Wir Alle wurden getrennt, verhört, in 10 Tagen Kriegsgericht gehalten. Der Rädelsführer erhielt die Kugel vor den Kopf, wir die härteste Strafe nach der Kugel, nämlich 10maliges Gassenlaufen durch 300 Mann und zwar so, daß nach 5 Läufen frische Ruthen vertheilt wurden. Als ich auf dem Exerzierplatze die langen Soldatenreihen und Ruthen sah, wurde mir doch bange und als die Tambours und Pfeifer anstimmten, klopfte mir das Herz gewaltig.
Ich gehörte zu den Ersten, welche laufen mußten, denn ich hatte mich gegen die Bauern arg gewehrt, der Major und Adjutant schrieen in Einem fort: Zugehauen! Zugehauen! Dennoch hieb gar Mancher auf die Hosen, Viele hieben schonend, denn die Soldaten waren fast lauter Ausländer. Uebrigens lief mir schon beim zweiten Gang das Blut durch die Hosen, denn ich trug auf dem Rücken eine große Warze, welche gar bald weggehauen war und tüchtig blutete.
Das Aergste war mir übrigens nicht das Gassenlaufen, sondern das Zuschauen vieler Herren und Damen der Stadt.
Diese gaben uns nach der Exekution vieles Geld, wir kamen Alle ins Lazareth. Mir wurde ein nasses Leintuch auf den Rücken gelegt, dasselbe war mit Etwas bestrichen, welches mich so wüthend schmerzte, daß ich vermeinte, in die Luft springen zu müssen und eine volle, ewiglange Stunde dauerte die Qual! ... Nach 8 Tagen sollten wir als Geheilte aus dem Lazareth, da fragte ich den Krankenwärter, was denn an dem verfluchten Leintuche gewesen, doch dieser sagte nur: "Ich weiß nicht, wie es heißt und was es ist, es darf halt auf dem Rücken keine Maden geben!"
Fortan ging ich nur mit Muck um, hatte die Freude an diesem Regimente jetzt erst recht verloren und war fest entschlossen, ganz allein zu desertiren, wenn es mir auch das Leben kosten sollte.
Neben der Kaserne stand das Wirthshaus zum Mohren, wo man Alles haben konnte, was zur Menage gehört. Der Wirth war aus Landau, seine Frau, eine Wienerin, hatte zwei Schwestern bei sich, von denen eine Marie hieß. Ich trank zuweilen für einen Kreuzer Rosoli; einmal gab ich der Marie einen Groschen, sie gab mir das Doppelte wieder und so fing meine erste ernsthafte Bekanntschaft an.
Die Offiziere sahen nichts lieber, als wenn die Soldaten Liebschaften anfingen und heiratheten, denn sie glaubten, das Desertiren habe dann bei ihnen eher ein Ende. Kam ich auf Wache, so brachte die Maria mir Essen und Trinken und sagte hundertmal. "Wären wir nur in Wien, da wollte ich für dich sorgen! Habe ich nicht einen Bruder dort, einen Bäcker, der nicht heirathen mag? Wir könnten's für ihn thun!"
Solche Reden leuchteten mir ein, ich ging endlich zum Muck, um denselben zu bereden, daß er mit mir nach Wien desertire. Er kannte Sprache und Sitten, Weg und Steg, andere Montur mußte auch her und die Marie wollte ich nicht sogleich mitnehmen, was sie immer wünschte. Die Wirthin hatte alles gehört, was ich mit Muck redete doch weit entfernt, uns zu verrathen, versprach sie allen möglichen Vorschub und sagte, sie könne mich gut leiden, weil ich es mit der Marie im Mohren gut meine.
Die Wirthin schenkte mir zwei Würste, weil gerade geschlachtet worden und sagte mir beim Fortgehen, ich solle nicht mehr viel in den Mohren, Marie selbst wünsche es und wolle lieber daher kommen, ihre Schwestern plagten sie arg und paßten ihr sehr auf um meinetwillen.
Einige Tage blieb ich aus dem Mohren weg, eine Botschaft nach der andern ließ ich unbeachtet, endlich ruft mich beim Vorübergehen der Wirth hinein. "Weßhalb kommen Sie nicht mehr?"—"Weil ich keine Aufsicht brauche, wenn ich ein Glas Bier trinke, ich zahle es immer!"—"Nu, nu, Alterle!"— "Hab' ich kein Geld, so schreibe ich heim, dort hab' ich genug; ich ließ mich nicht aus Noth engagiren, sondern weil mir das Herumziehen gefällt!"— "So, so!"—"Komme ich auch nicht mehr ins Haus, so wird Marie doch die Meinige!"