Doch die Emmerenz zog die schwielenharte Hand zurück, richtete die blauen Augen forschend in das Gesicht des Entzückten und sprach zögernd:
"Halt, es ist noch eine Bedingung dabei, Hans! ... Kannst es mir nicht verübeln! ... Mit dir allein darf ich nicht hausen, die Leute würden mit Fingern nach uns weisen und Wunder glauben, was geschähe! ... Hätte ich das gewollt, so würde ich es gleich nach Ursulas Tode oder noch bei deren Lebzeiten gethan haben! ... Es muß außer dir noch Jemand ins Haus!"
"Dagegen habe ich nichts, kann mich mit jedem Nebenknechte vertragen! ... Ich habe starke Knochen, will schaffen wie ein Gaul und treu sein wie ein Hund!" betheuerte der noch immer freudig aufgeregte Zuckerhannes.
"Nebenknecht? ... Zwei Knechte sind für mich zu viel, wenn du's nicht wärest, nähme ich gar keinen! ... Du hörst ja, daß ich nicht mehr lange ledig bleibe! Der ganze Ortsvorstand und selbst der Herr Pfarrer plagt mich, daß ich an meine Habe denken und heirathen soll! ... Es thuts nicht anders mehr!"
Siedendheiß und eiskalt nach einander überläuft es den Burschen, er zittert vor banger Erwartung und schnappt nach Luft, die Emmerenz hat all ihre einstudirten Reden vergessen, weiß nicht, was sie weiter sagen soll, knüpft den Schurzbändel auf und zu und bindet ungemein lang an den Schuhriemen, plötzlich fährt ihr ein glücklicher Gedanke durch den Kopf, womit sie den Knoten zerhauen kann, sie erhebt sich und fragt ganz ruhig:
"Hannes, hast du Geld?"
"Geld? ... Ich habe Geld, obwohl ich am letzten Jahrmarkt ein paar Tuchhosen, ein Schnupftuch, ein paar Schuhe—"
"Wieviel hast du Alles in Allem?"
"Oh, ich bin sparsam, gehe in kein Wirthshaus, spiele nicht, treibe keinen Staat und habe seit Georgi sogar das Rauchen aufgesteckt! ... Soviel ich weiß, habe ich Alles in Allem baar 17 Gulden und 9 Batzen!"
Emmerenz lacht laut auf, ihr Lachen ist ebenso erzwungen als kränkend für den Liebhaber, denn er weiß, daß sie seine Leidenschaft kennt und früher erwiederte, obwohl Beide das Wort "Liebe" selten über die Zunge brachten und nie im Ernste.