Briefkassette von Architekt Otto Prutscher.

5. Welches Holz soll man verwenden? Es ist klar, daß die dekorative Verwendung von Materialien zwingt, streng und einfach zu sein; aber der Strenge des Stils kann durch eine glückliche Wahl des Holzes entgegen gewirkt werden. Nußholz würde zu schwer im Ton sein und Eiche zu steif und unbiegsam in Substanz und Masse. Was man braucht, ist ein leichteres Holz, freundlicher von Aussehen, und so scheint es nach mancher Überlegung und manchen Versuchen empfehlenswert, Zuflucht zu Kirschholz zu nehmen. Es hat eine schöne Textur, der Ton ist hell, warm, freundlich und es hat auch eine Art von häuslicher Eleganz. Von ebenso glücklicher Wirkung sind weißlackierte Möbel. Zu ihrem Lobe kann nicht genug gesagt werden. Und wenn nun das Werk vollendet ist und die Morgensonne in das Zimmer tritt, so wird man das Zimmer heimlich und traut finden, als einen freundlichen Raum, sich darin anzukleiden und dem Tag einen guten Anfang zu geben.

Glücklicherweise gewinnt diese gesunde Auffassung wieder Raum. Man fühlt sich wieder, die Persönlichkeit wächst. Man hat persönliche Bedürfnisse. Das Schlafzimmer braucht kein Thronsaal zu sein, auch kein Tempel. Aber luftig soll es sein. Wir sind alle Fanatiker der Hygiene geworden. Mit Luft, Licht, Sauberkeit und Einfachheit bestreiten wir unsere Interieurstimmungen. Und siehe da, es wirkt ganz famos. Was dem Körper zugute kommt, gibt auch der Seele Nahrung. Wenn wir auch zum guten Glück auf das Ornament verzichtet haben, so gibt es für den künstlerischen Geschmack doch noch sehr viel zu tun. Vielleicht mehr als früher. Denn das Einfache, das ist doch das Allerkomplizierteste. Die Anordnung der Massen, die Gliederung des Raumes, die Behandlung der Farbe, die zwecklich formale Erfüllung der Bedürfnisse, das sind Dinge, in denen sich das Persönliche klar ausspricht. Ist Harmonie in der Persönlichkeit, dann wird sie auch im Raum sein. Und, das ist das Allerwichtigste, der Einzelne, der angefangen hat nachzudenken, muß mit seinem Tischler, mit seinem Architekten arbeiten, wenn er das Seine haben will.

Herrenzimmer aus Wiener Kunst im Hause.

Auf Licht und Luft also kommt es an. Man wird sich daher helle Farben wünschen, die Wände ganz licht, die Betten und Schränke in hellgelbem Kirschholz, oder weiß lackiert, oder in unverhüllter Naturfarbe, wobei man die Flächen durch Einsetzen anders färbiger Holzstücke beleben kann. Sonst hat man gerne eine Ottomane dem Bette am Fußende vorgelegt, ja mit diesem auch in einem konstruktiv verbunden. Hat man einen besonderen Toilettenraum, dann brauchen Wäsche- und Kleiderschränke nicht im Schlafraume stehen. Die Einrichtung der modernen Schränke dieser Art ist für den Inhalt genau ausgemessen. Der Hängeraum muß so hoch sein, um die Röcke gut aufnehmen zu können. Oberhalb derselben im Inneren befindet sich häufig auch ein Brett für die Hüte. Die Hosen und Westen werden in die breiten Laden gelegt. Eine Lade für das Schuhwerk befindet sich zu unterst. Kleinere separate Laden und Fächer sind da für Spitzen, Bänder, Kravatten, Handschuhe, Krägen, Manschetten etc. Für die Schmutzwäsche gibt es einen truhenähnlichen Behälter, der im Vorzimmer steht und häufig als Sitzgelegenheit ausgenützt ist, mit einem Deckel oben zur Aufnahme der Schmutzwäsche und der von unten aufklappbaren Vorderseite zur Herausnahme derselben; alles versperrbar, natürlich.

Bett von Prof. Kolo Moser.