Die Freundschaft saß gerade im Bierhause, trank den zehnten Schoppen und nebelte Bremerknaster dazu, der Fourier entdeckte Alles unter dem Siegel tiefster Verschwiegenheit.

Die Freundschaft nahm erstaunt die Pfeife aus dem Mund, schaute den Kameraden groß an, strich den Schnurrbart lange und eifrig, endlich zog sie einen Geldbeutel heraus und warf ihn auf den Tisch. Der Geldbeutel war an Münze beinahe so leer, als das reine Nichts Hegels an Bestimmungen und während der Fourier denselben noch mit trüber, rathloser Jammermiene betrachtete, fand sich die Freundschaft bewogen, dem Unglücklichen zum Schluß einen halben Schoppen Bier ins Gesicht zu schütten und ohne Entschuldigung fort zu gehen.

Der Fourier wischte den braunen Nektar ab, betrachtete den Streich als Spaß der muntern Freundschaft und hatte zudem keine Zeit zum Zornigwerden, denn die Stunde des Zapfenstreiches war da.

In Todesangst läuft er in aller Geschwindigkeit noch zu einem zweiten, dritten und vierten Busenfreund und erhält von Dreien Nichts, vom vierten den guten Rath, sich schleunig auf die Socken zu machen, weil die drei vermeintlichen Freunde, denen er sich entdeckt habe, wohl in diesem Augenblicke ihn bereits verriethen.

Er weiß nicht mehr, was er thut und eilt statt zur Kaserne zum Thore hinaus. Es war eine schöne, mondhelle, lauwarme Sommernacht, welche viele poetische und prosaische Seelen ins Freie gelockt hatte und unglückseligerweise auch den Hauptmann der Compagnie, welcher der als "liederliches Tuch" bekannte Fourier angehört. Der Hauptmann sieht und erkennt den Untergebenen, die Eile desselben scheint ihm verdächtig, er hält ihn an und arretirt ihn.

Aber ein Liebhaber der Romantik läßt sich keineswegs mir nichts dir nichts auf seiner Heldenlaufbahn hemmen, somit zieht der Fourier vom Leder und erst ein glücklicher Hieb des ebenso muthigen als braven und diesmal arg in Harnisch gebrachten Offiziers bringt ihn zur Flucht, aber andere Leute reden auch ein Wörtlein und eine Stunde später sitzt unser Held krummgeschlossen im "Dunkelarrest für Unteroffiziere" und sinnt über Schicksalstücke voll Weltschmerz nach.

Jetzt sitzt er für eine hübsche Zeit im Zuchthause und sucht Licht und Aufklärung in demselben zu verbreiten, ist ein belesener Mann und deßhalb ein Nebenbuhler seines Tischgenossen, des vielbelesenen Duckmäusers, den er übrigens in innerster Seele anwidert.

Der Duckmäuser ist in seinen schlimmsten Stunden doch noch zehnmal mehr werth gewesen, als der grundliederliche Exfourier im Schlafe und während jener den Beifall der Beamten, Aufseher und bessern Kameraden erstrebt, will dieser Alle sich gleich machen und dabei doch über Alle herrschen.

Der Ehrgeiz verwirrt Staaten und Zuchthäuser, der Mensch mit seinen Leidenschaften bleibt überall derselbe, wenn nicht die übernatürliche Weihe der Religion sein Wesen allmählig veredelt.

Von einer derartigen Veredlung weiß der Exfourier mit seinen Kameraden wenig, denn alle sind Kinder des 19. Jahrhunderts, Alle haben den Jugend- Glauben verloren und ein langes Sündenleben, oft in Verbindung mit mangelhaftem Religionsunterrichte hat ihre Gemüther verwildert und verkehrt.