Daß die Einwohner der Stadt die Zöglinge des Seminars, welche nur für zwei Jahre kamen und häufig gar magere Geldbeutelein mitbrachten, nicht als Mitglieder der Kulturfakultät genugsam beräucherten, daß die Schüler der Gelehrtenschule den Umgang mit uns hochmüthig vermieden und uns als "Elephanten" bei jeder Gelegenheit höhnten und verfolgen, während wir doch der Idee nach Hochschüler waren, solches schmerzte uns fast tiefer als die Aussicht in eine jedenfalls entbehrungsreiche und vielgeplagte Zukunft und gab Anlaß zu mancherlei Partheiungen, Zwistigkeiten und Händeln. Daß aber gar geistliche Herren, deren "Handwerk" schon der Idee nach tief unter dem unserigen stand, deren Fakultät laut allen Berichten ganz ideenwidrig eingerichtet, deren Treiben laut den hinreißenden Erzählungen berühmter Geschichten- und Romanenschreiber der Menschheit, dem armen Volke, von jeher zum Fluche gereicht, daß diese "schwarzen Vögel" wie wir sie hießen, uns, Träger der Kultur des Volkes und selbstbewußte Funken der Gottheit dereinst zu Dienern herabwürdigen und ungestraft kuranzen sollten—dieser Gedanke machte die Heißblütigen unter uns manchmal rasend und nur die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, der mannhafte Entschluß, für diese aus allen Kräften zu arbeiten, gewährte uns einige Erleichterung und Trost. Die Edeln des Menschengeschlechts träumten von jeher von bessern Tagen, unser Direktor that dasselbe, wovon schon seine Idee von der fünften Fakultät der Hochschule, der staatswissenschaftlichen männiglich überzeugen muß.

Diese hat das Leben des Volkes zum Gegenstande und beschäftigt sich näher mit der Lehre vom Wesen des Volkes und seiner Entwicklung zum Staate, mit der Bildung und Pflege des Volkslebens, ferner mit der Lehre von der krankhaften Entwicklung desselben, so wie mit dem Verderbnisse der Staaten, den Arten dieses Verderbnisses und mit der Heilung dieser Mißstände, zuletzt auch mit der Lehre vom Berufe des Staatsmannes und dessen Verhältniß zu den übrigen Ständen.—

Sehr naiv wird bemerkt: "Sind die Disciplinen nicht mit den gewöhnlichen Namen benannt, so ist dies nicht Folge der Unkenntniß oder Mißachtung, sondern des Strebens, die Idee zum Bewußtsein zu bringen, aus der die Schulen überhaupt und insbesondere die Fakultäten der Gelehrtenschule hervorgegangen sind.[">[

Das Kulturministerium muß auf den Zinnen moderner Bildung stehen und täglich Ströme von Geist, Licht und Geld in die untern Regionen entsenden. Es soll "für das Leben des Geistes sein, was die Person für den einzelnen Menschen oder der Staat für das Gesammtleben, soll das Leben der Wissenschaft und Kunst von der Volksschule an bis zur Akademie beleben, fördern und regeln. Insbesondere hat es für den Zusammenhang der Schule, Bildung der Lehrer, für Lehrmittel und Aufsichtsbehörden Sorge zu tragen und darf deßhalb nur solche Männer enthalten, welche außer wissenschaftlicher Bildung Beweise von Regierungstüchtigkeit gegeben haben."

Doch genug!

Suche Dir die Einleitung in die Religionslehre und andere Hefte zu verschaffen, lies den gedruckten Aufsatz über "der Schule Wesen und Gliederung" und dann habe die Güte, mir auf folgende Fragen zu antworten:

Habe ich Falschmünzerei mit den Aufsätzen und Schriften eines Mannes getrieben, den ich als Mensch, Lehrer und Wohlthäter verehre? Sind die Ansichten, Grundsätze und Ideen meines Seminardirektors positiv christliche und katholische gewesen? Ist Dir der "Schulmeisterhochmuth" noch ein Räthsel sammt der Abneigung gegen den geistlichen Stand und den meist so ideenwidrigen Bestand des Bestehenden? War ich im Unrecht als ich meinen Lehrern Mitschuld meiner Verirrungen und Verbrechen aufbürdete?—Ich glaube deine Antwort zu hören!—

III.

Je mehr ich mich durch das Wohlwollen und die Theilnahme beglückt fühle, welche meine Briefe an Herrn N. mir erwarben, desto mehr will ich eilen Ihren Wunsch zu erfüllen und Ihnen die hauptsächlichsten Gründe des Unglaubens und der Unzufriedenheit des Lehrerstandes meiner nahe liegenden Zeit sowie meine Ansicht über Gelehrtenschulen mittheilen.

Die Auszüge aus den ungedruckten und gedruckten Heften meines alten Seminardirektors haben Ihnen überraschend gezeigt, wie Vieles geschah, um die Lehrer des Volkes zu eigentlichen Trägern und Aposteln der Hauptkrankheit unserer Zeit, nämlich des Mangels an lebendigem Christusglauben und des Ueberflusses an Unkenntniß und Verkennung der katholischen Kirche zu machen.