Der Geistliche kennt jetzt die Menschen und ist nicht mehr der junge Vikar, welchen die nächste, beste Gleißnerin mit frömmelndem Geschwätze lange hinters Licht führt, er erkennt die Selbstsucht und den Satan in jeder Verkleidung, selbst in der der Frömmigkeit und religiösen Ergriffenheit, durchschaut den Zuckerhannes und sieht wohl, derselbe leide an einem Uebel, welches sich nicht an Einem Tage und sogar schwerlich in hundert oder tausend Tagen heilen lasse.

Weil dieser offen erklärte, um keinen Preis den Plan des Spaniolen gänzlich aufstecken zu wollen, so schrieb der Geistliche für ihn endlich einen Brief in der schönen Absicht, mindestens die Gewaltmittel, von denen der Spaniol allein guten Erfolg von vornherein gehofft, unnöthig zu machen.

Ganz zufrieden mit diesem Briefe schied der Zuckerhannes von seinem alten Schützer. Auf dem Wege las er das Schreiben einmal und zehnmal; je weiter er vom Pfarrhofe wegkam, desto deutlicher kam ihm die Einsicht, der Geistliche habe die Worte viel zu milde und versöhnlich gestellt, so daß wohl ein guter Christ, nicht aber ein schlechter, gottvergessener Kerl sich dadurch rühren und zum Geldhergeben bewegen lasse.

Am Ende erinnerte sich der Verblendete an alle Verdächtigungen und Verleumdungen des geistlichen Standes, die er im Amtsgefängnisse und anderswo gehört, gelangte zur weitern Einsicht, der Briefschreiber sei eben auch ein "Pfaffe," der im Interesse der Großen und Reichen das Volk betrügen helfe und habe offenbar nicht gewollt, daß er seinen Zweck erreiche, sondern einen Metzgergang mache und am Ende dem rothen Fritz das Feld räume.

Er redet und trinkt sich in argen Groll gegen den Wohlthäter hinein, findet einen Winkeladvokaten und dieser macht um Geld und gute Worte einen neuen Brief, worin die Worte des Geistlichen mit den wilden Drohungen des Spaniolen sich zusammengesellen und welcher zugleich im Namen des Ueberbringers, nämlich des Zuckerhannes, geschrieben ist.

Jetzt sitzt dieser betend am Fuße des Kreuzes und erhebt sich endlich entschlossen, um sich dem stattlichen Maierhofe zu nähern, denn der Eigenthümer desselben ist gerade derjenige, welcher Geld schwitzen und damit ihn mit der Emmerenz zusammenkitten soll.

Das Gebet hat ihm keinen rechten Muth eingeflößt; langsam, mit klopfendem Herzen hinkt er dem Hofe näher, der Kettenhund ist längst unruhig geworden und fährt wüthend aus seinem Häuslein heraus, ein Knecht steht unter der Stallthüre und betrachtet verwundert den Ankömmling, dessen Anzug keineswegs dem eines Bettlers, dessen Gesicht dagegen dem eines armen Sünders ziemlich ähnlich sieht. Eine kleine, hagere, unfreundlich dreinsehende Bauernfrau erscheint unter der Thüre, bringt den Hund zum Schweigen und es entspinnt sich zwischen ihr und dem Zuckerhannes folgendes kurze Gespräch:

"Was wollt Ihr?"

"Etwas mit dem Hofbauern reden. Ist er daheim?"

"Nein, er ist noch im Walde bei den Knechten."