Das Erste, was er erfährt ist, daß sein Regiment nach Freiburg zurück verlegt wird. Rasch schreibt er diese frohe Nachricht seiner Rosa und bittet dieselbe, ihn doch um Gotteswillen mit der Mutter auszusöhnen, auf ihr ruhe hierin noch seine einzige Hoffnung.

Der Abmarsch nach Freiburg wird so rasch angetreten, daß er Gelegenheit bekommt, die Antwort auf den Brief selbst zu holen, weil dieselbe doch etwas lange ausgeblieben ist.

Freudig wird er vom Straßenbasche, Saumathis, vom Rosele und allen Bekannten empfangen, doch—Roseles Antwort lautet untröstlich genug. Was er, der Vater, die Geschwister, die Mädlen der schwarzen Schwitt, der Korbhannes sammt der Ursula und vielen Andern nicht vermocht hatten, setzte auch das Rosele nicht durch, im Gegentheil erging es ihr am schlechtesten.

In ihrer Unschuld und Liebe bat sie am eindringlichten, versicherte, nicht weichen zu wollen, bis ihrem Benedict der übel angebrachte, doch arglose Scherz verziehen sei, dafür fiel auch sie bei Mutter Theres in volle Ungnade und diese wies sie aus ihrem Hause, um niemals wieder über die Schwelle desselben zu treten.

Solche Kränkung schmerzte, empörte, allein die Liebe duldet Alles und das Mädchen bedauerte nur, daß auch seine Bemühungen vergeblich gewesen, der Straßenbasche mit seinem Weibe schüttelt den Kopf und meint, die Weiber seien ein wunderliches, unergründliches Volk.

Kaum ist der Benedict wieder in die Garnison zurück, so entdeckt er den Nebelspalter des Vaters und richtig steht dieser bald vor ihm und erzählt, die Mutter habe ihn hergeschickt, damit er dem Herrn Kapellmeister empfehle, den Hobisten Benedict recht strenge zu halten und niemals wieder zu beurlauben.

"Abschlagen hab ich´s der Mutter nicht können; seit jenem Abend redet und deutet sie wenig, nimmt grausig ab und ist kränklich, bin halt zum Herrn Kapellmeister gegangen und hab´ ihn zuerst gefragt, wie du dich aufführtest. Er hat dich sehr herausgestrichen, deßhalb habe ich meinen Auftrag auch nicht ausgerichtet, ´s wär eine Ungerechtigkeit. Halte dich nur brav, die Mutter wird auch wieder anders werden!"

So sprach der Vater, als er vom Sohne Abschied nahm.

Das Mütterlein wurde jedoch nicht anders, sondern sandte an der Stelle ihres Alten die Salome zum Herrn Kapellmeister. Salome war ein lediges, jedoch mit fünf lebendigen Kindern gesegnetes Weibsbild, trug Gebetbuch, Rosenkranz, den Loosungsgroschen und die Karte zum Kartenschlagen stets in Einer Tasche, übernahm Wallfahrtsgänge für die halbe Welt, deßhalb auch die Wallfahrt zum Herrn Kapellmeister, zumal Mutter Theres ihr ordentlich spendirt und noch mehr versprochen hatte, wenn sie etwas ausrichte.

Die Salome wußte gar ehrbare und erbauliche Gesichter zu schneiden, Alles gut einzufädeln, was sie einfädeln wollte und es war ihr ein Leichtes, den Kapellmeister, einen wackern, offenen Soldaten, der nicht gerne an Verstellung glaubte, weil er selbst aller Verstellung fremd war, gegen den Duckmäuser einzunehmen.