"Weßhalb? ... Bist ja hier daheim, was hat es gegeben?"

"Ich erfuhr schon gestern Abend, daß der Jost heute fortkommt, weißt ja, daß die alte Garde Manches eher erfährt als die andern. Der freudenvolle Jost gab mir das Versprechen, ein paar Päckle Schick und ein Kettchen Knackwürste von Außen herein über die Mauer zu werfen, hats auch richtig gethan, ich ließ es mir schmecken, fing einen kleinen Krämerhandel an, der Meister ist dahinter gekommen, ich habe Alles schön geläugnet, aber man fand Zeugen in meinen Strümpfen und jetzt gehts bei diesem kalten Wetter wieder einmal in unterirdische Regionen! ... S'ist ein Elend!"

"Oh, bist im Ganzen hier doch besser daran, als Tausende draußen. Wenn ich früher vom Zuchthause reden hörte, dachte ich immer an dunkle Löcher mit triefenden Wänden, an Wanzen, Flöhe, Spinnen, steinhartes Brod und stinkendes Wasser und hat unser Amtsgefängniß auf etwas Besseres hingedeutet? ... Hier habe ich die Hände über den Kopf zusammengeschlagen, als ich diese Reinlichkeit und Pracht sah und eine Art Spital fand, an welchem die verschlossenen Thüren das Fatalste sind! ... Ich für meine Person muß mich dankbar an Vieles erinnern, was ich hier genossen habe!"

"Oh Narr! lacht der Stoffel; du willst dich für die Schinderei auch noch bedanken? ... Glaubst du denn, die ""Großköpfe"" würden uns so gar ordentlich betten, wenn sie nicht ihren verfluchten Vortheil dabei hätten? ... Zudem ist alles armselig genug, gerade so, daß man zur Noth bestehen mag! ... Früher gabs Willkomm und Abschied, wie der alte Paul wohl weiß, doch hier arbeiteten fast alle in der Stadt und wenn ich all den Specksalat, die Würste und Brodstücke auf einen Haufen legen und alle Schoppen darüber gießen könnte, welche mir draußen auf der Schanz zugesteckt wurden, es gäbe einen Berg, in welchem sich dieses ganze Gebäude verbergen ließe! ... Jauchzend und singend zogen wir manchmal Abends durch die Stadt heim und klapperten mit unsern Holzschuhen den Takt dazu, s'war ein Stolz und eine Freude Graukittel zu sein, aber jetzt? ..."

"Müßte ich nicht an meinen grauen Stachelbart denken, ich liefe wahrhaftig davon! ... Man darf jetzt nur noch das bischen Butter und den Schnupftabak wegdecretiren, mit Hungerkost freigebiger werden, dann wird und muß das Häfelein überlaufen. Es hapert dann mit der Arbeit, die Krankenstube wird voll, wöchentlich einmal kommen die mit den Schlapphüten und tragen Einen von uns zu den Studenten. Wir profitiren bei all diesen Dingen nichts, aber die großen Herren profitieren auch nichts! ... Unsereins kostet immer viel Geld, bevor er unter dem Boden liegt und kommt er wieder aus dem Zuchthause, so wird er das nächstemal pfiffiger sein und keine Kleinigkeit stehlen, sondern tüchtig zugreifen, anzünden, einen Reichen todschlagen und Alles thun, was er vermag!"

"Warum?"

"Ho, bist du noch immer so dumm, wie damals, als der Spaniol dich hinters Licht führte. Hat Einer recht ""Moos"", dann gehts ihm gut, wenn er damit durchkommt. Wird er aber erwischt, nun, dann macht man ihm den Garaus und die ganze Lumperei hat ein Ende oder er weiß doch wenigstens, weßhalb er ins Zuchthaus gekommen! ... Ich halt's ganz mit dem Spaniolen, der war ein gescheidter Mann: je ärger die Großen dreinfahren, desto ärger treibens die Kleinen und alles muß so kommen, wenn die ""große Zukunft"" nicht ausbleiben—"

"Fort, s'kommt Einer!"

Der Aufseher findet weder den Zuckerhannes noch den Einäugigen mehr, hinter ihm traben die Hausschänzer her, um die Lichter in den letzten Werkstätten anzuzünden, denn bereits schaut ein neuer sternenloser Winternachthimmel in den Hofraum der Strafanstalt herein.

Die heimelige Zeit der Dämmerung und die ruhige der Nacht bringt Gefangenen von selbst eine minder strenge Aufsicht und Vergessenheit ihres Zustandes, wirft ihren Schleier über manche Kleinigkeit, die sich nicht streng mit der strengen Hausordnung vereinbaren läßt und stimmt die abgematteten Werkmeister und müden Aufseher milde und versöhnlich gegen ihre Arbeiter und Pflegbefohlenen.