Welche kalte und finstere Religion unter diesem "Pantheismus" gemeint sei, darüber blieb uns jungen Leuten, die wir Nichts von Philosophie verstanden und manches dicke Buch über die Gräuel des Mittelalters gelesen, um so weniger ein Zweifel, weil unser Direktor die vorgeblichen Verderber der Religion der Liebe nicht—liebte.

Weil die Kirche die Seele, die Schule aber den Geist repräsentirt, mag Folgendes Dir im Gedächtnisse bleiben: "Auch das Wesen von Geist und Person ist nicht scharf bestimmt und gesondert. Wir halten die Person nicht für etwas Vergängliches, sondern für den Höhepunkt des Lebens der Einzelnen. Person ist der sich selbst erkennende und bestimmende Geist, der in sich gekehrte Geist, wodurch der Mensch erst Mittelpunkt und Bestand aus und durch sich selbst erlangt. Der Person ist unmittelbar der Geist und durch diesen Leib, Seele und Individuum untergeordnet. In der Person vollendet sich die Offenbarung Gottes im Menschen. Daher lernt der Mensch Gott nur von Innen kennen und nur durch diese Kenntniß entsteht das Bestreben, durch ins Unendliche fortlaufende Vervollkommnung Gott immer ähnlicher zu werden."

Die Schule soll dem Vermögen des Menschen, das Vervollkommnende in sich aufzunehmen, die Erkenntniß geben und den fünferlei Gegenständen der Erkenntniß—individuelles Leben, Leib, Seele, Geist, persönliches Leben entsprechen fünferlei Schulen, nämlich Volksschule, Industrieschule, Gelehrtenschule, Akademie mit gelehrten Gesellschaften, endlich der Erziehungs- oder Schulrath oder das Kulturministerium, welches, das persönliche Leben des Einzelnen und der Gesammtheit erkennend, das Dominium über die andern Schulen ausübt. Die Volksschule soll die Individualität des Geistes entfalten und hat 3 Stufen, nämlich die Kleinkinderschule, Elementar- und Realschule.

Die Elementarschule "soll wie alle Schulen vorzüglich den Geist in Anspruch nehmen und die übrigen Richtungen des Lebens ihren Zwecken unterordnen." Ihre Lehrgegenstände sind Sprachlehre und Gesang, Formen-, Größen-, Zeichnungs-, Schreib- und Leselehre und Kenntniß der Zahlenlehre.

Die Realschule bringt dem Geiste sein Selbst zum Bewußtsein und die Industrieschule sammt den 3 Stufen der Gelehrtenschule (Gymnasium, Lyzeum, Hoch- oder Berufsschule) soll vor Allem das Nützliche ins Auge fassen, wozu die Religion nicht gezählt wird, die erst in der theologischen Fakultät ein eben nicht behagliches Plätzlein findet.

Die Hoch- oder Berufsschule nämlich zählt fünf Fakultäten, deren jede ihre eigene Literatur und Geschichte derselben hat.

Die erste Fakultät ist die allen Gelehrtenständen gemeinsame, etwa der philosophischen unserer Universitäten entsprechend und die zweite die medizinische, welcher nachgerühmt wird, daß "sie sich am meisten ihrer Idee gemäß gestaltet habe."

Die theologische Fakultät hat das Seelenleben zu ihrem Gegenstande und folgende Disciplinen: a) Lehre vom Wesen und der natürlichen Entwicklung der Seele, b) von der Pflege und Bildung der Seele, c) Lehre von der Entstehung und den Arten der Seelenkrankheiten nebst d) der Heilung derselben, theoretisch und praktisch. e) Lehre vom Einfluß der 4 andern Lebenserscheinungen auf das Seelenleben und vom Verhältniß der theologischen zu den übrigen Wissenschaften, endlich f) Lehre von der Bestimmung des Theologen und vom Verhältniß des geistlichen Standes zu den übrigen Ständen. Findet man dieses von einem katholischen Geistlichen gehegte und den künftigen Lehrern des Volkes eingeimpfte Idol einer theologischen Fakultät merkwürdig, sobald man nicht etwa auf dem Standpunkte Feuerbachs steht, so fanden wir herzstärkend und begeisternd Alles, was über die vierte und wohl auch über die fünfte Fakultät gesagt wurde. Die vierte nämlich ist keine andere als die Kulturfakultät und hat nichts Anderes denn das Leben des Geistes zum Vorwurfe.

Wesen, Entwicklung, Pflege, Bildung, Erforschung und Heilung der Krankheiten des Geistes, die Einwirkung des Geistes auf die 4 andern Offenbarungen des Lebens und der Einfluß dieser auf den Geist, die Culturwissenschaft und ihr Verhältniß zu den übrigen Wissenschaften, endlich die Lehre vom Berufe des Lehrers und von seinem Verhältnisse zu den übrigen Ständen—dies sind die der Culturfakultät eigenthümlichen Disciplinen.

Dann wird bemerkt: "Auch die Seminarien der Volksschullehrer sind ein Bestandtheil der Kulturfakultät und inwiefern die Trennung dieser Anstalten von der Fakultät vortheilhaft oder nachtheilig sei, können wir hier nicht auseinandersetzen. Jedenfalls muß der Direktor eines solchen Seminars ein wissenschaftlich gebildeter Mann sein, der die Gelehrtenschulen zurücklegte, zumal es ja Ein und derselbe Geist ist, welcher von der Kleinkinderschule an bis zur Hochschule inbegriffen entfaltet werden soll."