Schlafzimmer von Arch. Max Benirschke.
Schlafzimmer von Arch. Prof. Joseph Hoffmann.
Das Spielzeug.
Eine mittelalterliche Sage erzählt von einem zauberkräftigen Beryll, der in seinem Spiegel alle vergangenen und künftigen Dinge zeigte, alle Schönheit der Erde, ferne Länder und Meere. Doch bedurfte er eines reinen gläubigen Gemüts, das von dem Weltgift des Zweifels noch nicht angenagt war, um das holde Wunder zu sehen, sonst blieb der wundersame Stein trüb und dunkel. Noch geschehen Wunder. Kinder erleben sie täglich aufs Neue. Nicht einmal ein Beryll oder sonst ein kostbarer Edelstein ist nötig, es genügt ein ganz wertloser Stein, den sie mit der jungen Kraft ihrer ungebrochenen Phantasie begaben, das Mirakel zu bewirken. Mit staunendem Ergötzen sehen sie in dem schillernden Ding Sonnenaufgang und -untergang, eine große farbenreiche Welt von Wundern, mit einem Wort, ihre eigene Welt. Mit Verwunderung sieht man sie oft an kostbarem, mühsam ersonnenem Spielzeug achtlos vorübergehen und an irgend ein unscheinbares Ding ihre Liebe hängen. Ein unbedachtes Wort, Spott oder Vorwurf und die holde Wundergläubigkeit ist dahin, das zauberhafte Juwel wird blind und taub und erscheint nur mehr als das, was es ist, als wertloser Stein oder Glasscherben. Und ein Stück Unschuld geht damit zugrunde. Man begnügt sich in der Regel, zu sagen, daß Kinder leicht zufrieden zu stellen seien. Das ist ein sehr oberflächliches Urteil. Ich bin viel eher geneigt zu glauben, daß es kein schwerer zu befriedigendes Publikum gibt, als gerade die Kleinen. Der Witz der Großen, die für sie denken und bilden, wird an ihnen gewöhnlich zu schanden. Die schönsten Spielsachen finden zumeist dann erst Wert in ihren Augen, wenn sie sie zertrümmert haben, um sie in ihrem Sinne wieder aufzubauen. Sowohl diese als viele andere Erscheinungen sind Beweise, daß das Kind in dem Spielzeug das Rohmaterial sucht, mit dem seine Phantasie freischaffend verfährt. Der Wert des Spielzeuges liegt nicht in dem, was es ist, sondern in dem, was es werden kann, was das Kind mit ihm machen soll. Bedeutung und Beseelung, gleichsam den künstlerischen Ausbau, empfängt es aus dem kindlichen Schaffenstrieb. Diesen anzuregen, zu heben und zu kräftigen, ihm die rechten Mittel bereit zu stellen, ist der Zweck des Spielzeuges.
Kinderspielzeug v. Maler Ferdinand Andri.