Rauchtisch von Architekt Max Benirschke.
Blumenständer von Arch. Prof. Joseph Hoffmann.
Die unklare Natursehnsucht des Städters gibt einen klaren Fingerzeig. Etwas sehr wertvolles liegt darin, vielleicht ein neuer Zivilisationsfaktor, den man nur zu organisieren braucht. Anfänge sind vorhanden, um in die naturverlassene Stadt wieder die Gärten einzuführen. Jedermann in der Stadt kann seinen Garten vor dem Fenster haben. Einen winzigen allerdings, aber ein Gärtchen immerhin. Einen Meter lang, ein Drittel breit, nicht größer als es das Fenstergesimse erlaubt, und die grün oder weiß gestrichene Einfassung, die dort aufzustellen ist. Für wenig Geld liefert der Markt die schönsten Blumen, und zwar je stärker die Nachfrage, desto billiger. Die Sache hat auch eine volkswirtschaftliche Bedeutung. Ein wichtiger Zweig der Landwirtschaft käme ins Aufblühen, die Blumenzucht. Man bedenke, was die Blumenkultur in Holland und in Frankreich wirtschaftlich bedeutet. Keine Stadt hat größeren Blumenbedarf als Paris und nirgends sind die Blumen billiger. Die Blumenmärkte von Paris sind eine Sehenswürdigkeit. Bei uns ist kaum noch der Sinn dafür aufgegangen, welche reiche Quelle von Freuden ein solches Blumenbrett ist, ein gut bestandenes und schön gepflegtes, natürlich. Wenn aus dem Gesimse eine Blumenwildnis hervorblüht, die duftet und leuchtet in den prangendsten Farben, ist die Stube mit einemmal verwandelt. Die freundlichen Hausgötter der Traulichkeit und Wohnlichkeit sind plötzlich eingekehrt und walten mit Zaubermacht, mag auch der Hausrat noch so ärmlich sein. Es ist nicht nur eine liebliche Augenweide, o, noch viel mehr! Öffnet man am Morgen das Fenster, dann wälzt der Lufthauch ganze Wolken von Wolgerüchen herein, die das Gemach erfüllen. Und welche Labsal ist es, abends hinter diesem Hausgarten zu sitzen! Eine Fülle von Segen strömt vom Fenster her in die Stube und in das Herz der Inwohner und hilft wol irgend ein Gutes im Leben zu fördern. Diese Blumenwildnis vor dem Fenster ist zwar kein vollkommener Garten, nicht einmal eine Laube, wie man sie einst hatte, aber sie ist etwas, was unter Umständen noch viel mehr sein kann, weil sich ein persönliches damit verbindet. Denn die Liebe, die auf dem Grunde eines jeden guten Werkes ist, muss sich auch hier betätigen. Wer hier nicht säet, wird auch nicht ernten. Die Blumen am Fenster gedeihen nicht ohne aufmerksame Pflege. Das verursacht zwar eine kleine Mühe morgens und abends, aber was tut’s? Kann man denn etwas lieben, um was man sich gar nicht zu bemühen braucht? Zumindest ist hier die Mühe eine Freude, die man nicht dem Dienstmädchen überlassen soll. Der bloße Pflichtbegriff ist giftiger Mehltau für die Blumenpracht am Fenster. So etwas merkt man gleich. Nein, die Blumenpflege gehört der Dame des Hauses zu. Dann wird das Blumenbörtel zum Symbol, wo jede Pflanze von der Sorgfalt und Liebe der gewiss liebenswerten Gärtnerin erzählt. Oft kommt man an einem Hause vorbei, wo an einem der Fenster Hortensien stehen und Nelken und Rosen, Pelargonien und brennende Liebe und je nach der Jahreszeit manche andere schöne Pflanze. Die schönen weißen Hände, die sichtbar werden, um mit so viel Liebe den Blumenstand am Fenster zu pflegen, zur eigenen Herzenslust und zur stillen dankbaren Freude des Vorübergehenden, geben ein sehr edles Beispiel. Eine neue Schönheit zieht in unsere Straßen ein. Da und dort bricht aus den Gesimsen eine solche blühende und duftende Blumenwildnis hervor. Und nun denke man sich diesen Blumenreichtum über alle Fenster, an allen Häuserreihen, bis ins höchste Stockwerk verbreitet: er müsste die Stadt in einen reizenden Garten verwandeln. Es müsste ein Segen sein fürs Auge und fürs Herz und auch für die Gesundheit. Die lebt ja bekanntlich vom Schönen, ebenso wie das Gute.
Mädchenzimmer von Arch. Franz Exler.
Mädchenzimmer von Arch. Franz Exler.
Blumenkübel. Prag-Rudniker Korbfabrikation.