Speisezimmer von der Vereinigung „Wiener Kunst im Hause“.
Entwurf von Arch. Max Benirschke, Düsseldorf.
Speisezimmer von Arch. Alois Hollmann.
Die Reform des Tafelgedeckes beginnt schon bei der Serviette. Sie hat heute noch eine Form, die ihre Gebrauchsart längst überlebt hat. Kein Mensch von Lebensart wird sie heute noch mit einem Zipfel unter dem Kinn in den Kragen stecken. Man legt sie heute einfach über den Schoß. Die zweckentsprechende Form sollte demnach jene sein, welche etwa das Handtuch besitzt: ein längliches Rechteck. Daß die Serviette weich und lind sei, wird zwar in der Theorie immer verlangt, aber die Praxis kennt nur damastene Servietten, die anfangs bocksteif sind und nach längerem Gebrauch abhaaren. Die Zeiten sind wirklich vorüber, wo Linnen dem Silber gleichgestellt war.
Zimmerecke von Arch. Franz Exler.
Über das Glas wäre manches zu sagen. Gewöhnlich sitzt das Glas wie ein Blumenkelch auf hohem dünnen Stengel, was zwar anmutig anzusehen, aber in sehr hohem Maße unpraktisch ist. Erstens wird die Standfestigkeit gering, bei leiser Berührung fällt das Glas um, und zweitens ist der Stengel beim Reinigen allzuleicht abzudrehen. Aber auch dickes Glas ist nicht zu empfehlen, weil nicht gut daraus zu trinken ist. Zwischen Lippe und Flüssigkeit soll sich so wenig Glaswand befinden als immerhin möglich. Aus dieser Voraussetzung ergibt sich die organische Form des Trinkglases von selbst; es müßte einen starken, feststehenden, starkwandigen Fuß und Stengel haben und müßte gegen den Rand ganz dünn verlaufen, um als angenehmes Glas empfunden zu werden. Handsam soll das Glas sein und mundgerecht. So einfach die Lösung scheint, ich habe ein solides Glas noch nicht gefunden.