Schlafzimmer von Arch. Hans Stubner.
Das Kinderzimmer.
Ein Zimmer kenne ich, das eitel Freude ist. Kunst im vornehmen Sinne hat wenig dort zu schaffen, aber das ist ganz recht. Die Kinder, denen dieser Raum zum Aufenthalt dient, brauchen nicht zu fürchten, irgend einen kostbaren Gegenstand zu beschädigen. Nichts hemmt die Freiheit ihrer Bewegung. Sie müssen sich nicht benehmen, wie jene biblischen vierzig Kinder, die sich samt und sonders betrugen wie eines, sondern hier darf sich jedes Kind betragen, wie vierzig. Und das ist gut. Luft, Licht und Freiheit muß das Kinderzimmer gewähren. Entweder die kleine Schar tollt im Raum umher und erfüllt ihn mit fröhlichem Lärm, oder sie hocken still zusammen, betrachten die kindlich einfachen Darstellungen an dem herumlaufenden Wandfries, wo allerlei Tiere dargestellt sind, in jenen primitiven flächig behandelten Formen, die der rege schaffenden Phantasie der Kleinen noch genug freien Spielraum zur Selbstbetätigung geben. Diese Bilder, ebenso wie das Spielzeug, das auf ähnliche Weise primitiv und der kindlichen Anschauungsweise angemessen sein muß, wollen die Sinne erziehen und vor allem das Auge. Darum ist im Kinderzimmer die Farbe von so großer Wichtigkeit. Gottfried Keller’s Wort gilt: »Die Erhaltung der Freiheit und Unbescholtenheit des Auges«. Dazu gehört, daß man alles Häßliche, Verlogene und Imitierte aus der Kinderstube fern hält. Eine Mutter stellte die Frage, wann sie mit der Erziehung ihres vier Jahre alten Kindes beginnen sollte. Sie ist aber nicht die Einzige, die es nicht weiß, daß mit der Erziehung des Kindes vom ersten Schrei an, den es in der Welt tut, begonnen wird, und daß die Umgebung, die Kinderstube, auf rein sachliche Art erziehlich wirken muß. Die Erziehung der Farbenfreude beginnt hier, damit das Auge einmal der getreue Hüter und Wächter des Paradieses der farbenvollen Weltherrlichkeit werde, an dem die Meisten wie Ausgestoßene blind vorübergehen. Darum wird es gut sein, im Kinderzimmer, dessen Wände im einfachen Farbenton und sehr hell gehalten sein müssen, farbige Wandbilder aufzuhängen, die in Rahmen zum Auswechseln angebracht sind, damit man den Kindern von Zeit zu Zeit etwas Neues bieten und den Kreis ihrer Anschauungen erweitern kann. Der schönste Märchen- und Tierfries, der an die Wand gemalt ist, wird auf die Dauer langweilig und die geheime Wirkungskraft, so groß sie auch Anfangs immer sein mag, versagt schließlich ganz. Auf die Wandbilder, die im Verlage von Teubner und Voigtländer, Dresden, Leipzig, erschienen sind, sei bei dieser Gelegenheit empfehlend hingewiesen. Die Unternehmung bringt farbige Original-Steinzeichnungen von hervorragenden Künstlern zu wohlfeilen Preisen auf den Markt und man kann ihnen das Zeugnis eines vortrefflichen, volkstümlichen Erziehungsmittels ausstellen. Die Heimatkunde, die Sage, das Märchen, das Tierleben, Bilder aus Dorf und Stadt bringen sie in gelungener Weise zur Anschauung und geben dem kindlichen Gemüt reichen Vorstellungsinhalt.
Schlafzimmer von Arch. Hans Stubner.
Kleider- und Wäscheschrank von Architekt Hans Stubner.