Meister Feucht streicht seinen Fuchsbart und lacht wie ein Spitzbube, der erste Fagotist schleicht hinter den schier zusammensinkenden Benedict und schaut hinter dessen Rücken in folgende Hiobspost hinein:
"Freunt! Vergebe sie mer, wenn ich ihne mit diesem Schreiben und dem Zurikgeben des Bagets duschieren sollte. Sie seind mir lieb und werth, aber ich will, kann und darf Nix von Ihne wisse, meine Ehre erlaubt es nicht, denn wir wissen Alle sehr genau, daß Sie wegen schlechter Aufführung öffentlich bekannt geworden, mußten aus dieser Ursach das elterlich haus verlassen und stehen beim Regimend auch nicht in guter Haltung. So seind unsere genauesten Erfahrnisse. Ich bitte daher, kommen Sie mir zu Liebe ihr Lebtag nicht mehr auf die Burg, denn ich gebe mich durchaus in keiner Beziehung mit einem so schlechten Basaschier ab und schäme mich genug, nur Wohlgefallen an ihne gehabt zu haben.—Das Present aber (Gott was haben wir für Angst gehabt, bis es wieder aus unserm Haus), so große Freid ich daran hatte, könnte ich nicht behalten, weil ich befirchten mußte, daß es gestolenes Gut sei. Nehme Sie es daher wieder und geben Sie es Einer, die mit ihne gleich gesinnt ist, sonst schlagt mich der Vater tod, was übrigens nicht nöthig ist.
Mit durchdolchter Liebe und bleibender Achtung bin ich in Eile
ihnige ehemalige treue Itania."
Der Duckmäuser zittert vor Schrecken, Wuth und Schmerz, vermag weder zu reden, noch zu denken und zu handeln, sitzt wie ein Sterbender auf seinem Bett, bleibt etwa eine Stunde sitzen, dann zerreißt er den Brief in hundert Fetzen und zermalmt (der große Trommelschläger hat denselben abgeschrieben, um der staunenden Nachwelt einen Beweis der Herzlosigkeit unseres tintenkleksenden Saeculums zu geben!) die Fetzen zu Staub, ballt die Fäuste und knirscht. "Warte, Karnali, du sollst's büßen!" Mit diesen Worten dachte er an Rosele, denn er glaubte, diese habe aus Rachsucht nach der Burg geschrieben und Alles verrathen.
Der Seidenstoff war unter Itanias zarten Händen bereits zu einem Weiberrocke geworden, der Hobist packt denselben zusammen, um ihn einer Nätherin zu verkaufen. Hier trifft er mehrere junge Mädchen, schämt sich, ein Kleid auszukramen, geht unverrichteter Sache wieder fort, tritt in ein Bierhaus und die Kellnerin, ein etwas verblühtes doch hübsches Mädchen meint:
"Das ist ein Wunder, daß Sie allein kommen und dazu noch an einem Werktage. Haben Sie sich heute verirrt?"—"Ich denke, es wird noch Mancher bei Straßburg über die Brücke gehen, ohne von Ihnen gesehen zu werden!"—"Um Vergebung, habe ich den Herrn Ritter etwa beleidiget?"—"Nein, durchaus nicht, gnädiges Fräulein, ich bin nicht so leicht zu beleidigen!"
Das Wort "Herr Ritter" hat die Gemüthsstimmung des Duckmäusers plötzlich verändert, er fängt ein langes freundliches Gespräch an, trinkt Bier dazu, überzeugt sich, daß die Kellnerin Agatha eine ganz gewaltige Romanenleserin gewesen sein muß, sich trotz dem duftendsten Ritterfräulein zu benehmen weiß und—schon am andern Tage bringt er derselben Itanias Gewand und alle Kostbarkeiten dazu als Weihnachtsgeschenk, beredet sie, das prosaische Bierhaus aufzugeben und einen gemächlichen Dienst zu suchen, dabei weniger auf Lohn, denn "auf gute Behandlung" zu sehen.
Der große Trommelschläger war überzeugt, Itanias Brief sei ein Blendwerk der Hölle, ein Zwangsbrief und der Ritter könne durch einen neuen Brief wieder zu Ehren kommen, die Geliebte vielleicht aus unsäglichen Gefahren befreien, doch Agatha versteht es, den Benedict zu bezaubern und zu fesseln, in jeder Hinsicht die Seinige zu werden!
Alles Arbeiten und Sparen hörte plötzlich auf, der Held war wenig mehr in der Kaserne, verlor Zeit, Geld und noch weit mehr bei der Agatha und diese benutzte die Gelegenheit vortrefflich, ihn in jeder Beziehung auszusaugen. Itanias Gewand und Schmuck taugte nicht zu ihren bescheideneren Kleidern, schöne Worte und Liebkosungen bewogen den Ritter, sie als Burgfräulein vollständig und standesgemäß zu equipiren, sein Geld flog weg wie Spreu, zum Arbeiten bekam er keine Zeit mehr und verlegte sich in der Raserei seiner durch die beständig gereitzte Sinnlichkeit aufgestachelten Leidenschaft auf—kühne Griffe, wobei ihn das Glück außerordentlich begünstigte, so daß es wieder Spätjahr wurde, ohne daß er Unannehmlichkeiten bekam.