaurant Schweizerhof. R. treten Wald und Berg an das Sträßchen, Revier-Pfosten 41 und 42, l. stehen die letzten 2 Häuser Bodenbachs Nr. 37 und 41. Wenige Schritte dahinter Wegteilung. Achtung! Nicht r., nicht l., sondern geradeaus nur mäßig ansteigend am Rande einer (r.) Wiese weiter (Weg anfangs etwas verrast) auf die freie Höhe mit prächtiger Ausschau: l. Pfaffen-, Hut- und dahinter Hopfenberg, vor uns das Schneeberg-Massiv (Turm nicht sichtbar). Bald senkt sich der Weg und vor uns liegen die Häuser der kleinen Ortschaft (1¾ km[2]) Bösegründl. (R. kommen 2 Wege herab.) Wir lassen die ersten 3 Häuser ganz l., biegen r. um, an einer eingemauerten (l.) Quelle vorbei, l. altes Bauernhaus Nr. 2, Gemeindeamt und Nr. 6, r. Wegweiser mit dem 2. Kammwegzeichen und kl. Schankwirtschaft »Zum Morgenstern«. Nun Eintritt in den Wald und Wegsenkung ins Bielaer Tal. L. Wegweiser z. Manzer-Weg und Gauben-Wändl (empfehlenswerter Aussichtspunkt, 2 Min.) und bald Wegteilung. Wir schreiten r. den gebauten Touristensteig mit Geländer an der Talwand herab in das Dorf (3¼ km) Biela (1597 Einw.), queren im Tale die Straße nach Kalmswiese, übersetzen ein Wässerlein, um auf die Neu-Biela durchziehende Straße mit dem Wegweiser »In ½ Stunde zum Hohen Schneeberg« zu gelangen. L. Haus 16, r. 130. Auf dieser Straße immer weiter den Ort hinauf. Oberhalb des (r.) Postamtes l. Wegweiser. Wir folgen der Straße, die uns an mehreren Fabriksgebäuden, (l.) Kirche und Schule vorbei bis zum obersten Gasthause (Schweizer Hof oder Mühle?) führt. Vor diesem auf schmalem Pfade links die Talwand hinauf, an den einzelnen Häuschen (r.) 56 und 55 vorbei, von denen eines auf einer Tafel folgende Bemerkung zeigt: »Der Kammweg ist von hier bis Dorf Tissa nur weiß markiert.« Leider gestattete der Herrschaftsbesitzer Graf Thun in Tetschen die Anbringung der blauweißen Kammwegmarken in seinem Gebiete nicht. Weiter zum letzten (l.) Hause empor und wir sehen schon die Straße, auf die unser Weg einmündet. Dort Tafel: »Direkter Weg durch Biela nach Bodenbach« und Telegraphenstange 34. Bald zweigt l. die Nostiz-Straße ab, wir verfolgen unsere Straße weiter, bis sie nach etwa 10 Min. nach l. umbiegt. Hier weisen uns eine Wegtafel »Direkter und kürzester Aufstieg zum Hohen Schneeberge« und weiße Marken (Kalkstriche) r. auf einen teilweise gepflasterten Fahrweg, auf dem wir in wiederum 10 Min. bei einer (r.) Schutzhütte eine gerade Waldstraße rechtwinkelig kreuzen (als Fortsetzung finden wir 2 Pfade, wir wählen den der Hütte näheren). Nach 5 Min. mündet unser Weg auf einen von r. steil heraufkommenden Weg ein, den wir scharf nach l. verfolgen. Nun sind wir auf der Kammhöhe angelangt; bald führen nach r. zwei Wege, einer davon in das Wildgatter hinein. Wir bleiben l., gehen gerade aus am Wildzaun (aus Draht) etwa 5 Min. weiter. Vor uns erhebt sich ein Fels des Schneeberggipfels, an dem wir r. herum über Stufen auf die Gipfelhöhe aufsteigen, auf der wir in 12 Min. das hinter Waldbäumen verborgene Unterkunftshaus des Hohen Schneeberges (8½ km), 721 m Seehöhe, erreichen.
Von dem freien Platze vor dem Unterkunftshause genießt man eine herrliche Aussicht nach S. und O. (Orientierungskarte auf der Mauerbrüstung); vom 30 m hohen, steinernen Turme eine großartige Rundsicht (Panoramakarten sind erhältlich) besonders über die ganze sächsische Schweiz und einen großen Teil Sachsens. Die Türme von Dresden erblickt man deutlich; bei klarer Luft im O. außer dem ganzen Lausitzer Gebirge, das Isergebirge, die Schneekoppe u. a. m. Im Unterkunftshause gute Verpflegung, 50 Nachtlager, schöner Speisesaal, im Nebenzimmer Erinnerungen an den wiederholten Besuch seitens der königl. sächs. Familie: 1876, 1888, 1905.
