Der Mutter und den treuen Mädlen entgeht seine Haltlosigkeit nicht, sie bieten alle Macht ihrer Zärtlichkeit und Liebe auf und bringen ihn wirklich dazu, das Haus des Brandpeterle zu meiden, der Hanne und der ganzen rothen Schwitt mit Verachtung entgegen zu kommen. Aus dem leichtsinnigen Benedict scheint ein ernster, rechtschaffener Mann werden zu wollen, die Mutter und die Margareth glauben ihren Herzkäfer Gott und der Tugend gerettet zu haben, doch an einem Freitag Morgen tritt ein Zweifarbiger, nämlich der Amtsdiener in die Stube und meldet, der Benedict habe morgen früh um 9 Uhr vor Amt zu erscheinen.

Derselbe stand gerade beim Hirzenwirth im Taglohn, erfuhr von der Einladung nichts, bis er Abends spät nach Hause kam.

Da geht das Donnerwetter los, die Eltern meinten, er habe wieder irgendwo einen schlechten Streich gemacht und es fehlte nicht viel, so würden sie ihn noch in dieser Nacht fortgejagt haben.

Mit bangem Herzen geht der Duckmäuser am folgenden Morgen vor Amt in die Stadt und macht den Rückweg erst wieder nach vier Wochen, weil der Gefängnißwärter nichts vom Heimgehen wissen will, bevor die Strafe erstanden sei.

Während dieser Zeit saß die Mutter oft gar traurig und niedergeschlagen am Abend mit der Margareth, dem Vefele, der Marzell und der Susanne auf den Staffeln und gegen alle Tröstungen unzugänglich, sagte sie hundertmal:

"Er hört nicht auf zu lügen, hierin liegt der sicherste Beweis, daß er sich nicht ändern will! Er hat über unser Haus jetzt eine Schmach gebracht, welche nie wieder hinwegkommt, so lange er darin ist, darum soll er auch nie wieder in dieses Haus treten, wenigstens so lange ich am Leben bin!"

Die Mädchen meinten, Benedicts Strafe sei ja nur eine Folge des gewiß abgelegten Leichtsinnes, die Mutter habe ihm nach der Rückkehr von der mehrtägigen Wanderung Alles verziehen und dürfe also nicht so hart sein, wenn sie gerecht handeln wolle, doch Alles half nichts und wenn Theres nichts mehr zu erwidern wußte, begann sie zu seufzen oder zu schimpfen.

An einem Mittwoch Morgen kommt der Benedict durch den Garten auf das Haus zu und steht auf der Schwelle der Hinterthüre; die Mutter stand am Heerde, jetzt wendet sie sich um, ihre Augen sprühen Feuer, sie eilt ihm entgegen und ehe er sich's versieht, spritzt das Blut aus einer Wunde an der Stirn und dann schlägt sie die Thüre vor ihm zu mit den vernichtenden Worten:

"Du, Galgenstrick, kommst nimmer über die Schwelle dieses Hauses, so lange ich noch schnaufe! Wirst genug haben an diesem Willkomm, kannst damit hingehen, wohin du willst, mich aber nenne nie mehr deine Mutter!"

Sie hat ihrem Sohne den Abschied mit einem scharfkantigen Holzscheite gegeben und er wird die Spuren der Wunde inwendig und auswendig ins Grab nehmen.—