Von ihm erfuhr ich, was draußen in der Welt gespielt wurde und meine Hoffnung auf Befreiung ward so lebhaft, daß ich mich am Morgen jedes Tages fragte: Wirst du die Hausschelle heute Abend noch hören?—Noch vor Mai 1849 verlor ich den Edlen, im Mai erfuhr ich die Befreiung der politischen Gefangenen und erwartete die meinige—vergeblich. Jetzt brütete ich wiederum düstere Plane unersättlicher Rache, schwelgte in entmenschten Träumen blutigen Hasses und fand darin die einzige Unterhaltung, weil ich in der Kirche nicht zum Hören zwischen den kahlen Zellenwänden nicht zum Lesen und Nachts nicht zum Schlafen gelangte.
Ich hatte Schreibzeug, noch einiges Papier und begann zu dichten. Eine Sammlung. "Rothe Lieder" sollte mir meine Lage erträglicher und nach meiner Befreiung meinen Namen der Welt bekannt machen.
Während der Arbeit schmiedete ich Verse und schrieb einen nach dem andern geschwind auf eine neben mir liegende Schiefertafel. Kam Jemand, so löschte ich das Geschriebene schleunig aus, andernfalls schrieb ich es am frühen Morgen oder während der Mittagsstunde auf Papierstreifen, die ich in den Schuhen bei mir trug.
Eines mag als Probe meiner damaligen Seelenstimmung hier stehen und Dir zeigen, wie weit ich noch nach etwa 10monatlicher Einzelhaft von Besserung entfernt war:
Ein Sklavenvolk mag vor Molochen kriechen, Vor schlauen Bonzen wahnerfüllt sich beugen, Sein Glück mit Füßen treten im Unsinnsreigen Und Seligkeit aus Triererröcken riechen!
Doch ewig soll das Volk an Dummheit siechen?— O nein! die Wahrheit wird und muß sich zeigen, Muß glühendroth aus Tempelasche steigen Sobald der Wahn des Christenthums gewichen!
Drum frisch, ihr Freien, laßt nie träg euch finden, Wetzt gegen Bonzentrug die schärfsten Klingen, Es gilt, der freien Menschheit Reich zu gründen!
Der Weltgeist leiht euch riesenstarke Schwingen, Kein Adler kann im Sonnenlicht erblinden, Der Menschheitsgott lohnt euer kühnes Ringen!—
Im Juni setzten mich Kanonendonner und Kriegslärm aller Art in fieberhafte Bewegung. Jeden Schritt, der auf den Steinplatten des Ganges dröhnte, hielt ich für den meines Befreiers.
Ich hoffte, daß alle Gefängnisse ihre bleichen Bewohner ausspeien würden und war gesonnen, aus denselben ein in die graue Tracht des Sträflings gekleidetes Corps zu bilden, um dasselbe als Vorkämpfer beim Kampfe gegen die alte Gesellschaft zum Siege zu führen.