"Es ist eine hübsche Zeit seitdem ich auf die Welt kam und habe noch wenige Jahre, dann werde ich gute Leute finden und glücklich sein, nämlich vom 70. Jahre an. Das hat mir Anno 1805 ein frommer Waldbruder prophezeit und weil Alles so pünktlich eingetroffen ist, was er mir prophezeite, so wird auch dieses eintreffen.

Im Jahr 1782 bin ich geboren und der jüngste Sohn eines Stabstrompeters, welcher bei den Heidelberger Dragonern stand und später vom Churfürsten Karl Theodor das Patent als Tanz- und Fechtmeister erhielt.

Als ein Büblein zwischen 5 und 6 Jahren verlor ich den Vater, an den ich mich kaum mehr recht erinnere. Bald darauf lag die Mutter lange krank; an diese kann ich mich noch recht gut erinnern und als sie starb, hatte ich Niemanden mehr auf der Welt. Meine Brüder waren als Soldaten fort, die Schwestern verheiratet, ich mußte in das Waisenhaus nach Mannheim und wurde dort erzogen. Später erlernte ich die Weberprofession und arbeitete als Geselle drunten in der Pfalz.

Verwandte von mir lebten über dem Rheine und dort regierten damals die Franzosen. An einem Sonntage kommt eine Base zu mir herüber, klagt mir ihre Noth und weint bitterlich. Sie war eine Wittwe mit 5 Kindern, keines konnte ihr an die Hand gehen außer dem ältesten Sohne; dieser war erst 17 Jahre alt, sollte mit Gewalt bei den Franzosen Soldat werden, war entlaufen und der General hatte der armen Frau fürchterlich gedroht, wenn sie ihren Sohn nicht beischaffe oder einen Mann für denselben stelle.

Jetzt weinte sie mit mir über ihr Elend, ich weinte mit und weil ich doch damals schon so groß war, wie jetzt und so stark, daß ich alle Webstühle hätte zusammenschlagen mögen, auch weiter Niemanden in der Heimath hatte, dem Etwas an mir lag, so machte ich kurzen Prozeß, ging mit der Base über den Rhein, meldete mich beim General als Ersatzmann ihres Sohnes, wurde mit Freuden angenommen und zum 16. französischen Linienregiment eingeteilt.

Anno 1805 machte ich den Feldzug nach Oesterreich mit, war bei der Schlacht von Austerlitz, erhielt einen Säbelhieb über das Gesicht, der wenig zu bedeuten hatte, dagegen wurde unser Regiment in Mähren oft zum Plänkeln verwendet, bei einer solchen Gelegenheit erhielt ich einen Bajonettstich in die rechte Seite und einen in den rechten Fuß, blieb auf dem Kampfplatze liegen und wurde gefangen.

Nicht so gar weit von Olmütz war ein ehemaliges Kloster zu einem Lazarethe eingerichtet worden; man brachte mich dahin, ich wurde gut verpflegt und besorgt, obwohl viele Soldaten darin lagen, doch die Gefangenschaft gefiel mir nicht und ich verabredete mit einigen Kameraden einen Fluchtversuch.

Oben auf einem Speicher war die Todtenkammer, Todte gab es genug, wir schlichen uns eines Abends hinauf, lagen still bis Mitternacht und ließen uns dann durch eine Dachluke an zusammengebundenen Leintüchern in den Hof hinab. Wir standen im Hofe und hatten Eile, denn die Leintücher flatterten vor den Fenstern herum, wenn uns die Schildwachen entdeckten, hatten wir nicht viel Gutes zu erwarten. Wir hatten keinen Schlüssel und keinen Ausweg, meine Kameraden verzweifelten an der Flucht, denn der Abzugskanal, der durch den Hof lief, war gefroren, zudem voll Unrath und da, wo er unter der Mauer ins Freie führte, durch ein Gatter versperrt.

Das Gatter war von Holz; wir brachen es los, doch weil das Eis nicht trug und wir leicht im Schlamme ersticken konnten, wagte es außer mir keiner diesen sichern, jedoch gefährlichen Weg zu machen.

Meine Kameraden kehrten um, einen andern Ausgang zu suchen, ich kroch durch das Gatter in den Abzugskanal, wäre um ein Haar erstickt unter der ziemlich langen Wölbung, doch Gott hatte Erbarmen mit mir und wie durch ein Wunder gelangte ich aus dem Graben ins Freie.