Schlafzimmer von Arch. A. Hollmann.
Toilettegarnitur von Prof. Kolo Moser.
Während der untere Teil der Wände eines Kinderzimmers am besten in lichtem Holz getäfelt wird, entweder hell gebeizt oder lackiert oder auch im Naturton gehalten, um abgerieben zu werden, setzt oberhalb des Getäfels der farbige Fries ein, oder eine Reihe von Wandbildern, in Leisten gefaßt, ziemlich außerhalb des Bereiches der Hände; die Wand setzt sich oberhalb bis zur Decke in hellen Farben fort und trägt ganz oben ein Blumenfries. Aber nicht einmal das ist nötig; Wand und Decke können weiß bleiben. Zur Blumenpflege soll man Kinder früh anregen, sie ist das beste Mittel zur Erziehung der Naturfreude und der Beobachtungsgabe. Deshalb wird man gut tun, unterhalb des Fensters ein Brett anzubringen, wo die Blumentöpfe stehen, die von den Kindern selbst gewartet werden. Das Licht soll von oben her auf die Pflanzen fallen, Tische und Stühle läßt man am besten nur säuberlich gehobelt ohne Anstrich herstellen, um sie stets gut waschen und reiben zu können, was im Kinderzimmer sicherlich sehr häufig notwendig ist. Wo es möglich ist, läßt man ein kleines Turngerät anbringen. Ein Arbeitstisch mit allerhand Werkzeugen ist hier gut am Platze, denn zu bauen und zu arbeiten fangen Kinder frühzeitig an. Im Allgemeinen soll aber das Kinderzimmer kein Kramladen sein. Namentlich mit Spielsachen soll es nicht überhäuft werden. Sonst erzieht man zur Sprunghaftigkeit und Zersplitterung der Aufmerksamkeit. Zu zeichnen haben Kinder immer. Das ist die erste bildnerische Regung, die man an ihnen beobachtet. Die Eindrücke auf die Kinderseele sind so stark und plastisch, daß sie alle unwillkürlich ihre Gedanken graphisch darzustellen streben. Dieser Kunsttrieb, der wie eine schwache Saat aufsproßt und umsichtiger, sorgfältiger aber unaufdringlicher Pflege bedürfte, wird leider selten mit Verständnis behandelt und verkümmert allzufrüh. Man wird daher sehr gut tun, an einer Wandstelle eine große Tafel mit Kreide und Schwamm anbringen zu lassen, daran der bildnerische Sinn der Kleinen sich austoben mag. Vor allem aber lasse man sie mit Farbe und Pinsel arbeiten. Nicht pedantisch nach Vorlagen oder Vorbildern, sondern nach ihrer eigenen Lust und Wahl. Man lasse ihnen darin volle Freiheit; sie sollen ihre Welt darstellen, so, wie sie sie sehen. Was dabei herauskommt, ist das erste schwache Pflänzchen eines künstlerischen und zugleich ursprünglichen Schaffens. Daß dieses Pflänzchen nicht verkümmere oder erstickt werde, ist Sache einer weiteren kunstpädagogischen Umsicht, die freilich schon außerhalb des Kinderzimmers liegt. Feldblumen, bunte Steine, alles was die Kinder im Freien sammeln und als kostbare Schätze daheim ausbreiten, bringen die Märchenstimmung in das kleine Reich, das sie mit den Gestalten ihrer ungebrochenen Phantasie bevölkern. Von der Zeit der ersten Gehversuche bis zum zwölften Jahre ungefähr währt die fröhliche Herrschaft. Wenn das Kind älter wird, tritt die illusionschaffende Seite der Phantasie zurück, das Vorstellungsgewebe füllt sich immer mehr aus und die Ansprüche werden größer. Sobald das Mädchen nicht mehr den Schemel als Puppenbett verwenden will, die Knaben aus umgestürzten Stühlen nicht mehr eine »wirkliche« Eisenbahn herstellen mögen oder in einem Brett ein Schiff und im Fußboden das Meer erblicken, sobald die Kinder sich nicht mehr mit Eifer in die Rolle eines Tieres versetzen, seine Stimme und Bewegung nachahmen wollen und aufhören, sich gelegentlich als Lokomotive oder Dampfschiff zu fühlen, wird ihnen das Puppenheim zu eng. Sie fangen an, die Kinderschuhe auszutreten. Das zwölfjährige Mädchen fühlt sich als Fräulein und bekommt ein neues Zimmer, eine neue Welt. Die Buben »studieren«. Weit hinten liegt die Kindheit, wie eine selige Insel und an ihr gestrandet eine ganze Arche Noah’s voll Kindersächelchen, entseelt und entzaubert. Ein Reich in Trümmern. Fernab und vergessen.
Toilette von Arch. Max Benirschke.
Schlafzimmer v. Arch. Georg Winkler.