"Ich kanns auch thun, denn der Salomon, wie der geschupfte Mensch heißt, hat sein Nest neben mir und hat in den ersten Wochen den ganzen Saal manchmal allarmirt!" erzählt ein Veteran der Greiferkunde und fährt fort.
"Der Salomon wurde voriges Jahr entlassen, kehrte vor bald acht Monden ins Zuchthaus zurück mit einer neuen Capitulation von zwei Jährchen. Er behauptete jedoch in Einem fort, unschuldig zu sein und wollte deßhalb um keinen Preis arbeiten. Alle Güte und alle Strenge fruchtete nichts, wir selbst ermahnten ihn vergeblich, gescheidt zu sein und zu arbeiten, damit er sich nicht für jetzt und für ein andermal das Spiel verderbe."
"Wie Alles nicht half, wurde der Salomon endlich für so lange in Arrest gesprochen bis er sich dazu verstünde, den Kneip zur Hand zu nehmen. Tag und Nacht saß er allein in seinem Arreste, bekam weder einen Tisch noch ein Buch und durfte sich in der Kirche und in der Schule auch nicht blicken lassen. Als Arrestant sah er keinen Bissen Fleisch und damit es ihm nicht einfalle, die Zeit mit Schlafen todtzuschlagen, erhielt er Abends seinen Spreuersak [Spreuersack] und das Bettzeug, Morgens wurde Alles wieder herausgenommen."
"Sechs Monate hat ers in der Einsamkeit und Langweile ausgehalten und ist fest darauf geblieben, er sei unschuldig, gehöre nicht ins Zuchthaus und werde deßhalb auch nicht arbeiten. Es wäre leicht möglich, daß die Herren Richter eines schönen Morgens nach einem Donnerwetter und Platzregen sich übelgelaunet zusammen setzten und zwei Jahre des salomonischen Lebens als Gabelfrühstück verspeisten, aber ich für meine Person glaube nicht an Salomons Unschuld. Wurde er Einmal unschuldig verurtheilt, so hat er dafür Manches gefunden, was nicht verloren war und es kam nicht auf ihn heraus. Zwar hat er nicht so Vieles gestohlen und nicht so viele Untersuchungen durchgemacht, wie der rothe Philipp, denn dieser ist kaum 30 Jahre alt und hat 27 Untersuchungen und einige kleinere Strafen durchgemacht, bevor er zum erstenmal hierher kam, aber sauber ist der Salomon schon als Soldat nicht gewesen! ..."
"Kurz und gut, er blieb 6 Monate in Arrest, dann kam er heraus, mußte einigemal im Zwangstuhl singen und weil ihm angedroht war, daß er jeden andern Tag singen müsse, verstand er sich endlich zur Arbeit. Er arbeitet oder thut doch, als ob er guten Willen dazu habe, allein sein Arbeiten ist nicht mehr weit her, er hat in der Schusterei Leder verdorben und Dummheiten aller Art gemacht und macht jetzt so eine Art Hausschänzer! ..."
"Er ist in der Zelle ein Narr geworden, wer weiß, ob es mir nicht auch so geht, wenn sie bei uns Zellengefängnisse bauen!" murmelt der Duckmäuser nachdenklich.
"Müßte ich heute für Monate und Jahre einsam in einen Arrest, dann machte ich es wie der Thorsepp vor acht Tagen, ich sprünge dort in den Bach und wenn ich entdeckt und herausgezogen würde, wie es diesem ergangen, hinge ich mich am nächsten, besten Nagel auf!" meint der Exfourier.
"Ja im Menschenquälen ist jeder Esel ein Genie und in der Menschenliebe das Genie oft genug ein Esel, ich habe das schon in der Kaserne erlebt!" seufzt der Duckmäuser.
"Überall errichten sie jetzt Vereine gegen Thierquälerei und ich bin ganz dafür, weil ich oft gelesen, wie viehische Bauern, Knechte, Fuhrleute und Metzger die armen Thiere quälen aber weßhalb fällt es den Herrn niemals ein, auch einen Verein gegen Menschenquälerei zu stiften?" fragt der Bläsi. Der Zuckerhans schaut dem Bläsi ernst ins Gesicht und dieser wird bis über die Ohren roth.
"Weil der arme Teufel weniger auf der Welt gilt als ein Stück Vieh! ... Das Geld macht Alles aus, wer keines hat und nimmt wo ist, wird doch eingesperrt! ... Wir leben in einer gang [ganz] verkehrten Welt!" seufzt Einer.