Vor dem Turm vorbei in südwestlicher Richtung führt der Kammweg hart am südlichen Steilabsturze der Hochfläche des Schneebergs weiter, nach 5 Min. Wegteilung, wir l. den Serpentinenweg teils über Stufen hinab, queren die Straße und folgen dem Wegweiser zum Hotel »Schweizerhof« im (10 km) Dorfe Schneeberg (492 E.), beliebte Sommerfrische. Vom Schweizerhof auf der Straße wenige Min. nach Süden, am (l.) Gasthause »Zur Hoffnung« und Haus Nr. 23 vorbei; beim nächsten Hause Straßenkreuzung, l. Stein 117, r. Stein 116, Wegweiser. Wir wenden uns r. auf die westlich gegen Tissa führende Straße, die in einer Seehöhe von etwa 600 m und bald nach dem Eintritte in den Wald 2½ km geradlinig dahinführt. Schließlich wendet sich die Straße scharf nach r. und senkt sich. Nach 6 Min. neuerliche scharfe Wendung nach l. An dieser Stelle (bei Reviertafel »Schönsteiner Revier«) verlassen wir die Straße und steigen r. bei der Tafel »Eingang in die Tissaer Wände« einen schmalen Pfad mit Stufen hinan. Nach 1 Min. r. und l. Pfade ab mit schönen Ausblicken; der eine (l.) führt zum »Tisch« (Felsbildung). Wir gehen unsern anfänglich eingeschlagenen Pfad weiter, dann einige Stufen herab und bemerken bald r. eine Stiege mit eisernem Geländer abwärts, eigentlicher Eingang in die Wände. Wir steigen jedoch l. den Kammweg hinauf, der uns über den horizontalen Kamm der Wände führt, die nach Süden 60–70 m mauergleich abstürzen und reizende Ausblicke auf den Ort Tissa, das Eulautal und Mittelgebirge gewähren. Im Westen sehen wir das Erzgebirge aus der Senkung von Tissa sanft ansteigen bis zur Nollendorfer Höhe, von der uns das weitschauende Kirchlein begrüßt. Endlich müssen wir r. über eine steile Steinstiege durch eine schmale Schlucht tief hinab in das Innere der Wände. Es empfiehlt sich nun, ein Stück in das Innere nach r. hineinzugehen, um sich die interessanten, mächtigen Felsgebilde zu betrachten, die verschiedene abenteuerliche Formen zeigen und dementsprechend Namen (teilweise angeschrieben) tragen, wie: Frosch, Helm, Januskopf, Medusenhaupt, Pilatussohle, Doktor u. a. m. oder mannigfache Höhlen und Spalten bilden: Schneiderloch, Enge Pforte, Klausenkirche u. v. m. Man vergesse jedoch den Rückweg nicht oder nehme einen Führer, die meist in der Nähe warten, oder aber gehe solange weiter, bis man nahe dem östlichen Ausgange wieder auf den Kammweg gelangt.
Am untern Ende der vorgenannten Steinstiege wendet sich der Kammweg nach l. und führt durch das »Torloch« südlich herunter in den Ort (15 km) Tissa, beim Friedhofe und der Kirche vorbei auf die nach Peterswald führende Straße, wo einige Schritte östlich der Kirche das Kaiser Josef-Denkmal und gegenüber das Hotel »Zur böhmischen Schweiz« (sehr empfehlenswert) steht. Im Orte Tissa betreten wir das Urgestein des Erzgebirges, meist roten Gneis, auf dem westlich bis gegen Nollendorf-Schönwald stellenweise Sandsteinreste aufruhen, wie wir es selbst auf dem Kammwege wiederholt betrachten können.
Tissa (544 m), Dorf mit 2200 Einw., ein schmucker Ort, hat ansehnliche Industrie, besonders Erzeugung von Knöpfen. (Berlet, Erzg. R. II a). Wir schreiten auf der Peterswalder Straße noch etwa 5 Min. aufwärts und beim Gasthaus »zum Grafen Thun« vorbei. Bei der (l.) Schmiede des Josef Hocke, Hufschmieds, (Wegweiser; hier beginnt die ununterbrochene blauweiße Kammwegmarkierung) verlassen wir die Straße und folgen (l.) einem rechtwinklig abzweigenden, nach Süden fast geradeaus führenden Fahrwege durch zerstreute Häuser weiter. Erst senkt sich der Weg etwas, die Richtung desselben wird von ferne schon durch einen einzelnen hohen Nadelbaum (Lärche) bestimmt. L. von diesem steht ein größeres Gebäude, r. die Häuser Nr. 46 und 289. Der Rückblick auf Tissa und die Wände wird immer herrlicher. Nach 8–10 Min. biegt der Weg nach r., dann gleich wieder nach l. und dann wieder nach r. stark um.
