"Mit all dem Geld, für welches ich gutstand, könnte ich meine Ehre und die Reinheit meines Gewissens nicht erkaufen. Ich hab' Euch mein Wort gegeben und bin jetzt schuldig mein Wort zu halten, werde es thun, so gut ich's eben vermag!"

Einige Wochen später wird Klausens Häuslein sammt Allem, was darin und daran ist, versteigert; er hat deßhalb mit seiner Alten keinen Streit bekommen und mit ihr und den Kindlein beim Rindhofbauern, dem Fidele und allzuschwachen Vater des schlimmen Max, vorläufig ein Kämmerlein und Brod bekommen, doch am dritten Tage nach der Steigerung ist dem Klaus das Herz gebrochen, er legt sich ins Bett und stirbt nach wenigen Stunden, während er wörtlich also betet. Herr, du hast mich arm gemacht, darum komm' ich jetzt zu dir und übergebe dir die Sorge für mein Weib und meine Waislein!

Gott hat das Gebet erhört; acht Tage später bricht auch dem Weibe das Herz und sie folgt ihrem Klaus nach in ein Land, wo es keine Schuldgesetze, keine Bürgschaften und keine Versteigerungen gibt.

Jetzt werden die vier Kindlein verloost und getrennt, sind noch viel zu jung zum Arbeiten, das älteste zählt kaum 10 Jahre, das jüngste kaum einige Wochen. Die siebenjährige Rosa wandert in das Haus eines wegen seines Unverstandes und seiner Rohheit gefürchteten und berüchtigten reichen Hofbauern, der nur darauf sinnt, wie das Kind sein elendes Bettlein und die Dienstbotenkost mit Zinsen vergüten könne.

Rosa sollte noch lange zur Schule, doch täglich muß sie den schweren Milchkorb auf den Kopf nehmen und stundenweit in die Stadt marschiren, sobald der Morgen graut.

Bei uns fehlt der Schnee gar oft im Dezember und Januar; am Tage regnet's und in der Nacht gefrierts, so daß auf allen Wegen und noch mehr auf dem Straßenpflaster das Glatteis am Morgen die Wanderer zum Fallen bringt.

Ein Fehltritt, dann ist's geschehen und so ging es einmal dem Rosele, diesem schwachen Kinde; sein Fuß gleitete aus und der Milchkorb lag auf der Straße. Wie hat das Kind vor Angst und Schrecken gezittert und gebebt, als die Scherben der Milchtöpfe klapperten! Mit weinenden Augen schaut es zu, wie die bläuliche Milch in gefrorene Fußtapfen und Wagengeleise rinnt, fühlt schon den Seilstumpen sammt dem Farrenwedel des Pflegherrn auf dem Rücken, weiß nicht mehr, was es thut, liest endlich einige Kohlköpfe und Scherben zusammen, in welchen noch ein wenig Milch zurückblieb und läuft still weinend und schluchzend der Stadt zu.

Vom Korbe herab tröpfelt die Milch noch immer über das grüne Biberkleidlein und das Kind sieht bald aus, als ob es einmal Milch geregnet habe, in seiner Todesangst hat es die Sache erst auf dem Wochenmarkte wahrgenommen.

Hier begegnet es seinem ehemaligen Unterlehrer, dem Benedict, denn der Hofbauer, bei welchem Rosa lebt, wohnt nicht im Dörflein, sondern gehört nur noch zur Gemeinde desselben. Beide sehen sich sonst blutwenig, jetzt aber sieht er seine alte Schülerin wieder und hört die schlimmen Prophezeiungen der Weiber, welche den unmenschlichen Hofbauern kennen. Benedicts Geheimkasse hinter dem großen Getüchtrog ist gerade in Floribus, er schenkt dem Rofele gerade so viel als es heimbringen soll, kauft dazu neue Milchtöpfe, tauscht dieselben gegen alte aus und weil ein Milchtopf ziemlich wie der andere aussieht, geht das vor Freuden weinende Mägdlein mit dem Gelde und der vollen Anzahl seiner Töpfe aus der Stadt getrost wieder heim.

Der Hofbauer erfuhr niemals etwas von der Milchgeschichte und das Rofele zählte zwölf Jahre, als es von dem Unmenschen erlöst und in demselben Rheindorfe beim Sraßenbasche ein Unterkommen fand, in welchem jetzt der verstoßene Duckmäuser als Knecht des "Saumathes" lebt.