(24 km) Nollendorf (679 m – 322 E.) Historisch merkwürdig durch die Schlacht bei Kulm im Jahre 1813, in der die Franzosen unter General Vandamme von den vereinigten Oesterreichern, Preußen und Russen eine heftige Niederlage erlitten, die zur panikartigen Flucht der Franzosen über Nollendorf (Straße nach Jungferndorf) führte. Kaiser Napoleon betrachtete vom Turme der Nollendorfer Kirche den Verlauf der Schlacht. – In Josef Güttlers Gasthaus gute Unterkunft und Verpflegung. (Berlet, Erzg. R. II b).
2. Abschnitt.
Nollendorf–Neustadt (28 km).
Zugangswege: a) von Sachsen aus: 1. Bahnstrecke Pirna–Gottleuba. Von hier nach Nollendorf 14 km. 2. Mügeln–Geising, nach Zinnwald 3½ km. Dresden–Kipsdorf, nach Zinnwald 11 km. b) von Böhmen aus: Staatsbahn Bodenbach–Komotau. Station Tellnitz 3 km von Nollendorf entfernt.
Um unsere Kammwegwanderung fortzusetzen, schreiten wir auf der von Jungferndorf durch Nollendorf führenden Straße durch diesen Ort bis zur hochstehenden Kirche. Ueberraschend schöne Aussicht nach Süden. Gehen wir aber der Friedhofmauer, welche die Kirche einschließt, entlang und dann auf einem Feldwege etwa 8 Min. gegen Osten bis auf die Höhe des Nollendorfer Berges (701 m), so gestaltet sich dieselbe noch entzückender. Der Kammweg aber zweigt von der Straße r. gegenüber der Kirche als schmaler Fahrweg gegen Westen ab. Wegweiser Nr. 729, mit der Kammarke läuft von hier etwa 1000 Schritte eine blaugelbe Marke (nach Tellnitz). Mäßig ansteigend gelangen wir auf dem baumlosen Kamme mit schöner Aussicht in das Pockautal, aus dessen Hintergrund Aussig, beschirmt von der düstern Burgruine Schreckenstein, heraufschaut, und über drei Feldweg-Kreuzungen zu einem Steinkreuze mit grünem Holzgitter, wo sich unser Weg nach r. wendet. Die blaugelbe Markierung führt ins Tal. Nun r. auf das oberste Haus zu, durch dessen Hof (zwischen Haus und Scheune) der Kammweg führt. Dann l. zum Wegweiser Nr. 731 und 732 und dessen blaugelbblauer Marke außer der Kammarke nach (gegen Streckenwald) r. an der Rückseite eines großen Gehöftes in nahezu nordwestlicher Richtung den Fahrweg weiter. R. erstreckt sich die freie Hochfläche des Kaibler (722 m), über welche in einiger Entfernung die eschenbesäumten Straßen nach Schönwald und Peterswald führen, l. ragt die waldesdunkle Hornkappe (665 m) empor, ein walderfülltes Seitental senkt sich hinunter zum tiefen Tellnitzer Grund und jenseits strebt der 792 m hohe Zechberg empor. Vor uns über dem Walde in der Entfernung von 4 km erscheint unser nächstes Ziel, der Ort Streckenwald mit dem schlanken Türmchen seines Kirchleins. Fast 2 km geradeaus geht es auf der herrlichen Höhe bis zum Waldrande mit dem Stein 108. Nun wenden wir uns l. an demselben abwärts, dann in den Wald hinein. Es folgen die Steine: 109, 110, 111, 39, 40, 41, 42, 43 (dann kommt ein Weg l. herab). Unser Weg schlängelt sich zuletzt, Stein 45, und wir sind in einer etwa 100 m tiefen Einsenkung des Kammes angekommen, durch die eine Straße von Tellnitz nach Schönwald, der sog. Schießhausweg, führt. Wir queren diese und ein Wässerlein. Unser Fahrweg führt nun teils durch Wald, teils an Feldern und Wiesen vorbei. Es folgt Stein 46, Pfosten 24, (ein Weg kommt von r.) r. kleine Sandgrube, Stein 278, Weg windet sich stark nach l., Stein 277, r. etwa 5 km entfernt im Norden der spitze Sattelberg (719 m), l. Tellnitztal. Bei Stein 275 wieder Wendung nach r., (zwei Wegabzweigungen nach l.) r. halten, Stein 270, Weg steigt wieder an, Stein 269, (Wegabzweigung l.) r. halten. Austritt aus dem Walde. Freie Fluren. Weiter Ausblick nach Sachsen. Schloß Schönwald, Orte Breitenau, Liebenau u. a., r. zwei einzelne Wäldchen (aus dem Walde l. kommt ein Weg). Es folgen nun viele Wegkreuzungen, da meist auf jedes Feld ein Weg abzweigt. Wir müssen nun so ziemlich unsere gerade Richtung nach Westen einhalten und bald erscheint Dorf Streckenwald, bei dessen Kirchlein wir die nach Adolfsgrün führende Straße betreten, die rechtwinklig zu unserem bisherigen Wege nach Süden führt, r. das letzte Haus des Ortes Gasthaus.
