Wiederum läßt die Hausglocke ihre helle Stimme vernehmen.

"Sechs Uhr!"

Jeder legt die Arbeit nieder, die Aufseher ziehen ihre Dienstmützen vom Kopfe und machen ernstere Gesichter, die Gefangenen thun dasselbe, mancher faltet die Hände und zuweilen bewegt auch einer die Lippen.

Leben wir nicht in christlichen Landen und ist's nicht Betzeit?

Nach einigen Minuten wird fortgearbeitet, die Faulen sputen sich um ihr Tagwerk fertig zu bringen, die Fleißigen ermüden sichtbar, die Arbeit eines Jeden wird in Augenschein genommen, zuweilen belobt, noch öfter mit Stillschweigen übergangen, manchmal getadelt und immer aufgezeichnet.

Allgemach wird es ruhiger in der Werkstätte, Ungeduld spiegelt sich in mancher Miene, auch die armen Werkmeister und Meister bleiben zuweilen einen Augenblick ruhig und horchen scharf, ob das Glöcklein nicht den letzten und besten Ruf, den Heimruf zum Essen und Schlafen anstimme.

Endlich ertönt es;—"Feierabend!"—rasches Verstummen jedes Arbeitslärmes, Aufräumen aller Geräthschaften, Abmarsch.

Nach wenigen Minuten sitzt unsere bekannte Tischgesellschaft wieder beisammen, der Zuckerhannes betet wiederum laut vor, dann läßt sich Jeder die Wassersuppe und Mancher auch Reste des Mittagsmahles oder ein Stück Brod schmecken.

Kaum hat der Zuckerhannes vom Tische gebetet und kaum sind die Zinnschüsselchen verschwunden, so beginnt das Abführen in die Schlafsäle.

Die Wachen und Aufseher stehen draußen in den Gängen auf ihren Posten, der Reihe nach werden die Nummern der Schlafsäle ausgerufen und Einer nach dem Andern marschirt ab.