Wohnzimmer von Arch. Max Benirschke.

Schreibtisch von Architekt Alois Hollmann.

Wenn ein Künstler sein Bestes getan hat, ist es nicht seine Schuld, daß es trotzdem unverhältnismäßig hoch und breit und störrisch dasteht. Klaviere sind einmal so. Man müßte, um einmal die wohltemperierte Klavierform zu finden, sich einmal an George Logan in Greenock (Schottland) wenden, von dem aus der Turiner Ausstellung 1902 ein Musikzimmer bekannt ist, das uns der Künstler zwar nur als Aquarellbild zeigen konnte. Aber es genügt, um den Traum eines Künstlers kennen zu lernen. Eine heitere, kindlich fröhliche Mozartstimmung herrscht in dem Raum, über den Teppich schreitet man wie auf einer blumigen Au, an den weißgetäfelten Wänden stehen in hohen Vasen Blütenzweige, die einen Frühling ins Gemach zaubern, und man mag es glauben, daß hier die Töne hell und lustig fliegen wie muntere Spielbälle. Zwei sitzen am Klavier, wahre Blumenerscheinungen, und das Klavier, aus Ebenholz mit sparsam verteilten hellen Einlagen ist von ganz idealer Erscheinung. Zart und einfach gebaut, fügt es sich harmonisch in den Raum ein. Hier stört kein Mißton, auch kein sichtbarer. Ist es auch nur ein Künstlertraum, so mag, da er greifbare Formen gefunden, die Möglichkeit nicht fern sein, daß er ganz reale Wirklichkeit werde, wofern die Klavierfabrikanten wollen. In bürgerlichen Wohnungen wird man sich mit einem Pianino begnügen müssen, die bereits ganz moderne Formen, ohne jeden Stilschnörkel aufweisen.

Stehpult von Arch. Karl Sumetsberger.

Wenn Sie aber Lust und Mittel haben, ein eigenes Musikzimmer einzurichten, dann versagen Sie sich jedwede ornamentale Ausstattung, denn die bedarf, wenn die Sache nicht plump und aufdringlich werden soll, eines höchst delikaten, künstlerischen Geschmackes, der zu den größten Seltenheiten gehört. Vermeiden Sie also jeden Zierrat, dulden Sie selbst keine Musikerbüsten oder Porträts, denn sie tragen zur musikalischen Stimmung nichts bei, sie stören viel eher. Bringen Sie lieber eine harmonische Wirkung durch die kunstreiche Anwendung von Form und Farbe hervor und wirken Sie dadurch im Äußeren musikalisch. Auch hiebei wird sich zeigen, daß in der Beschränkung die Meisterschaft liegt. Halten Sie den Musiksalon bloß in ganz einfachem, edlem, elfenbeinartigem Weiß, ohne jedweden Dekor, und stellen Sie nichts hinein als ein schwarzpoliertes Piano, ein schwarzpoliertes Notenschränkchen, einige Blütenzweige in Vasen und denken Sie sich in diesem Raum eine schöne Stimme, ein paar kunstreiche Hände, die starke goldene Töne ums Haupt winden, und Sie werden in diesem Raum unbeirrt und von keinem fremden Eindruck abgelenkt, wahre Feste in Moll feiern.