Der Schnauzbart wollte es mir ansehen, daß ich auch schon bei den Oesterreichern gedient habe und als ich ihm erzählte, ich hatte in Leitmeritz als Weber gearbeitet, die Bleicharbeit sei fertig, ich wolle jetzt nach Wien, um mich engagiren zu lassen, da meint er, ich möge immerhin dableiben und mich hier annehmen lassen.
Er brachte es mir wacker zu, doch die Harfenmädchen stießen mich immer heimlich mit den Füßen, ich ließ mich nicht beschwatzen und wie der Schnauz am andern Morgen in aller Frühe wieder kommt und fragt, bin ich eben so wenig wie am Abend vorher zum Bleiben bereit.
Um 9 Uhr besuchte ich meine Landsmänninnen, ward erkannt, fand eine sehr gute Aufnahme, die Jüngere freute sich insbesondere, weil ich noch ihren Taufnamen wußte und Beide, weil ich gut gekleidet war.
Sie riethen mir ebenfalls, mich hier engagiren zu lassen, doch der Herr Vetter, der Chirurg in Wien mußte aushelfen, ich erzählte Vieles, wurde zum Mittagsessen eingeladen und erhielt ein namhaftes Geschenk.
Kaum sitze ich wieder im Wirthshause, so kommen zwei Polizeidiener, trinken Bier, fragen nach den Schriften ich habe keine, sie sagen, ich sei gewiß ein Deserteur, es liefen deren gar viele herum, verhaften mich und führen mich auf die Polizei, wo ich mich auf die Frau des Herrn Majors und deren Schwester berufe als Zeugen, daß ich ein Pfälzer, ehrsamer Weber und kein Deserteur, aber ein Rekrute sei.
Die Polizeidiener erhalten ein Schreiben, führen mich zu den Frauen zurück, der Herr Major war jetzt auch da, einst lange in der Pfalz und ein Gönner meines Vaters gewesen, gab mir ein Schreiben an den Polizeicommissär, dieser fertigte dann einen Paß für mich aus und rieth mir, ja nicht von der angezeigten Route abzugehen, weil ich sonst große Unnannehmlichkeiten bekommen würde.
Voll Freuden gehe ich zum Herrn Major zurück, um für die Fürsorge zu danken. Er dringt in mich, mich hier beim Regimente Lindenau anwerben zu lassen, doch ich behaupte, während meines Aufenthaltes zu Leitmeritz eine schöne, junge und vermögliche Wienerin kennen gelernt zu haben, welche in einem Wirthshause bei Verwandten lebte und bereits nach Wien gegangen sei, das Mädchen habe mir viel Geld gegeben und ich müsse zu ihm in die Kaiserstadt.
Ich mußte dem Offizier mein Geld zeigen, er vermehrte es durch einen Fünfguldenschein, lud mich zum Nachtessen ein und sagte, ich könne bei ihm essen so lange ich bleiben wolle, beim Fortgehen werde mir seine Frau noch einen Bündel weiße Wäsche und Kleider geben.
Die Leute im Wirthshaus freuten sich sehr über mein Wiederkommen, besonders die Harfenmädchen; es hieß, der Schnauz habe mir einzig und allein die Polizei auf den Hals geladen. Ich blieb im Wirthshause, mochte nicht mehr bei meinen guten Bekannten zu Nacht essen, sondern zeitig ins Bett, um früh den Weg unter die Füße zu bekommen.
Am andern Morgen gab mir die Frau Majorin richtig einen schönen Reisebündel; ich weinte beim Abschiede und wenn ich an diese guten Leute denke, laufen die Thränen noch jetzt stromweise über meine alten Wangen!