Er eilt zur Hobelbank hinüber; mit dem gewichtigen Ernste und der feierlichen Würde des vornehmsten Kochkünstlers irgend eines modernen Heliogabal zieht der Duckmäuser eine Schüssel unter der Hobelbank hervor, vor deren Inhalt Mancher zurückschaudern würde, der nicht eine Ader von einem Eßkünstler in sich hat.
Zusammengebettelte Kartoffelschnitze, einige Tropfen elenden Essigs und einige Tropfen ranzigen Brennöles daran—der Zuchthaussalat ist fertig und mit vergnügter Miene greift das Freundespaar mit einem Löffel zu, welcher aus dem Munde des Einen in den Mund des Andern wandert.
Mit welchem Appetit wird dieser Leckerbissen verzehrt, mit welchem Neide betrachten einige Gefangene die Esser, welche Freude spiegelt sich in den Mienen derjenigen, die zum Mithalten eingeladen werden und einen oder zwei Bissen der köstlichen Speise zu sich nehmen dürfen!—
Der Benedict ist in diesem Augenblicke wiederum der Held, der Wohlthäter des Saales, er empfängt den Lohn des Fleißes und der Geschicklichkeit, der Werkmeister drückt ein Auge zu, der Verwalter wird nichts von diesem Salate erfahren, den die Hausordnung keineswegs ausdrücklich verpönt, aber auch nicht ausdrücklich billiget, so daß er möglicherweise eine Zeile im Strafbuch nach sich ziehen könnte.
Die Schüssel wird leer, der Bläsi eingeladen, dieselbe vollends auszulecken, er bedankt sich dafür, weil er noch nicht lange genug hier ist, um die volle Wonne eines mehrfach zweifelhaften Kartoffelsalates zu empfinden, ein halbes Dutzend Anderer wünscht seine Stelle einzunehmen, das Affengesicht erhält jedoch den Vorzug.
Der Gastgeber sucht mit dem Zuckerhannes und Andern die frische Luft und steht auf den Treppen der Eingangsthüre.
Ein Gefangener, in welchem man durch das rothe Band unter dem Knie einen Rückfälligen erkennt, schleppt einen Korb voll Garn durch den Hof, bleibt plötzlich stehen, setzt die Last nieder, beginnt gewaltig zu schimpfen, zu drohen und einen unsichtbaren, stummen Feind herauszufordern. Dann horcht er eine Weile und wiederholt das Manöver, bis die Hofwache ihn vertreibt.
Verwundert hat der Zuckerhannes den Lärmmacher betrachtet, das Gelächter der Kameraden ist ihm unbegreiflich, er fragt:
"Was ist's denn mit diesem Menschen? ... Keine Seele hat Etwas mit ihm gehabt und er schimpft und tobt als ob er einen Todfeind auf dem Halse habe?"
"Der Kilian gibt Aufschluß, wenn er aus dem schwarzen Loch kommt, er kennt den Kerl genau!" meint der Exfourier, welcher sich der Gruppe näherte.