L. in einiger Entfernung stehen dichtgedrängte Häuser, das ehemalige Gut Schönstein. Genau hinter Tissa erscheint erst wenig, später mehr der Turm auf dem Schneeberge und r. in weiter Ferne die schöne Pyramide des Rosenberges. Auch der Blick in das Eulautal mit dem Hegeberge, Hopfen-, Lotter-, Hutberge bei Bünauburg ist reizend. Der Weg führt wieder gerade weiter südwestlich und bergan. Nach 2 Min. erste und wieder 2 Min. zweite Wegkreuzung; letztere auf der Höhe des Tissaberges, der nach r. ansteigt.
Die Aussicht wird umfassender: Weit im Südosten der dominierende, sattelförmige Geltsch und r. davon der mächtige Langeberg. Vor und zwischen beiden der markante, bewaldete Blankenstein mit Ruine.
Nun senkt sich der Weg und wendet sich etwas nach r. Vor uns ragt der Gebirgskamm mit der Ebereschenstraße Nollendorf–Schönwald und r. der Sattelberg auf, l. Ziegelteich. Nach 4 Min. erreichen wir eine Waldecke. Unser Weg wendet sich hier stark nach l., (während r. zwei Wege abgehen) r. vom Hochwald, l. von Jugend begleitet. Eine rotweiße Marke begleitet uns von der Waldecke an bis nahe an Oberwald. Nach 2 Min. Wegteilung, wir treten r. in den Hochwald ein und folgen einem ausgefahrenen, ansteigenden Hohlwege. Nach 1 Min. Wegteilung, wir gehen r. Nach 8 Min. treten wir aus dem Walde. Am Waldrande l. von uns begleitet uns längere Zeit ein Weg, der bei nassem Wetter besser gangbar ist und sich außerhalb des Waldes mit unserem vereinigt. Unser Weg schlängelt sich nun lieblich auf der freien Kammhöhe dahin, die hier den Namen »Auf der Schöne« führt und eine herrliche Aussicht gewährt. Etwa ¼ Stunde dauert die reizende Wanderung, bis wir etwa 400 Schritte vor uns und etwas tiefer zwei Gehöfte erblicken. Hier achte man genau auf die Kammwegmarken[3], die nun an Gesträuch einen nach r. rechtwinklig abzweigenden, verrasten Fahrweg zur Höhe hinaufleiten, wo wir nun einem ganz schmalen Pfade l. eben durch Heidekraut und Gehölz folgen. Wo dieser sich senkt und in niedrige Jugend eintritt, folgen wir l. rechtwinklig einem Pfade, der immer an Grenzsteinen und schließlich am Waldrande (l. ein Feld) weiterleitet, bis er einen Fahrweg erreicht und wir vor uns auf grünen Matten die wenigen und teils altersgrauen Häuser von Oberwald erblicken. Die Kammwegmarkierung führt nun etwas rechts über den Fahrweg, quer durch die Wiesen, auf eine kleine Brandruine und das einzige sehr bescheidene Gasthaus des Wenzel Bail zu, wo wir recht gerne ein Glas frischer, guter Milch erhalten. L. oberhalb des genannten Gasthauses steht an dem breiten Fahrwege ein steinernes Kreuz mit der Jahreszahl 1819, dort müssen wir vorbei und den Fahrweg nach r. nordwestlich benützen bis zum letzten (r.) Hause. Der bisherige Weg führt geradeaus weiter nach Peterswald. Wir aber folgen dem l. rechtwinklig zur Höhe ansteigenden Fahrwege, der nun durch mageren Föhrenwald in wenigen Minuten nach (22 km) Jungferndorf führt. R. vom Wege erhebt sich der 686 m hohe kahle Sandkopf mit weiter Aussicht nach Sachsen, l. stehen etwa drei kleine Häuschen. Die meisten Häuser des Ortes gewahren wir erst r. an der Westseite des Sandkopfes, wenn unser Weg die breite Kaiserstraße erreicht hat. Wir wandern nun auf dieser in südlicher Richtung nach Nollendorf führenden Straße, l. Wegtafeln des Teplitzer Gebirgsvereins Nr. 736 und 735 (etwas kürzerer Weg nach Oberwald) rotweiße Marke.