Nach seiner Befreiung sollte und wollte er keineswegs der Gemeinde zur Last fallen und suchte Arbeit, doch vergeblich. Der Stachel der Genußflucht ließ ihn nicht ruhen, er würde vielleicht nicht mehr Energie genug besessen haben, um das ehrliche Brod wiederum zu verdienen, seine Kräfte waren sehr geschwächt, die Keime derselben Krankheit, an der seine Mutter gestorben, hatte er durch ein qualvolles, zügelloses Leben in sich selbst zum Entwickeln gebracht.

Nach der Achtung ehrbarer und rechtschaffener Menschen fragte er längst nichts mehr, aber der Menschenhaß erwachte vollends, als er erleben mußte, daß dieselben Weiber und Saufbrüder, denen er so Vieles angehängt, ihm den Rücken wandten, sich verächtlich oder gar feindselig gegen ihn kehrten, nachdem er mit seinen Mitteln zu Ende gekommen.

Der Vogt spielte längst den gestrengen Herrn gegen ihn, nirgends im Thale fand er Aufnahme, er mußte der Gemeinde übergeben werden und sollte ein elendes, entbehrungsreiches Leben führen. Dies überstieg seine Kräfte; der einzige Kamerad, welcher ihm treu geblieben, war ein alter Schnapslump und Zuchthausbruder, vor welchem Jedermann die Thüren zuschloß und sich fürchtete.

Dieser Mensch brachte den Zuckerhannes bald dazu, mit ihm gemeinsame Sache zu machen. Beide lungerten zusammen in der Gegend umher und trieben zum Scheine das Korbmachergewerbe, in Wirklichkeit brandschatzten sie wohlhabende Bauern und Bäuerinnen, welche aus Respekt vor derartigen Bettlern diese oft reichlich bedachten. Zeiten des Genusses wechselten für den Zuckerhannes mit denen arger Noth, es ging das Gerede, er sammt seinem Kameraden fänden das einfache Mittel für Verbesserung ihrer Glücksumstände in außerordentlich langen Fingern. Doch wollte es der Umsicht der unermüdlichen Behörden nicht bald gelingen, Etwas auf die hausirenden Korbmacher zu bringen.

In einer Winternacht entstand ein Brand im Hause der Elsbeth, welche am Abend zuvor dem halbbetrunkenen Zuckerhannes den Eintritt in ihre Wirthsstube verboten und ihn zurückgestoßen hatte.

Der Brand des steinernen Häusleins wurde bald und glücklich gelöscht, der Schaden blieb unbedeutend, aber der dringend verdächtige Pflegsohn wurde festgenommen, der Brandstiftung halb und halb überführt und zu einer langwierigen Zuchthausstrafe verurtheilt, obwohl er beharrlich Alles wegläugnete.

Im Vorarreste traf er zwei alte Freunde, nämlich den Spaniolen, der seiner Wuth ob dem alten Betrug gleichmüthiges Gelächter entgegensetzte und Martin den Wirthssohn, den ehemaligen Schlosserlehrling, welchem eine Tödtung im Affect eine 15jährige Freiheitsstrafe eingetragen.

Der Duckmäuser suchte den tiefgesunkenen Freund zu verbessern, es gelang ihm auch theilweise, doch die Auszehrung bereitete allen Mühsalen desselben ein baldiges Ende und er ist keineswegs als ein Christ, sondern als der Zuckerhannes gestorben.