Sie war zu schwer, als daß ich sie hätte auf die Beine bringen können, blieb über eine Stunde besinnungslos liegen; es wurde ihr allgemach besser, sie steht auf, ich bitte um Gotteswillen, mich nicht irre zu führen und Nachts um 12 Uhr kommen wir richtig beim Bruder Bernardus an, der mir Alles so vorausgesagt hatte. Die Leute auf dem Hofe erschrecken ob meinem Aussehen, ich war beinahe erfroren, doch eine gute Weinsuppe und ein Nachtlager in der warmen Stube stellt mich wieder her.
Am andern Morgen gibt das Weibsbild den Brief an Bernardus und weint beim Abschied über mein Elend, denn ich war kaum im Stande, sie bis zur Thüre zu begleiten.
Vier Wochen blieb ich wieder auf dem Hofe, dann war ich hergestellt, mochte nicht bleiben, weil die Feldarbeiten mir zu schwer waren; die Leute gaben mir Geld, weinend nahm ich Abschied und ging nach Jägerndorf, um mich dort unter die Soldaten anwerben zu lassen.
Am Abend des zweiten Tages komme ich in die Stadt, gehe in das nächste Wirthshaus, wo viele Soldaten waren, lasse mir ein Seidel und Essen geben und frage, ob ich über Nacht bleiben könne.
Es heißt Nein, denn das Haus sei ein Brauhaus.
Einige Soldaten hörten, ich sei aus dem Reich und bei Mannheim zu Hause, sie sagen, einer ihrer Kameraden sei mein Landsmann, verdiene schönes Geld als Küfer in diesem Hause. Einer geht und holt den Soldaten und wer ist's? der Muck, welchen ich schon als kleines Kind gekannt hatte.
Ihr könnt Euch denken wie groß unsere Freude war und als der Muck erst hörte, ich wolle mich anwerben lassen, bekam ich Essen, Trinken, Nachtlager und Kameraden genug. Muck geht, um schnell einen Nachtzettel zu holen, doch er bekam keinen, der Richter, wie man dort zu Lande den Bürgermeister heißt, wollte mich selbst sehen, ich ging hin und bekam gleich einen Nachtzettel, nachdem ich vom Anwerbenlassen geredet.
Am andern Tage war ich Soldat bei Mucks Compagnie und bekam als Handgeld 24 Gulden, die mir kein Glück brachten. Ich bekam viele Kameraden, das Regiment gefiel mir aber nicht, weil es Stockprügel regnete und ich beschloß nach drei Wochen, mit 18 Andern zu desertiren.
Dem Muck sagte ich nichts, denn er hatte es gut; an einem Sonntage liefen wir davon, doch kamen die Nachsetzer, ehe wir 3-4 Stunden weit gekommen waren. Sie hatten Fuhrwerk bis zur Grenze, eine Menge Bauern folgte ihnen, weil Jedem, der einen Deserteur fange, 24 Gulden versprochen wurden. Am Rande eines Waldes holten sie uns ein, wir hatten beschlossen, uns bis zum Tode zu wehren und nicht zu fliehen, die Bauern unternahmen einen Sturm auf uns, wir wurden bald überwältigt, gebunden, von den Bauern ins Dorf geschleppt und bewacht, am andern Morgen aber zum Regimente nach Jägerndorf eingeliefert.
Wir Alle waren von der ersten Grenadiercompagnie, unser Hauptmann dauerte mich wahrhaft, denn er war ein guter Mann, fragte, was wir denn zu klagen hätten, wir wußten nichts gegen ihn vorzubringen und er machte uns bittere Vorwürfe.