Es war eine sternenhelle Winternacht, weil ich tropfnaß geworden, gefror Alles an mir, meine noch nicht ganz geheilten Wunden schmerzten mich arg, ich lief auf den Feldern umher, bis ich einige Lichter sah, welche sich nicht bewegten. Dem Umsinken nahe, konnte ich nicht mehr laufen, kroch auf allen Vieren den Lichtern näher und weil ich immer nur nach den Lichtern und nicht genau um mich schaute, kugelte ich auf einmal über einen Rain hinab in einen Bach, die Eisdecke brach, ich stand zwei bis drei Schuh tief im Wasser, schrie aus allen Kräften um Hülfe, wurde gehört, einige Weibspersonen kamen und zogen mich aus dem Bache. Ich sagte denselben, daß ich kein Franzose sondern aus dem Reiche sei, sie aber sagten mir, ich sei bei keinem Dorfe, sondern bei einigen Häusern, welche zusammen einen Hof ausmachten und ich habe über 4 Stunden hieher gebraucht, obwohl das Lazareth keine Stunde weit entfernt liege. Meine Angst vor dem Erwischtwerden verschwand bei der Versicherung, man werde mir gar nicht nachspüren, der Krieg sei ja aus und ich könne ruhig bei ihnen bleiben.
Im Stalle zogen sie mich aus und führten mich dann in die warme Stube, wo es mich erst recht fror. Um den Leib trug ich eine Schnur, an dieser ein Amulet mit seltsamen Zeichen, Namen und Bibelstellen und dieses Amulet erregte die Neugier der guten Leute, an die ich noch jetzt niemals zurückdenke, ohne daß mir die Thränen stromweise über die alten Wangen laufen! ... Ich habe in meinem langen Leben wenig Leute gefunden, die es gut mit mir meinten, doch diese Leute behandelten mich, als ob ich ihr eigen Kind wäre, wiewohl ich als Feind in ihr Land gekommen war! ... Vor dem Kriege lag das 16. Regiment in Besançon, dort hat meine Waschfrau mir das Amulet gegeben und gesagt, daß mich keine Kugel treffen werde, wie es denn auch geschehen ist. Mehr vermochte ich den guten Leuten nicht zu sagen, sie kochten mir eine Milchsuppe und als ich ihnen Alles dafür geben wollte, was ich besaß, nämlich 15 Groschen, die in der gefrornen Montur lägen, lachten sie mich aus. Ein alter Mann mit Einem Fuße stelzte auch herein, fragte mich über Vieles und gab mir auf meine Bitte soviel Schnaps, als ich nur begehrte. Dann kam der Alte mit meinem französischen Gebetbuche, ich durfte nicht mehr in den Stall, sondern in ein gutes Bett, betete vorher laut aus dem Buche und Alle knieten nieder, obwohl sie kein Wort verstanden.
Der Stelzfuß sagte mir noch, ich sei sicher, weil kein kaiserlicher Deserteur, dann grüßten Alle mit dem Gruße jenes Landes, nämlich. "Gelobt sei Jesus Christus!" und ich schlief den ganzen Tag und die andere Nacht fast dazu.
Weil das Wetter schlecht geworden, ließen sie mich nicht marschiren, ich wollte aber nicht umsonst da sein. Es standen zwei Webstühle in einer Kammer, der Zettel war fertig, eine Magd machte mir Spulen und so webte ich ein schönes Stück Tuch, bis die Eigentümer des großen Hofes heimkamen.
Endlich wurde das Wetter gut, meine Wunden ebenfalls, ich wollte ins Preußische, dort einen Paß auftreiben und damit heimgehen.
Die Bäurin hatte eine Schwester an der Grenze verheirathet, der Mann derselben war ein Wirth. Ich bekam einen Brief an diese Leute, dazu auch an einen Einsiedler, den man in jener Gegend nur "den frommen Gottesmann Bernardus" nannte, ferner andere Kleider, einiges Geld und so viel Eßwaaren, als ich nur einzustecken vermochte. Beim Abschiede weinte ich wie ein Kind, die guten Leute weinten auch, ein Knecht und zwei Töchter fuhren mit mir bis Mährisch Neustadt, dann ging ich allein der Grenze zu.
Ich kam zu den Wirthsleuten und wurde so gut aufgenommen, als ob ich daheim gewesen wäre. Die Frau hieß ihre Kinder mir die Händchen reichen, sie mußten mich "Vetter" nennen, ich weinte vor Freuden und mußte bleiben bis Sonntag. An diesem Tage kam eine Tochter auf Besuch, diese hatte den Waldbruder Bernardus bei sich auf dem Hofe und mit ihr kam ich zu diesem eisgrauen Gottesmanne.
Am dritten Tage erst durfte ich abreisen, vorher prophezeite mir Bernardus mein Schicksal und Gott der Allmächtige weiß, daß Alles eintraf, was er sagte, wiewohl ich nicht viel darauf gab.
Er prophezeite Folgendes. "Du wirst in Preußen keinen Paß bekommen, sondern Soldat werden, dem Kaiser dienen und noch Vieles auszustehen haben, ehe Du deine Heimath wieder siehst. Du wirst nicht nur manchen Blutstropfen verlieren, sondern auch ganz unschuldig zum Tode verurtheilt werden. In der Heimath wirst Du wenig Gutes finden und im Elend bleiben, bis Du 70 Jahre alt bist, wirst mehr aushalten, als Tausend Andere auszuhalten vermöchten. Vom 70. bis zum 90. Jahre jedoch wirst Du gute Leute finden und gute Tage erleben!"
Er prophezeite mir noch vieles Einzelne und ich hatte den Gottesmann kaum recht verlassen, so erfüllte sich seine erste Prophezeiung.