Seitdem er in der Montur steckt, ist es die Rosa, welcher er Geschenke aufdrängt, um ihr seine Liebe, dem Pflegvater seine Sparsamkeit zu beweisen. Er wandelt auf ehrlichen Wegen, muß sich Alles am eigenen Munde absparen und wenn die Geschenke auch nur lauter Kreuzer kosteten, so machen 60 Kreuzer bereits einen Gulden und ein Gulden ist für einen Hobisten schon ein Sümmchen.

Jetzt hat sich der demüthige Hobist zu einem stolzen, mannhaften Ritter gruduirt [graduirt], welcher jedem Adjutanten den Fehdehandschuh kühn vor die Füße wirft; der Ritter hat bitterlich gespart, um eine Ritterfahrt unternehmen zu können, auf dieser Fahrt fand er das Idol, wornach sein überhirnter Verstand und sein fieberhaft pochendes Herz dürstete. Die holdselige 16jährige Itania winkt im langen Kleide und mit fliegendem Schleier von der Burg herab Tag und Nacht dem armen Hobisten in seiner Kasernenstube zu. Großartig ist ihm die Einzige entgegengetreten, großartig hat der Ritter sich gezeigt, großartig muß das erste Geschenk sein, welches er seiner Gebieterin zu Füßen legen will.

Der Hobist log sehr unritterlich beim Vater, um 50 Gulden zu erhalten, er handelte mehr als unritterlich an Rosa, um sich desto ritterlicher gegen Itania zeigen zu können. Die Geschenke an Rosa müssen aufhören!— hierin liegt der Schlüssel zu dem herzlosen, lügnerischen und niederträchtigen Abschiedsbriefe, welchen er derselben in die Hand drückte und dann vom bösen Gewissen getrieben fortrannte.

Die bisherige Geliebte muß wissen, weßhalb er ihr keine Geschenke mehr macht; ein allmäliges Abbrechen und Sparsamwerden würde ihm bei ihr und dem Straßenbasche nichts nützen und viel schaden, geschweige daß die himmelanstrebende Itania keinen knickischen und knausigen halbgetreuen Ritter zu ihren ätherischen Füßen sehen will! ...

Die 50 Gulden reichen noch zu keinem großartigen Geschenke hin, die Ersparnisse bei Rosa machen wenig aus, das ritterliche Einkommen muß durch Sparsamkeit und Arbeit vermehrt werden, denn um Unverlornes mit "kühnem Griffe zu finden," dazu ist der Benedict doch allzu ritterlich gesinnt und allzu prosaisch gewitziget worden.

Bisher bekam der Tabaksverkäufer monatlich 40 Kreuzer für Tabak, der Apotheker 12 für Pomade, die Leihbibliothek 48 für Entzückungen und Verzückungen, die Wirthshäuser nur 36 bis 40 Kreuzer, endlich trug er auch dem kleinen Liebling der Rosa, nämlich der Johanna und dem Schwesterlein des blinden Michel Milchbrödlein und dergleichen Geschenke zu.—Itania winkt vom hohen Söller herab und die bisherige Monatsrechnung des Hobisten reducirt sich auf Null.

Der große Trommelschläger ist noch immer ein lesender Narr, der Duckmäuser hat den Rubikon zwischen Idee und Wirklichkeit überschritten und ist zum handelnden Narren geworden.

Er verkauft seine beiden Tabakspfeifen, thut alles, um ja Niemanden zu begegnen, mit dem er anstandshalber einen Schoppen Bier trinken müßte, unterrichtet mit allem Eifer zwei Damen der Stadt, die seidenrauschende und juwelenstrahlende Tochter eines halbverzweifelten Bierbrauers und die den hohen Adel durch ihren Aufputz beschämende Primadonna des städtischen Theaters auf der Guitarre, musizirt im Orchester des Theaters, wodurch ihm die Leihbibliothek mehr als ersetzt wird, endlich schreibt er in jedem freien Augenblicke Noten für Damen und Offiziere ab und vermehrt dadurch sein Einkommen ganz gewaltig.

Doch noch nicht genug—der Benedict verzehrt monatlich nur einen einzigen Laib prosaischen Komißbrodes, verkauft 14 andere monatlich um 3 Gulden 30 Kreuzer; für das Fleisch erhält er jeden Mittag einen Groschen, endlich schnürte der Held seinen widerspenstig knurrenden Magen mit einer vom Meister Feucht zur guten Stunde erbettelten Binde immer fester zusammen und träumt allnächtlich von vollen Humpen und Wildschweinköpfen, welche ihm Itania kredenzt und vortrefflich zubereitet.

Der große Trommelschläger bleibt der Einzige, welcher den Ritter Benedict lobt, bewundert, tröstet, die andern Musikanten spotten und lachen oder schimpfen beide "Büchernarren" brav aus.