Uebrigens mußte Vater Jacob nicht nur erleben, daß die 50 Gulden, die er von Liebhardt geliehen, nicht mehr zurückkamen, sondern auch, daß sein ritterlicher Sohn häufig in der Nacht ins Dörflein kam und am Morgen mit einem Theile des mütterlichen Vermögens von dannen zog, dabei den Säbelgriff selten aus der Hand ließ.

Nach der großen Revüe machte Ritter Benedict eine Luftfahrt mit Fräulein Agatha, verschwendete in 3 Tagen 20 Kronenthaler theils auf Rechnung seines Vermögens, theils auf Regimentsunkosten.

Ein sogenannter Zufall ließ ihn während der Luftfahrt entdecken, die Tieffühlende und Hochpoetische habe schon vor Jahren als zartsinnige Jungfrau der badischen Regierung ganz unberufen zwei kleine Unterthanen geschenkt und sei unter dem Namen "Kasernenhäschen" bekannt gewesen. Solche unromantische Enttäuschung bewirkte, daß in grimmem Zorne der Ritter der bisher Angebeteten den Fehdehandschuh ins Gesicht schleuderte, ohne die Hand vorher aus dem Handschuhe herauszuziehen und dieselbe auf dem Wege verließ.

Sein Urlaub lautete auf 8 Tage und weil nach 3 Tagen sein Geldbeutel leer geworden, hätte er in die Garnison zurückkehren sollen.

Er that es nicht aus drei triftigen Gründen, nämlich erstens aus Liebesschmerz, zweitens aus Furcht vor einem Wauwau beim Regimente, der ihm gar bange Ahnungen machte und drittens aus Furcht vor der Zukunft, weil eine Hauptquelle seines Einkommens, sein mütterliches Vermögen, vom hartnäckigen Vater Jacob verstopft worden war.

Nachts kommt er in das Rheindörflein, wo Rosa wohnt und wo er als Knecht des Saumathis so glücklich gelebt hat; er will in den Adler, da begegnet ihm sein alter Freund und Gutthäter, der Straßenbasche, packt ihn am Arm und zwingt ihn, mit ihm zu gehen. "Was hat's Rosele verbrochen, daß Du sie so verächtlich von Dir stießest?—Warum kannst Du so gegen uns sein, was haben wir Dir zu Leide gethan?—Bist Du denn nicht mehr unser Freund? Mein, wenn Du wüßtest, was alle Leute sagen!"—fragt und klagt der alte Unteroffizier, doch hartnäckig bleibt der Duckmäuser dabei, Rosa sei an allem Unheil Schuld, was ihm beim Regimente zustieß und wodurch jetzt sein Glück für immer zerstört sei!

Mutter Clara weiß gar nicht, was sie für ein Gesicht machen, geschweige was sie reden soll, das Rosele sitzt neben ihr auf der Ofenbank, bringt vor Schluchzen und Weinen keine Silbe hervor, endlich geht er zur Thüre hinaus, läßt jedoch seine Kappe auf der Bank liegen. Rosa steht jetzt auf, geht ihm nach und hält ihn fest:

"Wo willst jetzt hin?" fragt sie seufzend und schluchzend.

"Fort, so weit als die Welt offen steht, um Dir aus den Augen zu kommen!" schnauzt er und will sich trotzig losreißen; sie hält ihn aus Leibeskräften fest und weil er alle Fragen unbeantwortet läßt, will sie nur das Einzige wissen, was er denn Schlechtes von ihr gehört habe, er möge es ihr unverhehlt ins Gesicht sagen.

Er bleibt stumm, sie erinnert an das Leben im Heimathsdörflein, an Jugendzeit und Schuljahre, an die Zeit seines ersten Jahres bei den Soldaten, an die Kirchweihe und will Alles thun, um ihn von Neuem zu bessern, will ihm all ihr Geld freudig geben und zwar eine Summe, welche ihn mehr als gerettet hätte, doch er brummt: "Hab Deine paar Groschen nicht nöthig, behalte Du sie nur, Du wirst sie einmal nöthiger brauchen können!" reißt sich von seinem weinenden Schutzengel los und verschwindet in der finstern Nacht.