Du hast seit vielen Jahren Gelegenheit, viele Städte und Dörfer zu besuchen und der Einwohner Sinn zu erkunden, hast ferner zur Rongezeit und während der Revolution eine ziemlich unpartheiische Brille aufgehabt und kennst sehr viele Volksschullehrer persönlich, deßhalb brauche ich keine Namen und Thatsachen, zumal Namen wenig zur Sache thun und sprechende Thatsachen genug bekannt sind.

In der Regel wird der Jüngling das, was man aus ihm macht und lange Zeit hat man Alles gethan, um statt bescheidenen und glücklichen Lehrern der Kinderwelt innerlich zerrissene und unglückliche Hochmuthsnarren in die Schulstuben des Landes zu entsenden.

Beweise!—

Dieselben liegen schon in der Einleitung zur Religionslehre, Du sollst jedoch noch bessere haben, nämlich die Ansichten unseres Seminardirectors über die unnahbare Würde und welterleuchtende Bestimmung des Schulmeisterthums. Damit Du abermals siehst, daß ich gewissenhaft handele, sende ich Dir beiliegenden Aufsatz meines Meisters, welcher "der Schule Wesen und Gliederung" erklärt und seiner Zeit durch Guttenbergs Kunst der Vergessenheit entrissen wurde.

[Der] "Der Zweck der Erziehung ist Entfaltung derjenigen Kräfte, welche den Menschen in Stand setzen, in allen Richtungen des Lebens sich selbst zu beherrschen und zum Handeln zu bestimmen. Sie soll den Menschen zum Ebenbild Gottes machen. Die Ebenbildlichkeit mit Gott besteht aber darin, 1) daß er ein einfaches, untheilbares, unveränderliches, aus und für sich begehendes Wesen ist, "das sich aus sich selbst hervorbringt wie Gott die Welt aus Nichts, d.h. aus sich selbst erschaffen hat." 2) Daß insbesondere das aus ihm Hervorgebrachte in demselben Verhältnisse zu ihm stehe, in dem er sich zu Gott befindet. 3) Endlich daß der Mensch Alles, was er Wahres, Schönes und Gutes hat, nur als eine göttliche Geschichte und als etwas Geschichtliches habe.—Von Pestalozzi wird gesagt. "Das Erlösende und Heiligende seiner Methode stammt nicht von seinem Fleische, es ist eine Offenbarung Gottes, die ihm geworden und sein Verdienst, daß er uns dieselbe nicht als sein sondern als Gottes Werk gab. Die Schulmeister vor Pestalozzi sündigten zumeist dadurch, daß sie in ihren Systemen und Lehrmeinungen nur sich seldst [selbst] gaben und uns nicht zu Gott, sondern zu sich selbst zu erheben trachteten, Pestalozzi dagegen zeigte uns nicht seine Person, sondern die Wahrheit.—Wie die Göttlichkeit der Lehre Jesu nur von deren Befolgern laut Joh. 7,17 erkannt wird, so Pestalozzis Methode nur von dem, dessen Geist durch sie gebildet wurde.—Wie die Pharisäer auf dem Stuhle Mosis streng nach dem Gesetze lehrten und das Gesetz nicht selbst erfüllten sondern übertünchten, so lehrt der Sinnlichgesinnte, daß wir aus Liebe zum Vater unsern Brüdern auch nicht im Innern zürnen und schon den unreinen Begierden widerstehen sollen, während er im eigenen Busen voll Zorn die Verkünder der Offenbarung des Geistes, der Alles durchschaut (I. Kor. 2,10) zum Ingrimm und zur Verfolgung gegen die aufreizt, welche Gott als lebendige Werkzeuge erkiesen hat, Zeugniß von seinem eigenen Sohne zu geben."—Den Sinnlichgesinnten, welche sich vermessen, Feindesliebe und Widerstand gegen böse Begierden zu predigen, werden noch mehrere Bibelstellen entgegengeschleudert, dann die Entstehung der Sprache u.s.w. erklärt und das fünffache Leben des Einzelnen und der Gesammtheit zusammengestellt. Um der Kürze willen soll diese Zusammenstellung hier stehen:

Einzelleben = Gesammtleben

Individuum = Familie

Leib—Person—Seele = Gewerbstand—Staat—Kirche

Geist = Schule

Erläuternd heißt es: "Wir bezeichnen mit den Worten Seele und Geist zwei durchaus verschiedene Wesen, Geist bedeutet uns nicht bloß ein höheres Seelenleben, sondern Seele und Geist sind zwei einander entgegengesetzte Offenbarungen des einen Lebens. Unter Seele verstehen wir diejenigen Lebensfunctionen, durch welche das Individuum nach seiner Schöpfung mit Gott verbunden ist und ewig verbunden d. h. von ihm abhängig bleibt. Ueber die Art und Weise der Verbindung gibt der Begriff von Idee Aufschluß, welche vor unsern Augen Factum wird und der von Gattung, der den Millionen Individuen ungetrübt innewohnt und zwischen ihnen Wechselwirkung und Verbindung möglich macht. Die Seele ist Gott im Menschen, jedoch so, daß Gott vollkommen und ohne Veränderung seines Wesens außer dem Menschen und für sich besteht." Folgt nun eine Abweisung jener kalten und finstern Religionslehre, welche Gottes selbstständiges Dasein nicht erkennt und, da ihr Alles Eins ist, jeden höhern Aufschwung unmöglich macht und als wissenschaftliches System die Jugend zu der Vermessenheit verleitet, Alles, was Andere auf andern Wegen wissen und glauben nur als Irrthum, Täuschung, Verstandesschwäche, sowie alles Leben und alle Veränderung als leeren Schein und diesen selbst als eiserne Nothwendigkeit zu erklären.