Buffet von Arch. Georg Winkler.
Wo diese Auffassung platzgreift, stellen sich die neuen Grundsätze für die zweckmäßige Einrichtung ungerufen ein. Die gute Hausfrau, die bereits gemerkt hat, um was es sich handelt, weiß nun mit einemmal, was sie für ihren Salon braucht. Sie wird Wände und Plafond in einfachen ruhigen Farben halten, vielleicht einfärbig bloß mit einem herumlaufenden Fries, oder sie wird, wenn sie Stofftapeten haben will, zu einem modernen Muster greifen. In Stofftapeten ist auch mehr Farbenfreude und Lebhaftigkeit der Zeichnung statthaft. Sie wird die Möbel so einfach, aber auch so gediegen herstellen lassen als möglich, vielleicht aus Mahagoni oder rotgebeiztem Holz, mit dem sich auch weiße Lackmöbel gut verbinden lassen. Die Möglichkeiten sind nicht auszudenken, der gute Geschmack wird mit allen Mitteln das richtige treffen. Die Anordnung der Möbel wird selbstverständlich von der bisherigen Aufstellung sehr verschieden sein müssen. Man wird in einem solchen intimen Raum Wert darauf legen, eine gemütliche Plauderecke zu besitzen, ein cozy-corner, das eine Ecke des Zimmers füllt, eine halbkreisförmige gepolsterte Sitzgelegenheit enthält, und ein Tischchen davor, wo man behaglich sitzen kann, den ganzen Raum beherrscht und sich dennoch abgeschlossen und geborgen fühlt. Das Fenster, das bei der Art unserer Zimmer leider so wenig Raum an der Wandseite läßt, wird einfach zur unteren Hälfte verkleidet, wenn es sich nicht anders tun läßt. Von diesem Platze aus ergibt sich die geschmackvolle Aufstellung der anderen Möbelstücke, die immer nur nach Maßgabe des persönlichen Bedürfnisses vorhanden sein werden, ganz leicht.
Speisezimmer von Arch. Karl Witzmann.
Speisezimmer von Arch. Max Benirschke.
Man glaube indessen nicht, daß die Sache so brandneu ist, daß man es nicht wagen dürfe, sie aufzunehmen. Bei den Künstlern gehört es zur Überlieferung, die ganz selbstverständlich ist, daß sie ihre Gäste im Arbeitsraum, also in der Werkstatt, im Atelier empfangen. Das Atelier ist zugleich ihr Salon. Darum unterhält man sich bei den Künstlern am besten, weil man von ihrem geistigen Wesen ganz umgeben ist, von allen Dingen, die diese Geistigkeit sichtbar machen. Auf diese Art kann es jedermann halten. Nicht jeder ist Künstler, wird man sagen. Aber jeder Gebildete hat geistige Interessen irgendwelcher Art oder treibt einen geistigen Sport, musiziert, sammelt, liest. Oder sollte ich allzu optimistisch sein? Man gebe einem Salon das Gepräge eines geistigen Sammelpunktes. Wer aber in den neuen, oben dargestellten Grundsätzen eine Festigung durch das Beispiel der altehrwürdigen Tradition braucht, der lese die folgende Schilderung des idealen Zimmers, das sich Adalbert Stifter einrichten wollte, den man in dieser Hinsicht ganz gut als einen Vorläufer der Modernen betrachten kann.
Speisezimmer mit Erker von Arch. Max Benirschke.