Ein Mensch ohne Religion ist ein unglückliches Geschöpf, wird zum unseligen Spielball der eigenen und zum willenlosen Werkzeuge fremder Leidenschaften und das um so eher, je mehr der Druck äußerer Verhältnisse auf ihm lastet und je unselbstständiger er in Folge des Mangels an sonstiger Bildung dasteht.

Zeigt den Armen Menschlichkeit und Liebe, zeigt ihnen handelnde Christen, Ihr Mächtigen und Reichen der Erde, dann habt Ihr nicht nöthig, für Eigenthum, Freiheit und Leben zu zittern, wenn es einer Handvoll Flüchtlinge beifällt, Euch die Zweifelhaftigkeit des dauernden Schutzes furchtbarer Armeen und rücksichtsloser Handhabung der Gesetze zu beweisen, Ihr habt alsdann auch nicht nöthig mit banger Hoffnungslosigkeit Euerer Enkel Zukunft zu bedenken.

Setzt den unmoralischen Waffen Eurer Todfeinde moralische, den Verschwörungsplanen derselben offene Gesellschaften der Söhne des Volkes entgegen, in welcher ein religiöser Geist auflebt und in diesem Falle einzig und allein entwaffnet Ihr Eure Feinde, deren Religionslosigkeit vielfach zur Verteuflung fortgeschritten und besiegt einzig und allein die Revolution, diese Ausgeburt der Hölle!—

Pflege eines religiösen Sinnes unter den Heeren, Stiftung von Gesellenbunden und Vereine für Christianisirung des Proletariats sind allerdings Anfänge zum Bessern, aber auch nur Anfänge, zu welchen bittere Erfahrungen hindrängten.

Sammelt die Dienstboten beiderlei Geschlechtes in Städten und auf dem Lande in ähnlichen Vereinen, sorgt für angenehme und nützliche Unterhaltung derselben in ihren arbeitsfreien Stunden, kommt ihnen mit Rath und That entgegen, dann werdet Ihr zahllose Sünden, Laster und Verbrechen, welche unter den Dächern der Dienstgeber, in Wirthshäusern und Tanzsälen, in Feld und Wald begangen werden und in ihren Folgen stets auch auf die Gesellschaft zurückfallen, verhindern. Die kleinen Opfer und große Mühe sind des heilbringenden Zweckes würdig, Ihr befestiget dadurch das zeitliche und ewige Glück der eigenen Person und der Nebenmenschen!—

Wer aus dem Munde der Leute aus der Hefe des Volkes und alter Verbrecher gründlich erfahren, wie es mit unsern sittlichen und religiösen Zuständen aussieht, wie weit die Fäulniß der Gesellschaft um sich gegriffen, wird die Reden des Spaniolen und des Exfouriers gewiß nicht für Eingebungen der Gespensterfurcht und die auf lauter Thatsachen sich stützende Schilderung des Lebens, Denkens und Fühlens der Gefangenen für keine Uebertreibung halten.

Kennt doch ein ehemaliger Revolutionär die Revolution und ein ehemaliger Gefangener seine Leidensgefährten wohl genauer als mancher Andere!—

Der Zuckerhannes lebte leichtsinnig und müßig in den Tag hinein, versank im freud- und friedlosen Wandel eines Liederlichen so tief, daß einige Briefe, welche der Duckmäuser an ihn schrieb, ihn anwiderten, weil aus denselben kein vollkommen verwildertes Gemüth und einiger Sinn für ein ehrbares, sittliches und religiöses Leben heraussprach.

Er beantwortete den ersten, zerriß den zweiten und ließ den dritten bereits ungelesen. Endlich wurden die Folgen seines Lebens sichtbar, als Emmerenz zuletzt erfuhr, auf welche Weise der alte Liebhaber das Seinige vergeude und aufhörte, demselben Etwas zu senden.

Die Elsbeth wußte stets woran sie war, fand es allgemach räthlich, andere Saiten aufzuziehen und dem Pflegsohn in der verschollenen Tonart seiner Jugend aufzuspielen. Gerade an demselben Tage, an welchem er den letzten Gulden in der Tasche und einige kleine, aber ungestüme Gläubiger auf dem Halse hatte, fing die Wirthin schwere Händel an, der Zuckerhannes mußte mit dem Bettelvogte ins Loch wandern, weil er sie mißhandelte und lebensgefährliche Drohungen ausstieß und erhielt wiederum eine mehrwöchentliche Gefängnißstrafe.