Zuerst beschrieb sie demselben den answendigen, dann den inwendigen Benedict von der Geburt bis zur letzten Kirchweihe, erzählte alle Streiche desselben, wußte den unseligen Scherz mit dem Traueranlegen als Verbrechen darzustellen, beschrieb dann auch die Rosa als ein verdorbenes, gottvergessenes und heuchlerisches Geschöpf und schloß, indem sie den Kapellmeister im Namen der tief bekümmerten und gekränkten Mutter des Benedict bat, diesem keinen Urlaub mehr zu geben und ganz besonders auch die Ausflüge ins Rheindorf zum Rosele zu untersagen.
Wer schon bei der nächsten Probe dem staunenden und betretenen Duckmäuser in Gegenwart aller Hobisten sein ganzes früheres Leben, seine "ganze verfluchte Duckmäuserei" und die schändliche Rede gegen die alte Mutter vordonnerte und ihm öffentlich aufs strengste verbot, jemals wieder einen Fuß zu der "liederlichen Fuchtel" ins Rheindorf zu setzen, das war der Herr Kapellmeister.
Wie verächtlich betrachteten die ältern Hobisten jetzt den Benedict, wie schadenfroh lachten die jüngern und besonders die leichtsinnigsten über den "Klosterbruder!"
Einen Brief nach dem andern, einer rührender als der andere, schrieb derselbe an die Mutter, um ihr Herz zu erweichen; nie erhielt er eine Antwort und weil er nicht mehr zum Rosele hinüber durfte, kam dieses mit und ohne den Straßenbasche zuweilen herüber.
Solches wird dem Kapellmeister gesteckt, einem Hagestolz, der als Todfeind aller Bekanntschaften seiner Untergebenen, besonders der jüngern bekannt ist und jetzt den Umgeher seines Verbotes recht zu fuchsen sich vornimmt.
Wo fehlen beim Militär jemals Gelegenheiten zum Strafen, wenn ein Vorgesetzter darauf ausgeht, Einem das Leben zu entleiden?
Selten fand eine Probe statt, bei welcher der Kapellmeister den Hobisten Benedict nicht andonnerte oder strafte, dieser gewann bald Aehnlichkeit mit seinem ersten Vorbilde, dem Compagnieschneider, insofern auch er bereits immer Zimmerarrest hatte.
Von der Kirchweihe bis zur Fastnacht hielt der Duckmäuser aus und machte seine Sache durch sein heißes Blut nicht schlimmer; das Romanlesen verlieh ihm Gleichgültigkeit und Erhabenheit gegen die Quälereien prosaischer Seelen und Genuß, weil er sich selbst für einen von Schicksalstücke arg Verfolgten halten mußte.
An Fastnacht bekamen alle Hobisten, sogar Meister Feucht für 3 Tage Urlaub, Benedict sollte beim Adlerwirth im Rheindorfe drüben aufspielen—der Kapellmeister jedoch gab ihm an der Stelle des Urlaubes drei Tage Zimmerarrest.
Am Fastnachtsonntag saß er mutterseelenallein im Zimmer, hatte deßhalb auch die Zimmertour und weil's gerade ein Brodtag war, so faßte er das Brod für die Hobisten und legte jedem seine zwei Laibe auf das Bett. Gegen Abend hielt ers nicht mehr aus, sah nur immer das weinende Rosele vor sich, nahm sich Urlaub aus dem eigenen Tornister, trat Abends zehn Uhr halberfroren in Straßenbasches Haus, verlebte im Rheindorfe zwei lustige Tage und kehrte am Aschermittwoch in die Kaserne zurück.