Ich kam jetzt in ein schweres Gefängniß, obwohl es noch immer besser war, als unser Loch hier, das an den Kesselthurm in Luzern mahnt.

Wie ich am Morgen mein Nachtgeschirr leere, springen mehrere Männer aus einem Verstecke, packen mich von hinten, werfen mich zu Boden, Hände und Füße werden festgehalten, der Schlosser legt mir zwei Ketten an und vernietet jede mit einem Nagel.

Am Sonntag kommen zwei Wächter mit Gewehren, bringen ein Hemd, das an der Seite ganz aufgetrennt und an den Aermeln mit Bändeln versehen war und Abends die Gefangenwärterin, welche seither die Thüre nicht mehr geöffnet hatte, so daß es unsauber genug bei mir aussah. Sie bringt den Schlosser mit und sagt: "Heraus, es wird eine Kette abgenommen, weil Ihr jetzt ordentlich seid!"—"Nein, wenn ich die Ketten verdient habe, will ich sie auch tragen!"

Mein Gefängniß lag einige Schuh unter dem Boden, wie dieses; aus den Reden einiger Leute vor demselben hatte ich entnommen, meine Geschichte sei der ganzen Stadt bekannt und Alles freue sich, weil der als Tyrann der Gefangenen bekannte und auf seine große Gestalt und Kraft vertrauende Kerkermeister doch einmal an den Unrechten gerathen und so "gezwiebelt" worden sei, daß er das Bett hütete.

Nicht lange hernach kommen Herren, um die Gefängnisse zu visitiren, ich wußte es von den Gefangenen und hörte die Thüren nacheinander aufmachen, endlich die Schritte der Besucher, welche näher und näher kommen.

Wie dieselben vor meiner Thüre sind, höre ich den Amtmann sagen: "Meine Herren, da drinnen ist's nicht sauber!"—"Du bist auch nicht sauber, Du Tyrann!" schrie ich aus Leibeskräften; die Thüre wird jetzt aufgemacht und ich klappere tüchtig mit meinen Ketten, denn Licht kam nur durch die offene Thüre herein.

Nach kurzer Einleitung halte ich eine Rede an die Herren, der Amtmann will mich unterbrechen, doch ein Herr sagt, daß er zuerst mich ausreden lassen sollte und ich erzählte Alles. Die Herren fragen, ob ich krank sei und ich antwortete: "Nein, Gottlob, trotz allem Elend bin ich bis jetzt gesund!" ... Sie sehen meinen Brodlaib, ich sage, das Brod sei bitter wie Galle, voll Sand und mache Bauchgrimmen, sie kosten Alle das Brod und sagen Nichts, Einer schüttelt aber den Kopf.

Die Gefangenwärterin meinte, die Gefangenen seien außer mir Alle mit dem Brode zufrieden, aber jetzt erzähle ich, wie verschieden hier Alle behandelt, gespeist und getränkt würden, wie wohl diejenigen daran seien, welche Geld brächten oder für die Gefangenwärtersleute arbeiteten und wie dieselben Alle abgerichtet hätten über das, was sie bei der Visitation reden sollten.

Richtig werden alle Gefangenen noch einmal einzeln verhört, mir werden die Ketten abgenommen, Alles geht besser, ich erhalte ein weit besseres Zimmer, nach einigen Wochen aber auch mein Urtheil, das auf 5 Jahre schweres Zuchthaus mit Willkomm und Abschied lautete.

Der Amtmann läßt mir den Willkomm mit 25 Stockprügeln gleich aufmessen, ich wurde streng bewacht und dann ins Zuchthaus abgeliefert.