"Das Murmelthier ist ein Tropf! Der alte Esel hat ohne Bedenken über den Großherzog, den er doch gar nicht näher kennt und der ihm gewiß noch nichts zu Leide gethan, die gröbsten Schimpfreden ausgestoßen und thut es noch, wenn er nicht gerade schläft. Dagegen wedelt und schmeichelt er vor dem geringsten Aufseher wie ein Hund herum und ließe sich eher kreuzigen, bevor er ein Wort gegen den Verwalter spräche!" grollt der Bläsi.
"Wir wollen wieder hinab, man weiß nicht, ob ein Beamter kommt und wenn er Viele auf unserm Rathhause hört oder sieht, muß es der Werkmeister entgelten!"
"Gerade deßhalb bleib' ich und stelle mich recht breit unter die Thüre. Mich freuts in der Seele, wenn die Beamten sich schier zu Tode ärgern! ... Wenn die Werkmeister und Aufseher recht geschunden werden und sich selbst verrathen, fuchsen und plagen, wirds dem Nazi wohler ums Herz!" sagt der Mordbrenner und bleibt, während unsere Bekannten gehen.
Die Arbeit nimmt im Ganzen ihren ungestörten Fortgang, an fleißigen Arbeitern mangelt es so wenig als an geschickten und wer wollte im Grunde tadeln können, daß man sich zuweilen eine Minute erholt?
"Weißt was Neues, Hans?" zischt der einäugige Stoffel, der als Hausschänzer mit einem Andern eine Tragbahre voll Hobelspäne für die Küche sammelt, dem hobelnden Zuckerhannes zu.
"Na, na, ist eine Kuh fliegend geworden? Machst ja ein ganz verklärtes Gesicht!" sagt der Zuckerhannes neugirrig.
"Der Jost ist begnadiget und der Daniel vom Hotzenwald auch, Beide sind schon beim Obermeister, um ihre Kleider anzuziehen. Gelt, daß hättest Du nicht geglaubt?"
Dem Hans geht ein scharfer Stich durchs Herz, denn ihm ist die Begnadigung vor Kurzem abgeschlagen worden und das Glück der Beiden macht ihn traurig, doch sammelt er sich rasch:
"Dem Jost gönne ichs, er ist schon lange genug da und hat Weib und Kinder, aber der Daniel verdient so wenig Begnadigung, als das Murmelthier. Ich bin doch wahrhaftig unschuldiger als er, habe schier meine halbe Strafzeit gemacht und weßhalb läßt man mich verschmachten? Der Teufel hole die Herren, bin wohl ein Narr, mich da mit Hobeln zu quälen!" seufzt unser Held finster und mißmuthig und läßt den Hobel ruhen.
In fünf Minuten wissen Alle, der Jost und der Daniel seien frei, selbst die Aergsten gönnen es dem Jost, die Besten mißgönnen es dem Zweiten und Allen thut es wehe, nicht selbst begnadiget worden zu sein.