(5½ km) Streckenwald (753 m – 508 E.) Die Bewohner treiben mannigfachen Handel, besonders mit Borstenvieh, und sind als rührige Geschäftsleute weit bekannt. Die kleine freundliche Kirche ist im Jahre 1901 erbaut. An ihr Gedenktafel: »Zu Ehren Sr. königl. Hoheit Prinz Max, welcher am 14. September 1902 zur Kirchweihe die Festrede abhielt. Gewidmet von Karl Watzke.« (Berlet, Erzg. R. II c).
Auf der genannten Straße fast eben in 20 Min. nach Adolfsgrün. R. vorher Friedhof am Waldesrand.
(7 km) Adolfsgrün (747 m – 40 E.) wurde erst vor etwa 60 Jahren gegründet. L. Gasthaus »Zur Waldesruh«, r. »Stadt Dresden«.
Nun die Straße geradeaus aus dem Orte hinaus und weiter. Die Straße senkt sich in eine sanfte Mulde (Kammlinie läuft südlich), deren Rinnsal ins Müglitztal ausmündet. Ein weiter Blick nach Sachsen erschließt sich. Markant hebt sich der Geisingberg mit Turm ab, an dessen l. Abhang lehnt die Stadt Altenberg. Nach 1 km übersetzt die Straße das vorgenannte Bächlein. Zwischen dem 9. und 10. Baum jenseits verlassen wir die Straße und folgen in fast südlicher Richtung einem mäßig der Kammhöhe zustrebenden Fahrwege über zwei Wegkreuzungen, geradeaus auf das steinerne Kreuz zu, errichtet von Anna Patzelt am 14. Juli 1905, weiter auf zwei neuerliche Kreuze, die »Ritschelkreuze« (765 m), zu. Genau auf der Kammlinie, weite Ausschau: vor uns Ebersdorf, der Mückenberg, r. davon ein mächtiges Stück des Kammes mit dem Vorder-Zinnwalder Kahlenberg, dem »Toten Kinde« und dem Kahlenberg i. S. ganz r. L. merkwürdige Terrain-Erscheinung: der Gebirgskamm schiebt zwei Berge nach Südosten, die höher als er sind: Zechberg und Schauplatz (beide 792 m).
Bei diesen Kreuzen mündet ein Weg von l. in unsern ein, wir gehen nach r., neuerliche Abzweigung, wieder r. halten und in wenigen Schritten treten wir in (9 km) Ebersdorf ein, l. Kaufmann Hermann Merl Nr. 222, r. Josef Kohlschütter, Schneider. Wir wenden uns r. auf die Dorfstraße, gehen nur bis zum nächsten (r.) Hause Nr. 137. Diesem gegenüber schreiten wir l. vor einem neugebauten feuerfesten Hause mit Pappdach und zwei Blitzableitern auf einem Feldwege hinaus aus dem Orte gegen Westen. Der Kammweg durchquert also nur den Ort im oberen Ortsteile, sog. Oberdorf, der eine ausgesprochene Längsrichtung hat. Ebersdorf (753 m, 984 E.) ist eine alte Ansiedlung mit dem ursprünglichen Namen Eberhardsdorf. (Berlet, Erzg. R. II c).