Nur die Buben der rothen Schwitt ließen sich nicht herbei und die Mädlen derselben thaten gleich verscheuchten Hühnern.
Während der langen Abwesenheit des Duckmäusers hatte die rothe Schwitt im Dörflein große Siege gefeiert, denn es gab keinen Burschen, welcher dem reichen, wüsten und wilden Max herzhaft und beharrlich mit Glück entgegentrat, die schwarze Schwitt hatte ihr Haupt verloren und zerfiel. Mancher Bube und manches Mägdlein trat zur rothen Schwitt über, weil sie auch ein Vergnügen oder mindestens ihre Ruhe haben wollten. Seit 2 Jahren gebot der Marx auf allen Tanzböden und in allen Wirthshäusern, über alle Vergnügungen der Dorfjugend, schloß alle "Altmodischen" davon ab und weil die rothe Schwitt auch in den umliegenden Ortschaften ihre Anhänger und Verbündeten zählte, welche ebenfalls emporkamen, so wurden diejenigen, welche hartnäckig altmodisch bleiben wollten, nicht nur von allen Freuden und Festen ausgeschlossen, sondern auch noch auf alle möglichen Weisen verfolgt und gekränkt. Max sah immer noch die verhaßte schwarze Schwitt fortbestehen, so lange nicht alle Buben und Mädlen ihm anhingen und wirklich gab es Viele, welche beharrlich von allen Festen wegblieben und Alles erduldeten, denn Solches thaten.
Die Treuesten unter den Altmodischen waren Söhne und Töchter recht christlich gesinnter Eltern, denn wie konnten diese ihre Kinder bei einer Gesellschaft sehen, deren Anführer der Max vom Rindhofe war? Zog sich der Max durch sein abscheuliches, gottloses Leben nicht einen Leibschaden zu, so daß er auch leiblich verkrüppelte? Bezeugte nicht der eigene Vater desselben, sein Einziger werde mit jedem Jahre liederlicher und bringe ihn frühzeitig in die Grube? Weinte der herzensgute Fidele nicht oft bei seinen Nachbarn die bittersten Thränen über den ausgearteten Sohn und ließ sich nur dadurch trösten, weil er demselben weder durch Rede noch That jemals ein böses Beispiel gegeben habe? Lagen die Gesinnungen der rothen Schwitt nicht in täglich sich häufenden Werken offen und erschreckend zu Tage?
Alles dies bewirkte, daß trotz dem Zerfallen und Zusammenschmelzen der schwarzen Schwitt nach Benedicts Abfall stets ein kleines Häuflein braver Buben und Mädlen altmodisch blieb, man mochte gegen sie unternehmen was man wollte.
In der letzten Maiennacht zeigten die Rothschwittler so recht ihre Bosheit und ließen dieselbe an der armen Margareth und deren Schwestern aus, deren Wohnhaus mit mehr als 500 Maien ganz umstellt wurde. Nahe am Kammerfenster entdeckte man am Morgen des ersten Mai einen Strohmann von abscheulicher Gestalt, einen Besen, mit Dünger bestrichen und mit einem Rosenkranze behängt, eine Ofengabel mit Salbhäfelein; da einen Stab mit einem alten Kochhafen, dort einen mit einigen Rinderschuhen, viele andere mit Ochsenohren, Hahnenkämmen, Gansschnäbeln, Schwänzen von Katzen und Hunden, der Eierschaalen, Nachttöpfe, Schlapphüte, weiblichen Zwilchröcke und dergleichen gar nicht zu gedenken.
Heuer an der Kirchweih wollte der Max das Oberkommando in zwei Dörfern führen und, da er als Krüppel doch den Willibald Tanzkönig sein lassen wollte, vor Allem dafür sorgen, daß die "Altmodischen" zu keinem Freudlein gelangten—die plötzliche Erscheinung des Duckmäusers am Kirchweihsonntage machte jedoch einen gewaltigen Strich durch seine Rechnung und er merkte gleich, die meisten der ehemaligen Schwarzen seien eben doch keine rechten Rothen geworden.
Begleitet von Alten und Jungen, von Altmodischen, deren Gesichter vor Freude strahlen und von Neumodischen, die den Stiel rasch umkehren, weil sie keine aufrichtigen Rothschwittler sind, tritt der Benedict in die Kirche; die beurlaubten und alten Soldaten aber weisen ihm den ersten Platz im Soldatenstuhle an und versprechen, aus allen Dörfern des Stabes ihm zu Gefallen auf die Kirchweihe seines Dörfleins zu kommen. Kaum ist der Nachmittagsgottesdienst beendet, so beginnen 6 Musikanten im Hirzen Straußische Walzer zu spielen, das Wirthshaus und der Tanzsaal wimmelt von Infanteristen, Dragonern und himmelhohen Kanoniren, welche der Benedict aus der Kirche mitgebracht hat, andere fremde Buben und Mädlen kommen auch und die Rosa ist verabredetermaßen bereits seit Mittag nach langen Jahren wieder einmal im Heimathdörflein und hat das Grab der rechtschaffenen Eltern bereits besucht; das ganze Dörflein ist voll Leben und Freude und die seit zwei Jahren von jeder Lustbarkeit ausgeschlossenen Getreuen der ehemaligen schwarzen Schwitt werden die Heldinnen dieser Kirchweihe, mit Ehrenbezeugungen und Lobreden von den achtbarsten Bürgern, geschweige von den Jungen, überschüttet.
Kein rechter Rothschwittler durfte sich diesmal im Tanzsaale blicken lassen und ihre entehrten Mädlen, welche sonst die vornehmste Rolle zu spielen pflegten, dürfen sich nicht einmal dem Hirzen nähern.
Einige reiche Bauern, wie der Fidele, Maxens Vater und der Liebhardt, legten einige Kronenthaler zusammen, um den getreuesten Mädlen der schwarzen Schwitt, welche rasch wieder auflebt, eine Freude zu machen, am Kirchweihmontag wurden schöne Halstücher gekauft und dieselben am Dienstag ausgetanzt.
Schon am Montag traten einige rechtschaffene Männer, denen das Treiben beim Brandpeterle und Andern längst ein Gräuel gewesen, im Hirzen in den Bund der schwarzen Schwitt und gelobten auf Benedicts Zusprache öffentlich und feierlich, fortan über die Sitten der christlichen Jugend des Dörfleins zu wachen, die ehr- und schamlosen Maxianer zu vertilgen.