Weil die später folgende Geschichte des Duckmäusers voll von Liebe ist und wir bereits wissen, wie weit der Zuckerhannes nach dem Tode der Ursula mit der verständigen Emmerenz gekommen, wollen wir mit einem kecken Sprunge den Wanderer einholen, der mitten in der Nacht aus dem Adler und Dorfe schied.

Jetzt leuchtet die Abendsonne über die weiten Getreidefelder der Baar, schärfer und schärfer malen sich die dunkeln Höhen des Schwarzwaldes im tiefblauen Himmel ab, länger und länger werden die Schatten, am Fuße eines Kreuzes, das weit in die einförmige Landschaft hinausschaut und seinen Schatten beinahe bis in den Krautgarten eines stattlichen Meierhofes hineinwirft, sitzt der Zuckerhannes mit gefalteten Händen und bewegt die Lippen in inbrünstigem Gebete.

Noth lehrt beten und manchmal auch der Wahn, zumal hinter der Noth oft genug nur der kurzsichtige Wahn steht, was gerade bei diesem Beter der Fall ist. Befindet er sich nicht in arger Noth, weil er wähnt, ohne die Emmerenz gebe es kein Glück mehr für ihn in seinem ganzen Leben, und weil er kein Geld hat, um vor derselben als Hochzeiter auftreten zu können?—

Einen alten Plan des Spaniolen im Kopfe, die Emmerenz als seinen eigentlichen Herrgott im Herzen und all sein Geld in der Tasche tragend, ist er Tag und Nacht fortgelaufen und je näher er dem Ziele seiner nächsten Wanderung kam, je gründlicher er Alles überlegte, was ihm vom Erfolge derselben abzuhängen schien, desto ängstlicher schnürte sich sein Herz zusammen.

Vom ursprünglichen Plane des Spaniolen, sich auf ganz besondere Weise Geld zu verschaffen, ist er keineswegs abgegangen, aber von den Mitteln für sichere Erreichung dieses Zweckes will er nur im äußersten Nothfalle Gebrauch machen und bittet Gott inbrünstig, diesen Fall nicht eintreten zu lassen.

Die Ermahnung der Emmerenz, nichts Schlechtes zu begehen, konnte er nicht vergessen und Gott ließ ihn auf dem Wege mit einem geistlichen Herrn zusammentreffen, in welchem er denselben Vikar von Ehemals erkannte, der seiner Mutter, der Brigitte, so manche leibliche und geistige Wohlthat erwiesen und ihn selbst in die Hände der Elsbeth geliefert hat.

Dieser gute Herr ist indessen ein noch besserer Landpfarrer geworden, hat seinen alten Schützling mit sich in den Pfarrhof genommen, gastlich bewirthet und beherbergt und sich den ganzen Lebenslauf desselben vom letzten Augenblicke der Trennung im Schwarzwalde drunten bis zum ersten der Begegnung in der Baar da oben ausführlich erzählen lassen.

Manchmal hat der Herr den Kopf geschüttelt und den Erzähler scharf angeschaut, um aus der Miene desselben zu lesen, ob der wahrheitliebende Hannesle nicht zu einem lügenreichen Zuckerhannes geworden, doch log dieser nicht zuviel, sondern erzählte Gutes und Schlimmes nach bestem Wissen, denn er sah in der Begegnung mit seinem alten Schützer eine Fügung Gottes und wenn er in das ernstfreundliche Gesicht und mildklare Auge desselben schaute, wollte keine Lüge über die Zunge, es war ihm schier als ob er wieder einmal in einem Beichtstuhle säße und keinen Menschen, sondern einen Engel vor sich hätte, welcher Gottes Allwissenheit theile.

Auch von der Emmerenz und vom Plane des Spaniolen hat der Zuckerhannes geredet und nicht verschwiegen, daß und weßhalb er sich gerade auf dem Wege befinde, diesen Plan auszuführen. Verwundert und fast traurig hat der Pfarrer zugehört und dann dem Plane mit unbesiegbaren Gründen widersprochen.

Aber die Leidenschaft hat ein anderes Fühlen, Denken und Wollen, folglich auch andere Gründe als die christliche Wahrheit und weil der Knecht leidenschaftlich liebte, ist er auch nicht aufrichtig von seinem Plane abgegangen, wiewohl er Nichts gegen das Aufgeben einzuwenden und nichts Stichhaltiges für das Ausführen desselben vorzubringen wußte.