Kein Feuer, keine Kohle mag brennen so heiß,
Denn heimliche Liebe, von der Niemand weiß!

wurde an ihm mindestens zur Hälfte wahr.

Zur Hälfte, denn die derbe, vielleicht plumpe Emmerenz war und blieb eben doch ein Weib und brauchte ihr Niemand zu sagen, woran sie mit dem blöden Liebhaber sei, sondern wußte es besser, als er selbst, und Andere haben auch Augen.

Sie war aber ein verständiges und gewissenhaftes Weib, mochte mit einem armen Tropf kein herzloses Spiel anfangen, dessen Ende nicht recht abgesehen werden konnte, begegnete jenem wie nur die beste Schwester dem Bruder begegnet und wenn er besondere Hoffnungen schöpfte, dann kehrte sie jedesmal flink den Stiel um, that, als ob sie ihn nicht verstünde oder nahm Alles für Scherz auf.

Sie brachte mit ihrem neckischen, lustigen, altklugen und kaltverständigen Gebahren den armen Zuckerhannes schier aus dem Häusle und je mehr er die Hoffnung verlor, desto größer wurde seine Sehnsucht und Liebe und fand doch in anderthalb Jahren keine rechte Gelegenheit, ordentlich von diesen Dingen zu reden und Gehör zu finden.

Allmählig wurde er pfiffiger, gewann die alte, wunderliche Ursula ganz für sich, dies gab Gelegenheit, der vielgeplagten Emmerenz manches Stündlein zu versüßen, welches sonst bitter ausgefallen wäre; ferner half er dieser bei ihren Arbeiten, soviel er nur vermochte, endlich griff er auch in den Geldbeutel und kaufte derselben Manches, was sie schon um der redseligen und befehlshaberischen Ursula willen nicht nur annehmen, sondern auch tragen mußte, ob es ihr gefiel oder nicht.

Seitdem die Emmerenz am Sonntag mit einem halbseidenen Halstuch und einer Granatenschnur prunkte, was der Hans um schönes Geld vom Randegger Juden erhandelt, der auf der Reise zur Konstanzermesse alljährlich zweimal im Adler einkehrte, glaubte das ganze Dorf, die Ehe der ältlichen Magd mit dem hinkenden Schwarzwälder sei von den Beiden und der alten Urschel dazu fest verabredet und beschlossen. Das genannte Kleeblatt waren so ziemlich die Einzigen, welche nichts davon wußten und wissen wollten.

Zwar redete die Alte oft genug von Hochzeiten, welche im Himmel abgeschlossen würden, von sonderbaren Fügungen Gottes, von den Vortheilen einer Ehe, in welcher die ältere Frau den jüngern Mann für sich recht erziehen könne, von der künftigen Erbschaft der Emmerenz und der Gutherzigkeit des Knechtes und nachdem letzterer sie gar aus einer Lebensgefahr gerettet, redete sie manchmal ganz unverblümt davon, es werde das Gescheideste sein, wenn die Emmerenz dem Hans über ihrem Grabe die Hände reiche und dem Zuckerhans klangen dergleichen Reden wie himmlische Musik—aber der Fisch wollte niemals herzhaft anbeißen, sondern vorläufig vollkommen frei und ledig bleiben und erklärte in unwirschen Augenblicken, eher die halbe oder auch ganze Erbschaft verlieren, als sich ewig an irgend ein Mannsbild der Welt binden zu wollen, am wenigsten an den "Kropfhannes."

Es gäbe ein dickes Buch, wenn man Alles beschriebe, was der Zuckerhannes um der Emmerenz willen in kaum zwei Jahren ausgestanden; jeder Andere hätte alle Geduld verloren und alle Hoffnung aufgegeben, doch wissen wir bereits, daß selbst die Dazwischenkunft des rothen Fritz die Leidenschaft unseres Helden nicht dämpfte, sondern erst recht zur vollen Flamme und zwar zur peinigenden und verzehrenden auflodern machte.

Dieser kannte Gott nicht recht und liebte Christum nicht, Etwas muß aber der Mensch haben, was er liebt und woran er sich hält und bei ihm, in dessen Gemüth einmal eingedrungene Gefühle und Leidenschaften tiefe Wurzeln schlugen, deren Blüthen zu stark waren, um nach jedem Winde zu flattern, war dieses Etwas eben die Emmerenz. Diese wurde der Abgott, den er beständig anbetete und weil der Abgott ein zeitliches, wandelbares Geschöpf war, wurde der Anbeter auch von allen Stürmen des Tages und des Herzens unerquicklich genug mitgenommen.