Das Nachtkästchen gibt ebenfalls Möglichkeiten zu neuen sinngemäßen Lösungen. Man kann einen kleinen, glasschrankartigen Aufsatz damit verbinden, der die Hausapotheke aufzunehmen hat. Leichte, helle Vorhänge, seitlich aufzuziehen, schützen das Gemach gegen Blicke von außen her, sperren aber nicht das Licht aus. Vor dem Fenster steht die Toilette: ein vertikaler Spiegel mit zwei im Winkel stehenden Flügeln, ein Gesimse davor, und links und rechts vom Sitz kleine Laden für die gesammte Kosmetik. Das alles ist sehr zierlich, sehr einfach, sehr elegant.
Schlafzimmer von Arch. Max Benirschke.
Das Bad ist in unmittelbarer Nähe des Schlafzimmers zu halten. Jede bessere Stadtwohnung hat ihr Badezimmer. Ein regelrechtes Bad, mit seinen weißen glänzenden Kacheln, der vertieften Wanne, den blankgeputzten Hähnen in der Marmorverschalung, den glänzenden Apparaten, den technisch vorzüglich eingerichteten Waschtischen sieht immer einladend aus. Im Schlafzimmer kann man sodann den Waschtisch entbehren. Gerade was die Badeeinrichtung angeht, so haben wir eine unbescholtene Vergangenheit. In den glanzvollen Zeiten des Hausrats von der Gothik bis zum Rokoko ist keine Rede von Badeeinrichtungen. Die »Kunst« befasste sich nicht damit, es blieb eine rein technische Angelegenheit der neueren Zeit, darum haben wir es heute in vollkommen von Stilarchitekturen unbeirrten, praktischen Formen vorgefunden. Nur römische Vorbilder existieren und die sind sicherlich auch mustergiltig. Früher war man weniger heikel in dieser Hinsicht. Heute ist das Bad tägliches Bedürfnis für einen Menschen, der reine Wäsche trägt.
Bett von Arch. Hans Stubner.
Man sieht, ein vollkommener Wandel in der bürgerlichen Wohnung ist im Zuge. Die Nutzräume treten wieder in den Vordergrund. Gesund zu schlafen ist eine Vorbedingung des persönlichen Wohlseins. Man wird wieder den geeignetesten Raum als Schlafzimmer einrichten, und die anderen Räume in zweiter Linie und nach Maßgabe ihrer Wichtigkeit bedenken. Bei diesen anderen Räumen aber ist Einschränkung am Platze. Man muß keinen Salon haben; man kann das Wohnzimmer als solchen benützen oder man kann das Wohnzimmer mit dem Speisezimmer verquicken, den Salon mit dem Arbeitszimmer, was gewiß das allerrichtigste ist, oder es kann auch, wenn es nicht anders geht, ein Raum für drei dienen, Wohnzimmer, Salon und Speisezimmer in einem sein. Das Schlafgemach muß hingegen ungeteilt bleiben, den Fremden verschlossen, der Ort der Ruhe und der Träume. Der wahre Kulturgrad zeigt sich in seiner Beschaffenheit.
Schlafzimmer von Arch. Max Benirschke.