1. Man kann annehmen, daß der Raum, der einem zur Verfügung steht, klein ist, wie in den meisten Schlafzimmern. Man wird daher mit den Dimensionen das Möglichste tun, um den Eindruck von Geräumigkeit und Luftigkeit hervorzubringen. Der Raum soll nicht nur angenehm sein für den Schlafenden, sondern auch für das Erwachen.

Herrenzimmer (Arbeitszimmer) von Arch. Petru Balan.

2. Ein Schlafzimmer ist nicht nur ein Raum um darin zu schlafen, sondern auch ein Raum, in welchem eine kranke Person für Wochen, ja Monate liegen kann, und deshalb soll sich nichts Übertriebenes in der Ausstattung vorfinden, nichts das sich dem Auge mit ermüdender und langweiliger Beharrlichkeit aufdrängt. Aus demselben Grunde ist es gut, das Bett so zu stellen, daß die kranke Person auf das Winterfeuer im Kamin blicken kann und angeregt und erfreut wird von seinem lustigen und hellen Flackern. Man mag vielleicht lächeln über diese Kleinigkeiten, aber sie sind sehr wichtig.

Bureau von Arch. M. Herrgesell.

3. Die bisherigen Betrachtungen haben rasch über die Grundzüge des Entwurfes belehrt. Die Notwendigkeit, die man fühlt, das Zimmer weiter, geräumiger und luftiger erscheinen zu lassen als es wirklich ist, führt mit der Logik des gesunden Menschenverstandes zu verschiedenen praktischen Lösungen. Man entscheidet sich zum Beispiel, keine gemusterte Tapete zu nehmen. Wenn eine Wand über und über gemustert ist, so lockt sie von allen Standpunkten die Aufmerksamkeit auf sich, sie scheint sich dem Auge dadurch näher zu bringen und dem Raum einiges von seiner Länge und Breite zu rauben. Man entscheidet sich auch dafür, daß die Einrichtung nicht mehr Raum einnehmen darf, als unbedingt erforderlich ist; daher muß die handwerkliche Leistung die höchsten konstruktiven Vorzüge aufweisen, damit man den höchsten Grad von Annehmlichkeit und Zweckmäßigkeit mit dem geringsten Aufwand von Holz erreicht. Nachdem das Zimmer ein Schlafzimmer ist, hat man ganz recht, das Bett als das wichtigste Möbelstück zu betrachten, und es aus Holz herzustellen, teils weil gut gearbeitetes Holz so schön und ruhig harmonisch wirkt, teils weil Messingbetten nicht immer mit den Farben übereinstimmen, welche man im Auge hat, und endlich, weil sich Metall zu frostig anfühlt. Das Bett wird nicht so niedrig sein, daß sich die Magd versucht fühlen könnte, die Reinigung des Fußbodens darunter zu vernachlässigen, noch wird es so hoch sein, daß der Raum zwischen Matratze und Fußboden als Speicher für Schachteln und für Staubansammlung geeignet erscheint. Wenn man zum Schluß das Schlafzimmer als Krankenzimmer auffassen will, ist der Grundsatz der Wohnlichkeit unerläßlich, ebenso eine ruhige Heiterkeit in der Farbengebung.

Bureau der österr. Bedburger Linkrusta Werke Alfred Hoffmann, von Architekt Max Benirschke.

4. Man wird vielleicht Bilder in diesem Schlafzimmer anbringen wollen. Man hänge keine goldenen Rahmen auf den Grund der Tapete, sondern treffe eine solche Anordnung, daß die Malerei einen tektonischen Teil der Wand selbst bildet. In andern Worten, man wähle einen Fries oder ähnliche andere dekorative Malereien, die man seinem Urteile nach für gut findet. Das Werk muß einigermaßen mehr sein als interessant; es muß beitragen zur frischen und ursprünglichen Farbengebung, die man als passend für ein Schlafzimmer findet, und man führt sie daher so durch, daß die Malerei nicht aus der Mauer hervorspringt, sondern flächig wirkt, und im ganzen eine ebenso wirkungsvolle als bescheidene Rolle spielt.