Margareth ging oft vor das Thor in ihren Garten, wir wären gar zu gerne mit einander gegangen, aber ein ausländischer Soldat mußte damals Jahr und Tag in Prag bleiben und sich musterhaft aufführen, ehe er vor das Thor kam. Der Feldwebel gab ihm dann eine Karte, jedoch nur auf einen Monat und jetzt wollte ich eine solche haben. Gab mir der Feldwebel ohne höhere Erlaubniß eine und es kam heraus, dann mußte er Gassen laufen und verlor seine Stelle dazu.
Er weigerte sich lange, eine Karte zu geben; Margareth gab ihm Geld und gelobte Stillschweigen, ich schwur, daß ich ihn nicht verrathen würde, wenn ich auch unglücklich wäre und erhielt endlich die Karte eines Soldaten, der dieselbe niemals bei sich trug, weil er immer als Gärtner vor den Thoren arbeitete und allen Soldaten bekannt war.
Glücklich komme ich vor das Thor hinaus, da führt mir der Teufel Mucks Zimmercommandanten in den Weg, der mich kannte und anhielt; "Wo ist die Karte?"—"Hier!"—"Woher die Karte?"—"Von dem und dem!"—"Kennst du den Soldaten?"—"Ja, doch weiß ich seinen Namen nicht, die Margreth im Wolf wird denselben wissen!"—"Arretirt!—"
Ich komme auf die Stockwache, der Regimentsadjutant examinirt mich, mein Feldwebel behauptet, er besitze alle Karten, bis auf die eines Bedienten, der in der Moldau ertrunken sei.
Damals desertirten sehr viele Soldaten, deßhalb wurde das Verhör scharf, als Einleitung bekam ich 30 Stockprügel. Margareth wollte von gar Nichts wissen, ich nannte sie eine Lügnerin, der Auditor betheuerte, es geschehe mir nichts, wenn ich nur sage, woher ich die Karte habe; doch ich blieb bei meinem Läugnen und bekam abermals dreißig aus dem Salz. Im nächsten Verhör gab ich gar keine Antwort und sagte endlich dem Auditor: "Es reut mich, im vorletzten Verhöre geantwortet zu haben!"—"Weßhalb?"—"Schon im ersten Verhöre sagte ich die Wahrheit, Gott weiß es und empfing dreißig Streiche dafür. Macht was Ihr wollt, doch bei der Musterung werde ich stehen bleiben und meine Sache dem General vortragen."—"Glaubst du, es sei dir zuviel geschehen?"—"Allerdings, denn ich redete Wahrheit!"—"Glaubst du nicht, daß ich dir noch mehr Prügel geben lassen könnte?"—"Freilich glaube ich's, ob es aber recht wäre, ist eine andere Frage!"—Jetzt meint der Vorsitzende des Kriegsgerichtes: es geschieht dir kein Unrecht, dafür sind wir auch da!—Der Auditor meint: die Jägerndorfer haben ihn so pfiffig gemacht!—"O nein, sage ich; bei meinen vielen Leiden habe ich auch viel erfahren, in Jägerndorf gibts keine andere Weisheit, als Einem den Buckel blau zu schlagen!"—"Du bist auf Jahr und Tag ganz frei vom Regiment und erhältst gleich 25 Kaisergulden, wenn du den Kartengeber angibst. Zeigt ein Anderer denselben an und wird es bewiesen, daß du nicht in den Garten zu dem Mädchen, sondern fort wolltest, dann wirst du nachträglich als Deserteur behandelt! Unterschreibe!"—"Nein!"—Jetzt sagte der Hauptmann: "Unterschreibe nur, es ist dir nicht zuviel geschehn. Du hast keine Strafe erhalten, man wollte blos dein Geständniß. Du kannst in der Stadt und auf der Kleinseite genug herumstolpern, hüte dich vor dem Fortlaufen, du bist ein leichtsinniger und verwegener Patron!"
Ich unterschrieb und sagte dabei: "Hätt' ich mich nur nie engagiren lassen!" In der Kaserne hieß es: "Hast dich brav gehalten, bekommst wieder eine Karte, wenn du eine brauchst. Warst aber dumm, es liegen ja 3 Regimenter hier, konntest die rechten Wachen abpassen!"
Ich schwieg ganz klug, ging zum Marketender, wurde gut empfangen und gut bewirthet. Mein Feldwebel saß auch da, ich erzählte ihm alles und er meinte. "Hättest du geplaudert, du wärest ohne Einen Streich davon gekommen, ich aber in des Teufels Küche. Es desertiren viele Pfälzer; es heißt, alle würden an der Grenze eingeholt und erschossen, doch glaube ich es nicht. Du könntest es bei den Kaiserlichen gut bekommen, doch du meldest dich bei der nächsten Musterung nicht zu einem andern Regimente, sondern desertirst, ich sehe es dir an, du bist ein Leichtfuß!"
Ich dachte, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen und schwieg.
Im Wolf ward ich ganz festlich empfangen, bekam Geld von den Wirthsleuten, Lobreden, Essen und Trinken genug und die Margareth riß mich schier um, als sie aus dem Keller kam, wo sie mit meinem Gefreiten Bierkrüge für die Offiziere gefüllt hatte.
Beim Vieruhressen wollte ich nicht sitzen und mußte von meinen 60 Prügeln beichten. Im Keller drunten gestand ich der Margareth, daß ich desertire und zwar auf Johanni; sie gab mir bald Recht und als sie hörte, ich sei ein Weber und wolle auf meiner Profession arbeiten, sagte sie, in Iglau besitze sie einen nahen Verwandten, der auch Weber sei, es gebe dort über 100 Weber und Arbeit für mich genug, sie wolle mir Briefe geben und bekäme ich in Iglau keine Arbeit, so könne ich nach Brixen und werde aus Tirol gar nicht mehr fortwollen, es gäbe halt nur Ein Tirol in der Welt ... Meine Civilkleider hatte ich im Wolf geholt, jetzt nahm ich dieselben aus dem Strohsacke, wohin ich sie versteckt hatte, mein Schlafkamerad sah dieselben und ich sagte ihm, die Frau des Gefreiten müsse sie mir verkaufen und brachte Stock, Hosen und Alles in den Wolf zurück.