"Hast gut salbadern da vornen mit deinen rothen Bäcklein und dem feisten Wampen! ... Kannst auf Erden fressen und saufen, was Dir beliebt und hintennach kommt der ewiglange Himmel!" spottet der Exfourier.

"Wär' doch ein großer Narr, wenn ich dir Dinge sagen sollte, die ich vor Amt verschwieg!" zischt ein Falschmünzer.

"Der Bischof muß ein rechter Aristokrater sein! ... Wir schwere Sünder? Ei, so hole dich doch Dieser und Jener!" brummt der Mordbrenner.

"Ich lasse das Beichten bleiben und Einige in unserm Saale mit mir, willst du mithalten?" fragt der Indianer den Zuckerhannes.

"Nein, ich beichte und communizire!" erwiedert dieser und flüstert dem Nachbar ins Ohr, warum, und—

"Seid doch ruhig dort hinten!" bittet der Geistliche.

"Ruhig, ich sag' es zum letztenmal!" donnert der Aufseher.

"Herrgott, wenn ich wieder eine Kirche betrete, sobald ich von diesen Leuteschindern weg bin, dann soll mich—!" murmelt ein kleiner Knirps und wirft den Kautabak unwillig aus der rechten in die linke Backentasche.

Der Geistliche will heute eine kleine Prüfung anstellen, um sich zu überzeugen, ob die gute Saat, die er treu und emsig gesäet, doch ein bischen aufgegangen sei. Er hofft wenig, denn die jüngst Angekommenen wissen gemeiniglich fast nichts von Religion, die Andern besitzen nur wenige Bücher; Gelegenheit und Zeit mangeln, um auswendig zu lernen oder nachzudenken und wie Mancher schläft ein in der schwülen Luft des überfüllten Betsaales, wie mancher schweift mit seinen Gedanken außerhalb der Gefängnißmauern herum, wie mancher liest während des Unterrichtes ein wildfremdes Buch oder paßt nur auf, um den Vortrag entstellen, verspotten und critisiren zu können!—

Zuerst fragt er jetzt nach den 10 Geboten Gottes. Der erste Gefangene bleibt beim fünften stecken, der Zweite findet das achte nicht, der Dritte verwechselt Alle, endlich sagt der Vierte sie ordentlich her und fügt auch kurze befriedigende Erklärungen bei.