Leider machte ein regnischer Sonntag im September den frühlingshaften Ahnungen der Rothen, Röthern und Röthesten des Ländleins durch die "Schlacht" bei Staufen ein Ende und als der Max gar erfuhr, daß Struve in der Nacht mit der Eisenbahn als Gefangener durch die erste Provinz seines Reiches gesaust, da rief er in tiefem Schmerz:

"Mit Deutschlands Einheit ist's Mathäi am Letzten. Das Parlament läßt nicht hängen und köpfen, der deutsche Michel läßt seine besten Männer besiegen, die Elsässer halten uns mit ihren Pralereien zum Narren, rächen wir uns an der schwarzen Schwitt, denn diese trägt an allem Schuld!"——

Gesagt, gethan. Er stand mit einigen Kameraden dem Willibald als einem Abtrünnigen und "Aristokrater" auf den Weg, sie schlugen denselben halbtodt und nahmen sich das Trinkgeld dafür aus seiner Tasche. Schon einige Stunden später saßen Alle im Amtsthurme, doch der Rädelsführer fröhlich und guter Dinge, denn erstens war die Kerkerkost besser als in friedlichen Zeiten, zweitens hegte er keinen Zweifel als politischer Verbrecher behandelt, beurtheilt und, amnestirt zu werden und drittens dann als politischer Märtyrer etwas einträglichere Geschäfte als bisher machen zu können.

Die Untersuchung währte sehr lange; die Richter empfanden damals große Scheu, irgend einem Sohne des souveränen Volkes Unrecht anzuthun und beliebäugelten das Individuum im Spiegel der Allgemeinheit. Doch nach der Mairevolution erwachte der alte Heldenmuth und eine niegesehene Rührigkeit im Verurtheilen und der Max spazirte als Räuber dahin, wohin er gehörte.

"Er hat's noch nicht abgesessen und lebt unter Einem Dache mit Dir!" schloß der Johannesle; siedendheiß fuhr es dem Benedict durch die Glieder, denn der alte Schwarzschwittler regte sich in ihm und konnte es nicht lassen, mit dem Haupte der rothen Schwitt am gleichen Ziel angekommen zu sein und unter Einem Dache zu leben.—

Nach vielen Herzkäfern und Schulkameraden, deren Stolz und Freude er dereinst gewesen, wagte er gar nicht zu fragen, denn der Johannesle besaß keinen Funken jenes Taktes, mit welchem Besucher mit Zellengefangenen reden müssen, wenn sie denselben keine schweren Stunden und schlaflose Nächte bereiten wollen und das Rosele war etwas schweigsam und kurz.

"Hab' oft für Dich gebetet, Benedict und will für Dich jetzt täglich in die Frühmesse gehen. Was ich nicht über Dich vermochte, vermag am Ende dieses wunderliche Haus noch am besten!—Sei getrost, der alte Herrgott lebt noch und weiß, was für Dich gut ist und die großen Herren sind besser als die kleinen. Betrübe Dich nicht zu sehr, weil Du da sitzest, denn daheim und im Lande sieht es so aus und geht es so zu, daß auch ordentliche Leute manchmal fast froh wären, hier oder doch tausend Stunden vom Rhein weg zu sein und Maxes alte Kameraden erzählen genug, wie man im Zuchthaus ungeschorener und besser lebe als in der Freiheit!"—

"Viele, die selbst mitmachten, sind jetzt die ärgsten Anzeiger und Leuteschinder; wenn man's sieht, wie das Land ausgefressen und ausgesogen, dem Armen das letzte Leintuch unter dem Leibe weggerissen wird, weil der "Vollstrecker" oder der Staat Geld braucht und wie nirgends Zutrauen und Verdienst zurückkehren wollen, da wunderts Einen nicht, weßhalb Tausende jetzt auswandern nach Amerika. Am Ende kommst Du auch noch hinein, Benedict, denn seitdem die Gemeinden und der Staat Solche, die im Zuchthaus gewesen wegen Stehlen und Rauben, mit den Politischen nach Amerika spediren, geht das Gerede, alle Zuchthäuser würden allgemach geleert und der Befehlshaber von Amerika habe herausgeschrieben, man solle ihm doch alle Arrestanten schicken, weil es an Händen fehle zum—Arbeiten!"

Benedict schüttelte etwas ungläubig den Kopf und meinte:

"Für mich gibts keine irdische Hoffnung mehr!—Ich habe schon an Dir, Rosele, mein Loos verdient, weil ich Deine einst so treue Liebe so mißachtete und mißhandelte!—Ich möchte nicht einmal wieder unter die Menschen, denn was habe ich zu erwarten? Gutes wenig, sei es im Badischen oder in Amerika. Lebewohl, Liebe, bete für mich und denke, daß ich endlich doch hier ein anderer Mensch werde!"