In der Stadt wurde er von seinen Zöglingen oft eingeladen, Etwas zu genießen—doch ein Ritter ist kein Schmarotzer, läßt sich nur so weit herab, zu nippen oder einen einzigen Bissen zu genießen, um den Anstand und Ruf zu wahren und sprengt dann hungrig weiter.
Meister Feucht vom Bodensee aß wie ein Löwe und soff alle sechs Wochen trotz einem Urgermanen, blieb dabei spindeldürr und schüttelte jetzt unaufhörlich den Kopf, weil Ritter Benedict nicht aufhörte, ganz ordentlich und blühend auszusehen.
Große Affekte und Leidenschaften sättigen auch den Leib, wenn sie Kinder des Glückes sind, davon wußte Meister Feucht sammt seinen Kameraden wenig oder dachte nicht daran.
Benedict hielt mondenlang aus, machte sogar eine große Revüe mit und dankte Gott, der ihm schon als Knabe die Fähigkeit gegeben zu hungern, um den Mädlen Geschenke machen zu können.
Die Revüe nützte seinem Magen, schadete jedoch seinen Finanzen so gewaltig, daß er sich selbst in seinem letzten und wohlfeilen Vergnügen beeinträchtigte. Bisher war die Dämmerungszeit sein gewesen; er hatte neben dem großen Trommelschläger tiefergreifende, sehnsuchts- und wehmuthsvolle Septimen- und Mollakkorde den Lüften anvertraut, um sie der angebeteten Itania melodisch zuzuflüstern—jetzt übernahm er es, zwischen Licht und Dunkel Monturstücke, Waffen und anderes Zeug für den Regimentsfourier und Verwaltungsfourier zu putzen und erhielt von jedem derselben monatlich anderthalb Gulden.
Nebst einem herzbrechenden und hochbegeisterten Briefe hat er für mehr denn fünfzig Gulden Schmuckwaaren an Itanien gesendet, die Antwort voll Liebesgluth blieb nicht lange aus, deßhalb nahm er die Gelegenheit wahr, kaufte für 36 Gulden Zeug zu einem fräuleinhaften Gewande und sandte es mit einem bogenlangen Briefe ab. Er wartet mit fieberhafter Spannung auf Antwort, hungert und spart, spart und hungert, denn im Frühling will er die Burg besuchen und sich im vollen Glanze eines begüterten Ritters zeigen.
Itania, das Kasernenhäschen, der Deserteur.
Der Duckmäuser erhielt wirklich manchen Brief, in welchem Itania mit den schönsten zärtlichsten und wohlgesetztesten Worten ihre innigste Liebe und unverbrüchlichste Treue gegen ihn ausdrückte. Hundertmal des Tages zog er diese Briefe aus der Brusttasche, küßte und las sie und las sie noch einmal, bevor sie eingesteckt wurden. Der große Trommelschläger las Itaniens Briefe auch und wenn er von Itanien anfing, dann hafteten Benedicts Augen auf ihm, wie die eines Schwerkranken auf dem Arzte und beide überlegen, welche Geschenke an Neujahr der Huldgöttin zu Füßen gelegt werden sollten.
Eines Morgens kommt der Glückliche vom Exerzierplatze heim, da erscheint der Briefträger, um ihm zu sagen, es sei ein Päcklein für ihn da und er möge es in seiner Wohnung holen. Eiligst geht er mit, erkennt Itanias Hand auf der Adresse, unterschreibt den richtigen Empfang, fliegt zurück ins Compagniezimmer und öffnet das Päcklein mit zitternder Hand, denn er erwartet das wohlgetroffene Bildniß wohleingewickelt zu finden, um welches er das Burgfräulein zu bitten wagte, und ein artiges Gegengeschenk.
Doch—schreckensstarr und todtenblaß steht er da, denn all' seine Geschenke sieht er wohlgeordnet vor seinen Augen, glaubt zu träumen und aus seinem überirdischen Frühling plötzlich in den trostlosesten badischen Altweibersommer hineingeworfen zu werden! ...