Schlägt man die Tageszeitungen auf, so findet man spaltenlange Annoncen, darin solche Intérieurs angepriesen werden. Man mag daraus ersehen, daß sie noch immer ein Publikum finden, das diese Mühe und Kosten verlohnt.

Schrank von Arch. Max Benirschke.

Standuhr von Architekt Max Benirschke.

Standuhr v. Arch. Max Benirschke.

Beim Stuhl begann die Revolution. Man verlangte, daß er Bequemlichkeit gewähre, und bestimmte die Sitzhöhe nach dem körperlichen Maß. Eigentlich hat man das auch in Goethes Zeiten getan und vielleicht schon zu Moses Zeiten, aber man hat seit der Zeit, da man fremde Stile kopierte, darauf vergessen. Die Querleisten zwischen den Beinen wurden als lästig empfunden und blieben weg. Dann kam die Lehne in Betracht. Hiebei ist die Atmung zu berücksichtigen. Geht die Lehne im Bogen, so muß sie unter den Schultern abschließen, sonst verursacht sie Atembeklemmungen. Geht sie höher, so schließe sie besser gerade ab. Doch soll sie möglichst niedrig sein, sonst bildet sie ein Hindernis beim Servieren. Von der Stuhlform hängt der Tisch ab. Die richtige Höhe ist bei Speisetischen sehr wichtig. Ausziehtische sind natürlich bevorzugt, wenn sie auf guten Rollen laufen. Die Zarge darf nicht so weit herabreichen, daß sie das Knie des Sitzenden beengt. Die Querstangen sind absolut zu vermeiden. Man hat neuestens den Tischfuß mit gehämmertem Messing umkleidet, darauf man unbekümmert die Füße stellen kann. Buffet, Teetisch, Serviertisch ergänzen das Mobilar. Das Ornament besteht höchstens in eingelegten Linien, im flachen Dekor. Glatte polierte Formen, die anmutige Reflexlichter erzeugen, den Glanz des Silberzeugs, die Weiße des Porzellans widerspiegeln, sind durchaus beliebt. Die Tafelaufsätze sind niedrig, einfach und zweckvoll. Den Hauptschmuck bilden die Blumen, auf der Tafel und am Fenster. Dort hängen keine Stoffgardinen mehr, die Rembrandtstimmung ist dahin, alles ist auf Luft und Licht und Farbe gestimmt, auf helle, freundliche Farben. Durchsichtige Gardinen, seitlich aufzuziehen, hängen in geraden Falten herab. Die Wände sind natürlich auch hell, keine Tapeten, keine Dessinierung. Perlgrau zum Beispiel. Das Möbelwerk gebeizt oder lackiert. Mahagoni ist schön und teuer. Rot gebeiztes Holz tut es auch. Stühle und Tisch in diesem Ton, dagegen die Buffets, die Kaminverkleidung, der Blumenständer etc. weiß lackiert. Das gibt einen schönen Akkord. Unter Kaminverkleidung verstehe ich die Umhüllung des Gaskamins, mit Fächern zur Aufnahme von allerlei Kleinkunst. Für den Bodenbelag findet man heute schon gutes und billiges Zeug in geeigneten Farben, entweder einfärbig oder gestreift oder sonst mit einem ruhigen Linienornament. Wo elektrisches Licht ist, hat man den Vorzug einer gleichmäßig verteilten Deckenbeleuchtung. Auch bei den Beleuchtungskörpern lasse man es nur auf reine Zwecklichkeit ankommen und verschmähe allen ornamentalen und figuralen Kram, der sich in dieser Form immer wieder anpreist. Erst wenn man von jedem Ornament absieht, wird man zu ruhigen, einheitlichen Wirkungen und zu einer stillen und vornehmen Schönheit gelangen. Wenn man einmal so weit sein wird, die Farbe zu würdigen, die ungebrochenen einfachen Farben, nicht die schmutzig aussehenden, dann wird man im Raum glückliche Ergebnisse erzielen, die man nur andeuten kann.